Jaivas

Medienschaffende haben es auch nicht leicht.
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RE: … und dann hat’s Ping gemacht | 09.09.2010 | 21:46

...Es hat Ping gemacht, aber hat’s auch „klick“ gemacht?

Apple hat mit Ping nicht wirklich eine bahnbrechende Innovation herausgebracht, sondern reagiert viel mehr auf den steigenden Konkurrenzdruck.
Apple beherrscht mit iTunes zwar zurzeit noch 70% des Online-Musik-Marktes in den USA, aber Amazon.com hält schon heute 12% Marktanteil (in den Staaten) - und jetzt will Google demnächst auch noch mitspielen:
www.reuters.com/article/technologyNews/idUSTRE6815ZQ20100902

Apple bekommt also ein Problem: Denn obwohl Apple mit den vielen iPods, iPhones und iPads den Markt portabler Endgeräte dominiert, ist sein Einfluss im Trendsetting eher gering. Die iTunes-Charts werden zwar herangezogen, um den kommerziellen Erfolg eines Künstlers zu messen, wer aber was werden will, muss – besonders als Newcomer – bei YouTube, Facebook Co... präsent sein. Beispiele wie Justin Bieber zeigen das eindrucksvoll. Bisher gibt es keinen wirklichen iTunes-Shootingstar - hier verdient nur Geld, wer woanders schon Bekanntheit erlangt hat.

Schafft Google den Einstieg in dem Download-Markt, könnte iTunes seine jetzige Vormachtstellung verlieren, weil, wer die Stars produziert, wird in Zukunft das Geld mit ihnen verdienen. Das ist zumindest das Kalkül von Google. Und bisher war Google zwar ein ums andere Mal der „Königmacher“, den Großteil des Profits haben aber andere eingefahren.

Ping verkörpert in einem sich verändernden Markt Apples dringendes Anliegen, Kunden in Zukunft emotional an ihr Portal zu binden: iTunes soll nicht mehr nur Einkaufsportal sein, sondern es soll Inspirations- und Informationsquelle, kurz „Hitmaker“ werden. Apple-User sollen ihre eigenen Stars kreieren.

Gelingt dieses Vorhaben nicht, könnte das zum großen Manko werden, denn Apples große Schwäche ist, dass, was im Hardwaremarkt funktionierte, im immateriellen Kontent-Bereich nicht funktionieren muss: einen iPod behält man, bis er kaputt ist oder zu alt, eine Online-Mitgliedschaft aber wird gekündigt, sobald man keine Lust mehr darauf hat.

Hinter Ping schimmert Apples Angst durch, ob die Kunden auch dann iTunes treu bleiben werden, wenn es bequeme und legale Alternativen gibt; der gemeine Online-User jedenfalls ist flatterhafter als der gemeine Hardware-Besitzter.

Dazu kommt, dass der Erfolg von iTunes bisher in erster Linie nicht auf seine Usability oder herausragende Kundenbindung/-freundlichkeit zurückzuführen war, sondern auf seine Konkurrenzlosigkeit. Wer nicht illegal oder im Grauzonen-Bereich Downloaden wollte, musste lange Zeit zu iTunes - und die reibungslose Kette vom iTunes-Store zum iPod und Co. hat es den Nutzern bisher unschlagbar einfach gemacht (jedenfalls wenn man Apple-Hardware-Besitzer war).

Schafft Google es, aber seine Trendsetter-Funktion zu behalten oder sogar auszubauen, dazu eine komfortable Download-Plattform zu erschaffen sowie einen nennenswerten Anteil an Endgeräten zu erobern (was sich abzeichnet) und dazu noch die Masse der - bisher oft im Illegalen operierenden - Downloader durch innovative Bezahlkonzepte für seine Plattform zu begeistern, wird Apple früher oder später in Bedrängnis kommen.

Ping ist also zu Vorderst eine Reaktion auf drohende Konkurrenz und kein Angriff auf die - wie auch immer geartete - private Musiksammlung. Schließlich ist es jedem selbst überlassen wie er seine Musik archiviert.

Als kritischer User sollte man jedoch genau hinschauen, was man im Hinblick auf Datenschutz, Privatsphäre Co wem über seinen Musikkonsum preisgibt. Ping, so es denn Anklang findet, nutzt jedenfalls - zumindest in seiner jetzigen Form - in erster Linie Apple und nicht dem Konsumenten.