Regenbogen

Alle Farben Ihre Stimmung ist nicht schlecht. Sie ist aber auch nicht gut.
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Ihre Stimmung ist nicht schlecht. Sie ist aber auch nicht gut. Bei der Suche nach einem Bild für ihr Gefühl denkt sie, wie so oft, an das Wetter. Denn das Wetter ist wechselhaft, so wie Gefühle. Sie ist glücklich wie die grinsende Sonne und bedrückt wie ein Regenschauer. Das würde ja bedeuten, dass ihre Stimmung einem Regenbogen entspricht. Und ist ein Regenbogen nicht wunderbar? Auf jeden Fall ist er rätselhaft und verzaubernd. Was für ein herrliches Gefühl man dahinter eigentlich erwarten würde, hinter so einem Regenbogen. Es bleibt allerdings bei Erwartungen, die Realität sieht anders aus. Verwirrung trifft es wohl besser. Also schaut sie wie ein verwirrter Regenbogen aus dem Zugfenster und lässt sich von der Sonne blenden. Schmunzelnd denkt sie sich, dass sie sich ja dann, laut ihrem Stimmungsbild, von ihrem Glücksgefühl blenden lässt und fühlt sich direkt noch ein bisschen besser. Der Regenbogen wird schwächer. Am Ende des Regenbogens wohnen, wenn man den Iren glaubt, Fantasiemännchen mit Gehstöcken und Kisten voller Gold. Sie sollen Glück bringen. Interessant. Wie passt das jetzt zu ihren Gefühlen? Sie findet keine richtige Lösung für das Rätsel und denkt sich daraufhin stirnrunzelnd, auch Iren irren sich. Denn soll sie wirklich glauben, dass irgendwo ein Mann steht, hinter einem verwirrten Regenbogen, der ihr Glück bringt oder sie sogar glücklich macht? Sie ist skeptisch.

Um dem Regenbogen nicht zu viel Raum zu geben, tippt sie wie wild auf ihrem Telefon herum. Im Geiste nennt sie es liebevoll Entschleunigungsgerät, weil alles wahnsinnig viel Zeit in Anspruch nimmt. Das Schreiben, das Lesen. Da bis zum Heimathafen allerdings noch ein bisschen Strecke vor ihr liegt, stört sie das nicht. Außerdem hat sie aufgehört sich an besonders vielen Dingen zu stören. Das macht sie einfach glücklicher. Und das will sie unbedingt sein. Frei nach dem neudeutschen Motto YOLO. Wobei YOLO eigentlich ja englisch ist. Es sollte dann eigentlich DLNE heißen. Das kann man aber nicht aussprechen, deshalb bleibt es bei YOLO. Wie sie da so vor ihrem Entschleunigungsgerät herum wartet, schmiedet sie Pläne. Pläne für den Tag, die Woche, den Monat, den Rest der Semesterferien. Das tut sie wahnsinnig gern, denn es gibt ihr ein Gefühl von Freiheit und Abwechslung. Das ist genau das, was sie will. Neben glücklich sein. Sie denkt darüber nach, was Freunde dazu sagen. Sie vermuten hinter ihrer Energie und Rastlosigkeit eine Art Verdrängung, Prokrastination und Flucht. Mag sein. Darüber muss sie mal in Ruhe nachdenken, wenn sie nicht gerade mit Regenbögen, Pläne schmieden und Verdrängen beschäftigt ist.

Mit einem herrlichen Gefühl von Freiheit, das sich mittlerweile eingenistet hat, scheint der Regenbogen komplett verschwunden zu sein. Sie hat es mal wieder geschafft auf andere Gedanken zu kommen. Zufrieden schaut sie aus dem Zugfenster und sieht das flache Land an ihr vorbei fliegen.

09:30 11.11.2015
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