Amnesie

#Leben In einer Absteige beendet Acuappartena Olas Amnesie ohne Absicht.
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Viola Nasti-Woke Blecsceú, kurz Ola, nimmt ihre Umgebung nur noch wie durch Milchglas so schemenhaft wahrzunehmen. Sie ist eine Beschädigte und führt ihr reduziertes Leben im Nachgang eines Schädelhirntraumas. Früher fuhr sie Taxi, schrieb Krimis und spielte Theater. Höhepunkt war eine Produktion in Kabul. Der biografische Zenit existiert ohne Umgebungsbild wie ein Brückenbau, der unverbunden und funktionslos in der Gegend steht. Ola weiß, dass mit der Erinnerung etwas nicht stimmt. Sie hält einfach nur daran fest, weil ihr nichts Besseres einfällt.

Sie existiert in einer Lage zwischen betreutem Wohnen und geschützter Werkstatt. Sie rudelt mit, wo immer man sie lässt. Die Alinis von Raccotta finden es selbstverständlich, Ola bei allen Terminen zu erleben. Ihre beste Zeit hatte sie als Rekonvaleszentin in Ann-Precott Wallace' Obhut. Die Physiotherapeutin arbeitete einen zweiten Körper aus Olas lädierter Oberschicht heraus. Muskeln werden innerviert und werden sie das nicht, ist Atrophie die Folge. Auch die Liebesfähigkeit kann man muskulös auffassen. Sie muss innerviert werden und wird sie es nicht ...

Ann-Prescott wurde dann auch die zweite Mutter von Olas Tochter Salo. Das Verhältnis ächzt unter Belastungen der Einseitigkeit. Kompetenz hier, Dysfunktionalität da. Aber gut.

Vorbehaltlos liebt Ola nur Salo. Die Liebe zur Tochter „atmet im Takt des Gefühls“. So daneben formuliert Ola, nicht ich und auch nicht Brain (nicht Brian) Annabelle Texas Thundergod*, die für das FBI im Team ist. Wir steigen an folgender Stelle ein:

Ola trifft eine Frau wieder, mit der sie zwanzig Jahre zuvor eine Nacht auf dem Aspromonte (dem Hausberg von Raccotta) verbracht hat. Acuappartena plötzliches Auftauchen versetzt Olas Amnesie einen schweren Schlag. Acuappartena ist obenauf und lässt sich herab, während sich bei Ola die Erinnerungslücke zu schließen beginnt. Bilder in den Farben der Restlichtverstärkung steigen in ihr auf, unterlegt mit Kriegsberichten des im Hilton stationierten (sich über den ausgefallenen Room-Service beschwerenden) CNN-Reporters Peter Arnett.

„The bombing of Baghdad continues and we will go on with music.”

In einer Absteige beendet Acuappartena Olas Amnesie ohne Absicht. Eine Gedächtnisschleuse bricht. Ola fällt ein, dass sie nicht immer schon ein sabberndes Wrack war. Sie war auch nicht als Laiendarstellerin in Kabul. Vielmehr diente sie als Ausbilderin im Rahmen eines Sicherheitstrainings, das die Bundeswehr in Kabul für Leute anbietet, die es wissen wollen. Das Hauptquartier der Internationalen Schutztruppen glich einer Stadt in der Stadt mit Biergärten, Cafés und Fitnessstudios. Die Soldat*innen inszenierten sich. Man trug Ray-Ban-Sonnenbrillen und klatschte sich ab.

Acuappartena taucht einen Finger in die Schweißpfütze auf Olas Bauch. Die Nacht damals auf dem Aspromonte hatte sie mit einer vollkommen intakten ...

Gleich mehr.

16:38 21.02.2021
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