Super, Punk!

Northern Soul Offiziell hat sich die Hamburger Band bereits aufgelöst. Im Sommer spielt sie jedoch noch einzelne Auftritte auf Festivals - Gott sei Dank! Erinnerungen an Superpunk

Superpunk. Quelle: tapete records

 

Mein erstes Superpunk-Album, daran kann ich mich noch gut erinnern, habe ich in der Stadtbücherei entdeckt. Es stand dort in der Abteilung „Jugend“ zwischen Ausgaben der Bravo und Benjamin-Lebert-Romanen. Das muss Anfang/Mitte der Nullerjahre gewesen sein, das Booklet war schon etwas abgegriffen; Wasser Marsch! war bereits 2001 erschienen.

Damals war ich 14 oder 15 Jahre alt, und Punk war für mich die einzig wahre Musikrichtung. Superpunk, dachte ich, das ist wohl noch ein bisschen lauter, ein bisschen verzerrter, ein bisschen mehr Punk. Ich konnte ja nicht wissen, was mich erwartet.

Ich muss heute schmunzeln, wenn ich an meine erste Begegnung mit Superpunk denke. Weil es gerade einmal zehn Jahre her ist, dass man sich Musikalben in der Bibliothek ausgeliehen hat. Weil ich keine Ahnung habe, wie ausgerechnet Wasser Marsch! in die nicht gerade üppige Sammlung an CDs geraten war. Und weil Superpunk fast zehn Jahre später, im Sommer 2010, den Song In der Bibliothek veröffentlichten: „Ein leichter Muff aber erhabene Stille / Und niemand lacht über die neue Brille / Der beste Ort, an dem ich je gewesen / Gut geheizt und immer was zu lesen / Willst du das System durchschau'n / Oder einfach nur ein Flugzeug bau'n / Ich lieb' die Bibliothek.“

Das, was ich hörte, als ich das Album zu Hause in meinen CD-Spieler einlegte, war kein Punkrock im klassischen Sinne. Es war dreckig, es war rotzig, aber es hatte Melodie, es hatte Orgeln, es hatte Charme. Und es hatte mehr als drei Akkorde. Es war Northern Soul, auch wenn ich das damals noch nicht wusste. Die Musik, die ich damals bevorzugte, klang anders. Bei Superpunk bin ich trotzdem geblieben; ich glaube, vor allem wegen der Texte. „Ich habe keinen Hass auf die Reichen, ich möchte ihnen nur ein bisschen gleichen.“ Das klang gut und irgendwie einleuchtend.

Mit dem, was Sänger Carsten Friedrichs so sang, konnte ich mich immer identifizieren. Über das erste Auto etwa, mit dem ich herumfuhr, das Auto meiner Eltern, haben Superpunk auch mal einen Song geschrieben: Ford Escort. „Das Aspirin liegt auf der Mittelkonsole / Während ich bei Burger King etwas hole / Wechselst du die CD, es ist / Anfang Herbst doch es riecht schon nach Schnee.“

Die Klarheit ihrer Texte, der fehlende Freiraum für Interpretation ist das, was Superpunk immer unterschieden hat von den Bands aus ihrer Heimatstadt, die zur Hamburger Schule zählen. Etwa Tocotronic, deren Bassist Jan Müller Gründungsmitglied von Superpunk war, als sich die Band im Jahr 1995 formierte. Seit 1997 spielt sie in der heutigen Besetzung.

Jetzt ist Schluss. Bereits im Februar dieses Jahres haben Superpunk ihre Auflösung bekanntgegeben. Auf der CD, die der aktuellen Ausgabe des Rolling Stone beiliegt, befindet sich schon ein Song der „offiziellen Nachfolger der leider aufgelösten Hamburger Band“, die heißen, wie auch das nächste Album oder der nächste Song von Superpunk hätte heißen können, Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen. Das passt natürlich ganz wunderbar zum Durchschnittstyp- und Verliererimage, das sich durch das gesamte Werk der Band zieht. Hinter dem neuen Projekt steht neben Carsten Friedrichs und dem Superpunk-Bassisten Tim Jürgens unter anderem Andre Rattay, der bis zu ihrer Auflösung im Jahr 2007 bei der Band Blumfeld spielte.  

Selbst Blumfeld waren im Rückblick kommerziell erfolgreicher als Superpunk. Freilich ist die Band um Friedrichs kein Geheimtipp mehr gewesen – der ganz große Erfolg aber blieb, obwohl deutschsprachige Musik in den vergangenen Jahren durchaus chartstauglich wurde, aus. Der Einfluss wiederum, den Superpunk auf andere Bands hatten, war sicher nicht gering. Als im vergangenen Jahr das Tributealbum Oh, dieser Sound. Stars spielen Superpunk erschien, fanden sich darauf etwa Die Sterne, Fettes Brot, Anajo und Egotronic. Auch die Schweizer Band Aeronauten, die mich immer ein bisschen an Superpunk erinnert, coverte einen Song. Am besten gelangen die Neuinterpretationen alter Superpunk-Klassiker jedoch denjenigen Künstlern, deren Stil mit dem der Band eigentlich nicht viel zu tun hat: Wie Jasmin Wagner (ja, genau: Blümchen) aus dem titelgebenden Oh, dieser Sound eine angejazzte Soulnummer machte – ganz großes Kino!

Bereits jetzt ist überall zu lesen, Superpunk seien bereits Geschichte. So ganz stimmt das nicht: Im Sommer spielt die Band noch ein paar Abschiedsauftritte auf Festivals, unter anderem beim Melt! (13. bis 15. Juli) und auf dem BootBooHook (24. bis 26. August), für das ich Karten habe – und auf dem ich die Band endlich live sehen werde.

Die Rechte des verwendeten Bildes liegen bei tapete records.

09:27 25.06.2012
Geschrieben von

Jakob Rondthaler

Student, freier Journalist.
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Jakob Rondthaler

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