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Leslie Jamison Solange der Kalte Krieg währte, diente die Naval Air Station Whidbey Island in erster Linie als Horchposten.
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Solange der Kalte Krieg währte, diente die Naval Air Station Whidbey Island (ein Militärflugplatz der US-Marine fünfzig Kilometer nördlich von Seattle) in erster Linie als Horchposten. Mit Hydrophonen spürte man sowjetische U-Boote auf und analysierte die Audiosignaturen ihrer Aktivitäten.

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„Auf dem Stützpunkt kam der unendliche Pazifik als endliche Datenmenge an, die von einem am Meeresgrund verteilten Netzwerk von Hydrophonen* aufgefangen wurde.“

*„Als Hydrophon ... bezeichnet man ein Gerät zur Wandlung von Wasserschall in eine dem Schalldruck entsprechende elektrische Spannung. Eine andere Bezeichnung ist Unterwassermikrophon.“

Leslie Jameson, „Es muss schreien, es muss brennen“, Essays, aus dem Englischen von Sophie Zeitz, Hanser Berlin, 25.-

Im Dezember 1992 fängt Obermaat Velma Ronquille einen mysteriösen Sound ein. Sie bittet Joe George um eine Expertise. Der Tontechniker identifiziert den Urheber als untypisch (und einzigartig) hoch singenden Blauwalbullen. Das Tier bekommt die Kennung 52 Blue. Im Verlauf der nächsten Jahre stellt sich heraus, dass es isoliert existiert. Offenbar wird der Einzelgänger von seinen Artgenossen gemieden. Jedenfalls registrieren die Aufzeichnungen keinen Kontakt.

„Auch wenn es schwer zu akzeptieren ist ... aber wie es aussieht, ist er in der ungeheuren Weite des Ozeans allein.“

Jahre später, längst lebt George im Ruhestand, spielt der alte Mariner der Essayistin einen Audioclip von 52 Blue vor. Der Mitschnitt „hörte sich unheimlich an: ein schriller, pulsierender, bohrender Klang, das akustische Pendant eines trüben Lichtstrahls im dichten Nebel einer Vollmondnacht“.

Bald mehr.

Aus der Ankündigung

„So klug und radikal ehrlich: Seit Susan Sontag und Joan Didion hat niemand aufregendere Essays geschrieben als Leslie Jamison.“ Daniel Schreiber

Leslie Jamison ist eine der originellsten und couragiertesten Denkerinnen ihrer Generation. In ihrem neuen Buch erkundet sie die Tiefen von Verlangen, Intimität und Obsession und testet dabei auch die Grenzen ihrer eigenen Offenheit und ihres Mitgefühls für andere aus. Wie kann sie empathisch über menschliche Erfahrung schreiben, ohne ihre kritische Distanz zu verlieren? Wie ihr Beteiligtsein verarbeiten, ohne der Selbstbezogenheit zu erliegen? In Essays über so unterschiedliche Themen wie den „einsamsten Wal der Welt“, kindliche Erinnerungen an frühere Leben oder die Erfahrung, eine Stiefmutter zu sein, sucht sie nach neuen, ehrlichen Möglichkeiten erzählerischer Zeugenschaft.

Zur Autorin

Leslie Jamison, geboren 1983 und aufgewachsen in Los Angeles, ist die Autorin vonDie Empathie-Tests. Über Einfühlung und das Leiden anderer (2015), Die Klarheit (2018) und dem RomanDer Gin-Trailer(2019). Sie schreibt u. a. für die New York Times, The Atlantic und Harper’s, leitet das Non-Fiction-Programm der Columbia University und lebt mit ihrer Familie in New York.

14:58 19.04.2021
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