Ad Sterne – Bürgermeister von Nacogdoches

Texas Ranger Der Geburtskölner Nicholas Adolphus Sterne (1801 - 1852) kam 1826 nach Nacogdoches. In der Texas Revolution befehligte er eine Einheit, die man Orleans Greys nannte.
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Es dreht sich alles um Nacogdoches. Ich hoffe, ihr habt inzwischen genauso viel Spaß an dem Wort wie ich.

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Ich wiederhole die Lektion von gestern in Kurzform. Man kann scheiternd siegen. Das passiert den Aufständischen im Kampf gegen die spanische Krone im mexikanischen Unabhängigkeitskrieg (1811 – 1821). Überall kriegen die Freiheitsmexikaner auf die Mütze, aber in der Summe ihrer Niederlagen erschöpft sich die Kolonialmacht. Kampf ist Kopfsache. Der point of no return ist ein moralischer Schwachpunkt; ein Versagen des Willens, des Gewissens und der Umsicht.

Die Unabhängigkeitsbemühungen finden schon in der Regie des überlegenen Nachbarn statt. In Briefen an US-Außenminister James Monroe spricht Special Agent Bill Shaler von unautorisierten Aktionen, verübt (vollbracht) von Männern (es fällt das in diesem Zusammenhang widersinnige Wort marauders), die nicht wissen, was sie tun. Ihre Führer geben im Zustand des Kontrollverlusts das Bild von Reitern (im Original steht bungler – Stümper) auf durchgehenden Pferden ab.

Shaler ist Schriftsteller, er trimmt seine Prosa, sucht den Effekt. Zugleich stellt er sich wie von selbst auf den US-amerikanischen Supermachtstandpunkt, der eine Entkräftigung auch der Verbündeten vorsieht.

Jeder Verbündete ist ein Feind, der sich noch nicht entpuppt hat. Im Britisch-Amerikanisch von 1813: In no manner they possessing our confidence – in keiner Weise verdienen sie (verdient irgendwer) unser Vertrauen.

Die Mexikaner (und die Filibuster genannten Revolutionstouristen aus dem Norden) kratzt das nicht. Shaler erscheint als Sponsor der Filibuster. Er stellt fest: They are running into the extravagance of revolutionary injustice and tyranny.

Das ist Literatur. Shaler schreibt bei Kerzenschein. Getarnt als Fischweib haust er im Slum von Nacogdoches. In Louisiana, wo er zuvor gelebt hat, fing Shaler Krokodile mit dem Lasso und Bären mit Honig. Er ist ein kompletter Westmann, der sich als Buckelhexe in der Konspiration Mora Tangipahoa nennt.

Der Gutiérrez-Magee-Deal platzt. Magee wird von Freiwilligen der Republican Army of the North (den Enttäuschten seiner Führung) in der Festung La Bahia vergiftet. Samuel Kemper, der fünf Jahre zuvor schon in Florida gegen die Spanier gekämpft hat, übernimmt das Kommando. Er schickt John McFarland nach Nacogdoches, um Verstärkung aufzutreiben. McFarland kommt mit drei spanischen Deserteuren und einem Dutzend bäurischer Coushatta zurück. Das klingt trostlos. Trotzdem fügt Kemper seinen Gegenspielern Simón de Herrera und Manuel María de Salcedo y Quiroga böse Schrammen zu. Er hebt aus und wirbt, was kreucht und fleucht, bis er schließlich über fünfhundert Mann verfügt. Das sind versprengte Amerikaner, Tejano, spanische Überläufer, Lipan Apachen and Tonkawa. Am 17. April 1813 erklärt Gutiérrez als Chef eines Bodensatzes, der als Republican Army of the North hochtrabt, die texanische Unabhängigkeit von der spanischen Krone, jedoch, und jetzt wird es spannend, eingemeindet in eine noch zu gründende mexikanische Republik. Zum Zeichen eines mexikanischen Texas lässt Kemper eine grüne Flagge hochziehen. Gutiérrez macht sich selbst zum Präsidenten, just zu der Stunde, als sein Mentor Miguel Hidalgo y Costilla in Chihuahua hingerichtet wird.

Gutiérrez irrlichtet im Gelände. Gibt man ihm Geld, haut er es in Hurenhäusern am Rio Grande auf den Kopf. Er tobt sich da als Tratar Alguien y Desprecio aus. Er wird von allen erkannt, aber von keinem verpfiffen. Das ändert sich auch noch. Tratar Alguien y Desprecio malt den Dirnen Rückensterne. Er weiß ein wenig aus allen Fächern, nur kämpfen kann er nicht.

James Wilkinson parfümierte sich mit dem Odeur des Hochverrats

Das höre ich beim Schreiben

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Weiter geht es mit James Wilkinson, dem Hausherrn im Bundesstaat Louisiana. Jeder Filibuster, der ein Stück vom texanischen Kuchen will, muss sich von Wilkinson einen Passierschein ausstellen lassen. Der Mann kann viel zu gut mit den Spaniern. Ein Hauch von Hochverrat umgibt ihn.

Wilkinson firmiert als der „vollkommenste Künstler des Verrats, den die amerikanische Nation hervorgebracht hat“. (Frederick Jackson Turner) Robert Leckie goß seine Charakterisierung in die Wendung, Wilkinson habe „keine Schlacht gewonnen und kein Kriegsgerichtsverfahren verloren“.

Fredonia

Geht man von Gutiérrez‘ Staatsgründungsversuch 1813 aus, dann bezeugt die Texas Revolution von 1836, die faktisch die Provinz Coahuila y Tejas von Mexiko spaltete, auch einen Sinneswandel. Anstatt mit Mexiko zu kooperieren, will man lieber die Vereinigten Staaten vergrößern. James Long scheitert wenige Jahre nach Gutiérrez mit seiner Long Republic of Texas 1819/20. Kurz vor Weihnachten 1826 ruft der Impresario Haden Edwards in Nacogdoches die Republic of Fredonia aus. Der Staat besteht einen Monat. Neben mexikanischen Soldaten schlagen 275 angloamerikanische Milizionäre die Fredonia Rebellion nieder. Losgeschickt wurden sie von Stephen Fuller Austin, der sein gutes Verhältnis zur Obrigkeit von Alleingängen phantasievoller Landsleute nicht beschädigen lassen will.

Das ist eine Konkurrenzgeschichte. Edwards und Austin sind in derselben Branche. Sie überreden angloamerikanische Familien zur Konversion und zu Infrastrukturmaßnahmen im nun mexikanischen, vormals spanischen Texas.

Unter den Milizionären sind Texas Ranger. Austin separiert die Ranger als Irreguläre absichtlich weit weg von allem, was nach Polizei und Armee aussieht. Das junge Mexiko ist empfindlich in Fragen hoheitlicher Selbstdarstellung. Zugleich zeigt sich die erste mexikanische Republik hoheitlichen Aufgaben an ihren Rändern kaum gewachsen. Eine Neigung zum Zentralismus fördert Autonomiebestrebungen. An der geografischen Peripherie Mexikos formiert sich eine Schattenarmee nach dem Prinzip der Minutemen. Das sind nicht nur bewaffnete Bauern, sondern ideologisch auf Eigenstaatlichkeit getrimmte, von ihrer natürlichen Überlegenheit ausgehende Invasoren. Jede angloamerikanische Familie in Texas ist eine Keimzelle der Revolution von 1836. Übrigens erwärmen sich auch Einheimische für Fredonia. Von den Mexikanern enttäuschte Cherokee mischen unter der Leitung von Chief Richard Fields mit. Manche Autoren nennen die Fredonia Rebellion eine Ouvertüre der Texas Revolution. „It sparked the powder for later success”, schreibt Alfons Blattschneider.

Interessant bleibt, dass Nacogdoches als Brennpunkt der Ereignisse seit 1811 Erwähnung findet. Sämtliche Stadien der mexikanischen und anglo-texanischen Freiheitsbemühungen einschließlich der drei gescheiterten Staatsgründungsversuche sind mit Nacogdoches verbunden.

Adolphus Sterne – Der Revolutionsbürgermeister von Nacogdoches war Deutscher

Der Geburtskölner Nicholas Adolphus Sterne (1801 - 1852) kam 1826 nach Nacogdoches. Er versorgte die Kolonisten mit geschmuggelten Gewehren. In der Texas Revolution befehligte er eine Einheit, die man New Orleans Greys nannte.

Besonders eindrucksvolle Aussprache von Nacogdoches

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Im Jahr von Fredonia ist die erste mexikanische Republik zwei Jahre alt. Guadalupe Victoria steht an der Spitze des Staates. Ihm folgen Manuel Gómez Pedraza und Vicente Guerrero. Guerrero weist den letzten Versuch Spaniens, Mexiko wiederzugewinnen, 1829 zurück. An der Schlacht bei Támpico beteiligen sich angloamerikanische Siedler. Einer von ihnen sieht aus wie John Wayne und heißt auch so mit seinen Vornamen. John Wayne Going ist ein Freund des Bürgermeisters von Nacogdoches.

In Al Sternes Haus konvertiert Samuel Houston zum Katholizismus, um im mexikanisch-katholischen Texas Land nehmen zu können. David Crockett sucht die Gesellschaft des Hausherrn, wenn er in der Gegend ist. Thomas Jefferson Rusk kommt als Nachbar vorbei. Die provisorische texanische Regierung wird Rusk 1835 zum Generalinspekteur des Heeres von Nacogdoches und 1836 zum Kriegsminister bestimmen. Die Sternes sind der gesellschaftliche Mittelpunkt einer prosperierenden Gemeinschaft von Grundbesitzern, die Texas zu einem US-Bundesstaat machen wollen.

Adolphus Sternes Tagebuch ist die beste Quelle für das Leben in Nacogdoches vor der Revolution.

Johns Hof liegt westlich vor der Stadt am Rand einer Auensenke. John repariert Fuhrwerke, leistet die Arbeit eines Grobschmieds und treibt Land- und Viehwirtschaft. Er ist mit der Tennessee-Dutchess Shae verheiratet und vermeidet jedes Aufsehen in der Gemeinde, indem er zwar dem Anschein nach Sklaven hält, aber heimlich den Schwarzen ein gutes Leben gewährt. Er vermittelt in Konflikten mit den Cherokee. Er geht familiär mit Bürgern der Ersten Nation um, macht daraus aber keine Nummer. Er ist ein vorsichtiger Menschenfreund.

John verweigert keinen Einsatz der Texas Armee. Blattschneider schreibt: He is prominent in providing assistance to the Texas Army.

Morgen mehr.

07:32 07.03.2018
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