Wortschätzchen

Verpasster Moment. Das nächste mal lässt mich ausreden, ja?
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Jetzt ist es raus und doch irgendwie nicht. Bewahrt vor Worten, die eigentlich die Schönsten sein sollen. Sind sie es also nicht? Und für wen sind sie es denn dann eigentlich nicht? Für die Fühlende, deren Zuneigung unerwidert bleibt oder für den Freund, der mit so viel Herz nichts anfangen kann? Darüber gibt es unterschiedliche Meinungen.
Auf der einen Seite will sich die Fühlende Luft machen. Sie will ihren Gefühlen, erwidert oder unerwidert, freien Lauf lassen, um für sich selbst dann doch das Schönste daraus zu machen. Denn das ist es ja nun eigentlich auch. Das sollte es jedenfalls sein. Diesen seltenen Moment will sie zelebrieren und in malerische Worte fassen. Die Erlösung von der einstigen Angst eines gebrochenen Herzens sich nie mehr zu verknallen. Vergucken. Verlieben. Das Gefühl ist auf einmal wieder da, wie wunderbar!
Andererseits will der Freund sie davor bewahren etwas zu auszusprechen, was dann nicht wieder ungesagt gemacht werden kann. Und warum? Weil dann auf einmal alles ganz klar ist? Weil Sprache Realitäten schafft? Weil man dann nicht mehr herumdrucksen und sich nicht mehr hinter vielen Worten, die im Grunde nichts Genaues sagen, verstecken kann? Weil die Fühlende verletzbarer wird? Dafür ist es sowie so spät. Verletzbar sein ist zwar ein Risiko, aber keinesfalls etwas Schlechtes. Und die Fühlende will sich nicht einlassen auf das Spielchen, dass das Nichtgesagte nicht existiert und reine Träumerei ist. Sie sieht keinen Sinn darin, sich selbst an der Nase herum zu führen. Sie braucht nur in sich zu fühlen und weiß sofort Bescheid. Der Freund wäre wohl allerdings auch kein Freund, wenn er sie nicht zumindest ein wenig schützen wollen würde.

Schlussendlich bleibt das Unausgesprochene unausgesprochen. Die Fühlende und der Freund können für immer behaupten, dass nie etwas war. Eine Freundin und ein Freund, ohne Gefühle.

13:43 21.11.2015
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