Ästhetische Diaspora und staatenlose Poesie

Poesiefestival 2019 There is no mother tongue - Übers Mehrsprachige sprechen. - Fünf Autor*innen diskutierten mit Uljana Wolf und Christian Hawkey über translinguale Poesie in Theorie ...
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Von links: Sawako Nakayasu, Johannes Göransson, LaTasha N. Nevada Diggs, Don Mee Choi, Urayoán Noel, Uljana Wolf

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Urayoán Noel wechselt lustvoll zwischen Englisch, Spanisch und Französisch. Ein deutscher Brocken fällt zudem von einer spanischen Felsnase und löst eine englische Lawine aus.

„A stateless poetics is never quite incorporated, but always in corps orated, non-mono-aural, and attuned to modes of resistant lingurality. Keep them herd melodies, give us those unstated ones. Let others blog the slog, we’ll unfurl #unstatements in the digital fog.“

Der puertorikanische Dichter spricht von „Schocktruppen der Sprache“.

Es ist heiß in der Akademie. Frauen schürzen ihre Kleider in einem abgedunkelten Raum. Translingual Poetics heißt diese Verabredung mit der Kunst.

Johannes Göransson baut ein Sprachgitter, dass zugleich Klanginstallation ist. Ich bleibe an Silben hängen. Der Sinn verdichtet sich. Die Formalität der Wörter gibt sich zu erkennen.

„Ein halbes Dutzend Sprachen sind den Körpern eingeschrieben.“

Das behaupten Inhaber*innen von mehrsprachig-vielstimmigen Biografien; erfahren in doppelter und dreifacher Migration. In ihrem Gepäck reisen Wörter als blinde Passagiere ständig um die Welt. Die Wörter erzeugen eine ästhetische Diaspora.

„There is no mother tongue.“

Wenn die Übersetzerin die Wahl hat zwischen „lütt“ und „leuchtend“.

Don Mee Choi präzisiert.

„Meine erste Sprache war koreanisch. Heute schreibe ich Englisch. Englisch war immer da, seit 1954.“

Nicht nur die Sprache schrieb sich ein. Auch der transgenerational adaptierte Krieg, der Korea spaltete, formte die Dichterin. Sie lebt in dem Land der Flugzeugträger*innen, die damals ausliefen.

15:09 19.06.2019
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