Anna Rheinsberg lebt noch

Die Ära Achtundsechzig Anna Rheinsberg über Nina Hagen: „Nur Farbe und Maul ... Randale und Speed ... sie spielt Gosse. Die Bräute aus dem Osten haben den Kapitalismus kapiert.“
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Im Schlund des Narrativen

Im globalen Dorf ist die Elisabethkirche zu Marburg ein Ziel für Pilger aus aller Herren Länder geworden. Anna Rheinsberg lebt in der Nähe und an einem Waldrand: zusammen mit Murmeltieren und der Phantasie von einem Wolf. Ihre Träume erfüllen sich im Guten wie im Bösen. Zu anderen Zeiten hätte man sie todsicher verbrannt.

Anna Rheinsberg liebt Claire Goll. Eine Begegnung mit Nina Hagen um das Jahr 1980 verknüpft sie mit heilsamen Erfahrungen als Schauspielerin, studentischer Routine am Ende des 68er-Aufruhrs, Liebesgeschichten der flüchtigen Art - und Ausblicken in die Zukunft: „Antonio Banderas wäre jetzt auch nicht schlecht. Aber er ist am Filmhimmel noch nicht aufgetaucht.“

Die noch nicht berühmte Nina Hagen wird von Anna Rheinsberg so aufgenommen: „Nur Farbe und Maul ... Randale und Speed ... sie spielt Gosse. Die Bräute aus dem Osten haben den Kapitalismus kapiert.“

Das alles und noch viel mehr wird so gekonnt durch den Schlund des Narrativen gezogen, dass eine Welt entsteht, mit Eckpfeilern in Kassel und in Berlin. Berlin deshalb, weil Anna Rheinsberg aus Berlin kommt - und Kassel, weil sie, schwanger mit fünfzehn, dort Aufnahme am Friedrichsgymnasium fand.

Eingebetteter Medieninhalt

Wie kommen Sie durch den Winter?

Aus meinem Briefwechsel mit Anna Rheinsberg.

Liebe Anna Rheinsberg,

erzählen sie mir bitte, wie Sie wohnen und ob Sie einen wiederkehrenden Traum haben.

Lieber Jamal Tuschick,

ich wohne seit dem Sommer 1980 in einem mittlerweile verrotteten Haus unterhalb des Waldes, nicht weit von der Elisabeth-Kirche entfernt. Hier gibt es alle Tiere, die man sich wünscht. Nur der Wolf ist noch nicht aufgetaucht.

Ich träume, und es geschieht. Das ist nicht lustig. Basco, obwohl tot, war lange bei mir. Bis jemand kam und ihn fortschickte. Ich kann sehen, diese kleine Fähigkeit ist in den Wechseljahren stärker geworden. Sie ist nicht immer da, aber sie ist verlässlich.

Außerdem mache ich gerne Wasserzauber, alles harmlos.

Ich träume davon, in einem freundlich gestrichenen Haus in Berlin Frohnau mit einem Mops zu wohnen, bisschen Geld zu haben und schreiben zu dürfen.

Warum haben Sie (Hadayatullah) Hübsch nicht noch einmal getroffen? Peer (Schröder) kennen Sie, oder?

Bianca Döring, die ich lange kenne … Da gab eine Episode mit Peter Kurzeck.

Die Dichterin Mylo hat lange in Frankfurt gelebt und u.a. für Fassbinder am Theater gearbeitet.

Mylo ist eine feenhafte Erscheinung, sie schreibt gut, altmodisch, Miniaturen. Sie lebt mit einem unaufhörlich rauchenden Antiquar zusammen, der lange in Cadaqués lebte. Das ist ein Ort, den ich liebe und wo ich oft war. Waren Sie je in Cadaqués?

Habe vor einigen Wochen Lorenz Jäger, den ich richtig mag, gesagt, er soll bei der FAZ eine kleine Reise für uns rausschlagen: Über Narbonne - Portbou - nach Cadaqués. Im Auto. Jaja.

Fragen Sie doch mal bei der FR an. Auf den Spuren von Walter Benjamin. Ich war ewig nicht dort.

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Gute Tage einstweilen, haben Sie jemanden, mit dem Sie zusammen sein können an Weihnachten?

Morgen mehr.

07:17 30.05.2018
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