KEINE CHANCE

soziale Gerechtigkeit Kinder aus einkommensschwachen Familien mit ergänzenden Leistungen vom Jobcenter haben keine Chance sich etwas zu verdienen, um sich etwas Größeres leisten zu können.
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Dies gilt leider. Mit einer Ausnahme: Der Gesetzgeber war in einem Fall „gütig“ und hat dieswenn ein Kind einen Ferienjob macht, ermöglicht. Hier darf es, wenn auch nur höchstens insgesamt vier Wochen im Jahr, bis zu 1200,- € selbst verdienen UND behalten. Dies gilt allerdings nicht für Jobs neben der Schule.

In den meisten mir bisher begegneten Fällen habe ich Verständnis für Entscheidungen des Jobcenters (bzw. die Gesetzeslage) und kann das meiste irgendwie mit „meinem gesunden Menschenverstand“ nachvollziehen, aber in diesem Fall scheitere ich.

Wir haben es ausprobiert. Ich möchte meinen Kindern ungern die Motivation nehmen, wenn sie von sich aus Ideen haben, wie z.B. neben der Schule zu jobben, um sich etwas Geld für dieses oder jenes zu verdienen. Andere Mütter mögen mich verstehen.

Ich wollte meinem Sohn trotzdem gern seinen Wunsch ermöglichen und habe versucht, ihn darin zu bestärken, einen Job zu suchen. Wir werden das wohl irgendwie schaffen, dachte ich, vielleicht muss ich einfach irgendwie kürzer treten, dann kann er wenigstens sein Geld irgendwie behalten, das er neben der Schule erarbeitet. Er hatte es allerdings schon mitgeschnitten, dass dies irgendwie angerechnet und verrechnet wird, so dass er trotz anfänglicher Lust, diesen Gedanken leider schnell wieder fallen ließ. Er ist immer in dem Bewusstsein aufgewachsen, dass in seiner Familie nur Geld für die nötigen Sachen da ist, und er hatte daher schon früh die Idee, selbst zu arbeiten. Er ergriff allerdings leider keine weitere Initiative daraufhin. Inzwischen weiß ich, dass er Recht hatte und es sich einfach definitiv nicht lohnt.

Da ich inzwischen eine 28 Std/Wo Tätigkeit angenommen hatte, hat sich die Situation geändert meine Tochter hat vor vier Monaten angefangen zu arbeiten. Vom Jobcenter gab es ohnehin nicht mehr viel dazu. (Wenn auch dies alles nicht wirklich für mich reichte…) Egal. Meine Tochter möchte im April eine Freundin in den USA besuchen und fing an, sich am Wochenende in einer Bäckerei Geld zu verdienen. Die beiden Mädchen haben zusammen große Pläne. Sie hatte berechnet, dass sie sich innerhalb der nächsten Monate recht viel zusammengesparen könnte, so dass die beiden auch innerhalb der USA auch noch ein paar Tage zu Verwandten nach New York fliegen können. Es hätte alles finanziell gepasst, nur leider habe ich keinen unbefristeten Arbeitsvertrag bekommen und musste die Arbeitsstelle zwangsweise vor knapp drei Monaten wieder verlassen und bekomme nun wieder (mehr oder weniger) Geld vom Jobcenter. Daher wird jetzt der größte Teil von den 400€, die meine Tochter monatlich verdient, mit unserem weiteren Anspruch verrechnet. Sie kann nun davon nun etwa 160,- € behalten, etwas mehr als 240 € müsste sie nun eigentlich mir geben, damit wir damit über die Runden kommen (100 € des selbst verdienten Geldes, der AlGII erhält, plus jeweils 20% des Einkommens über 100 € werden nicht angerechnet).

Mein Gedankengang, war anfangs der, dass wir vielleicht doch eine Chance hätten, dass sie einen größeren Teil des Geldes behalten könnte, weil sie ja Kindergeld bekommt und dies bei ihr als Einkommen in der Berechnung in unseren Jobcenterbescheiden auftritt. Ich dachte, dies wäre ein fester Betrag und würde sich somit nicht reduzieren (d.h. außer dem Freibetrag als ihr Einkommen angerechnet werden). So dachte ich, dass sie darüber hinaus verdientes Geld vielleicht behalten dürfe.

Aber jetzt weiß ich, wie es wirklich ist: Sobald das Kind mehr verdient, als dass es für seinen Bedarf benötigt, fällt es aus der Bedarfsgemeinschaft heraus und muss für sich selbst aufkommen. Das Kindergeld wird dem Kind nur zugeschrieben, wenn die Eltern nicht genug verdienen, um für das Kind zu sorgen. Sobald das Kind eigenes Einkommen hat, wird das Kindergeld wieder als Einkommen der Eltern angerechnet. Daher habe ich nun auch plötzlich anrechnungsfähiges "Einkommen", nämlich das Kindergeld, was nun nicht mehr als Einkommen meiner Tochter im Bescheid auftaucht.

Nun ja, ich musste es ja unbedingt ausprobieren und gucken, ob es nicht doch eine Möglichkeit für uns gibt, mit dem Geld zurechtzukommen, wenn meine Tochter sich eigenes Geld verdient. Aber die Erkenntnis, dass es sich nicht lohnt, habe ich heute nach einem Gespräch bei unserer städtischen Rechtsberstung gewonnen. Jetzt muss ich sehen, wie ich es meiner Tochter, die grade aus der Schule gekommen ist, beibringe und dass sie nun am besten sofort aufhört zu arbeiten. Oder es wenigstens auf ein Minimaß (100 € monatl.) reduziert, wenn der Arbeitgeber das mitmacht... so dass sie das Wochendende, doch besser zu ihrer Erholung und Ihrer Freizeit nutzt.

Das mit der USA Reise ist nicht mehr rückgängig zu machen, die Flugtickets sind bezahlt. Es würde einem ja auch das Herz brechen, oder nicht? Na, irgendwie wird es schon klappen, so wie sie es sich allerdings vorgestellt hatte, "shoppen gehen" und die Aktionen, die sie sich mit der Freundin zusammen schon ausgerechnet hatte, werden wohl nichts.

Laut Gesetzeslage habe ich nun alle Entscheidungen des Jobcenters verstanden. Allerdings kann doch das Kind nichts dafür, dass seine alleinerziehende Mutter kein Geld verdient! Es sollte doch, wie andere Klassenkameraden auch, die Möglichkeit haben zu jobben, um sich das zu leisten, was die Eltern dem Kind nicht ermöglichen können.

Nun ja, Sozialfall bleibt Sozialfall. Ich habe inzwischen mit ihr gesprochen und sie ist völlig am Boden zerstört. Sie möchte jetzt ausziehen... was ihr leider auch nichts bringt.

20:53 18.02.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Ellen

Ich habe noch einiges vor im Leben, denn: man soll es genießen und nutzen! Und... etwa die Hälfte habe ich davon schon rum.
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