Auf dem Ledigenstroh der Armut

Die berühmte Bukanierin Beluga Bullet Beaverbull kam im Schatten der 961 gegründeten Abtei Tavistock auf dem Ledigenstroh einer früh verwaisten Magd zur Welt
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Sehen Sie ferner https://www.textland-online.de/index.php?article_id=3420

„Wieso brauche ich im Bett Anerkennung, um mit mir selbst zufrieden zu sein?“ Julia Rothman

“It’s important to remember that we all have magic inside us.” yogi.tess, gesehen auf Instagram

Beluga Bullet Beaverbull kam im Schatten der 961 gegründeten Benediktiner:innenabtei Tavistock auf dem Ledigenstroh einer früh verwaisten Magd zur Welt. Sie durfte mit nichts rechnen. Beluga wuchs am Drecksaum der (den Landkreis beherrschenden) Dukes of Bedford auf. Kleopatra Beebeer, die Kutscherin von Lady Bedford, brachte Beluga nachPlym Mouth, wie Plymouth in den Pipe Rolls von 1211 genannt wird. Mouth wie Mündung. Eine zu ihrer Zeit bedeutende, heute total vergessene Bukanierin namens Brandy Bloodshot akzeptierte Beluga als Schiffsmädchen auf einer Fahrt zu den Kapverdischen Inseln. Wie am Fließband brachte man unterwegs feindliche Schiffe auf und tat sich im Sklav:innenhandel hervor. In Brandys Tross wurde die Auszubildene in der Karibik schiffbrüchig. Beluga rettete sich gemeinsam mit vierunddreißig Seefrauen auf eine namenlose Insel. Spanische Soldat:innen killten die versprengte Frauschaft. Allein Beluga überlebte; indem sie sich im Blut der Matrosinnen sudelte und sich unter Leichen verbarg. Sie entkam nach Tortuga, wo sie sich beherzt zur Anführerin aufschwang. Beluga schliff die Wälle von Havanna, bevor sie mehr oder weniger im Alleingang Maracaibo in Schutt und Asche legte.

Zu Recht moniert die Historikerin (und Geheimagentin) JaneThe Jade-Joker*Jakarta in ihrer AnalyseWeibliche Auslegungen - Ein kurzer Versuch zu konzentriert kämpfenden Frauen, dass die Geschichtsschreibung Beluga Bullet Beaverbull und Brandy Bloodshot ignoriert. Eine kuriose Koinzidenz sorgt dafür, dass Jane einer Nachfahrin von Beluga geheimdienstlich begegnet - und zwar als Eingeschleuste in (dem 2027 gegründeten Zufluchtsstaat für Ex-Europäer:innen) Pandemia. Da trifft Jane in der Person von Brandy Tecumseh Toruga eine brave Vermeiderin von Konfrontationen und Erfüllerin gesellschaftlicher Kontributionen. Aus eigenem Antrieb würde Brandy sich nie eine Überschreitung gestatten. Ihre biedere Grundausstattung funktioniert wie ein Überlaufventil. Im Grunde ihres Herzens fühlt sie sich nicht angesprochen. Sie ist so weit weg von jedweder Delinquenz, dass die psychischen Terrorviren der 24/7-Folter in Pandemia nicht invasiv werden können. Vielmehr werden sie von einem Empörungsfilter aufgehalten.

Der Subtext:

Ich habe nichts getan, womit ich das hier verdient hätte. Darin äußert sich eine Antwort auf die überhaupt nicht gestellte Schuldfrage. Individuelle Schuld ist in Pandemia ein Qualifikationsmerkmal. Damit macht man Karriere im Rahmen der Umstände.

Das Besondere an Brandy: sie verliert ihre euro-bourgeoisen Maßstäbe nicht. Erzählt ihr eine chinesische Wärterin von früher, als die Gehilfinnen der Wächterinnenmannschaften Handarbeit großschrieben, lässt Brandy in ihren handschriftlichen Aufzeichnungen den Schrecken dieser Steinzeit im abwehrenden Detail aufmarschieren.

Sie erzählt flüssig und galgenhumorig. Die Prosa lädt zum Lachen ein. Das Gelächter auf dem Grat eines Gebirges des Grauens soll Mut machen.

Brandys Geschichte rinnt durch die Maschen jener Schleppnetze, die im Fürchterlichen das Spektakuläre herausfischen.

Gleich mehr.

07:54 24.06.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentarfunktion deaktiviert

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert. Deshalb können Sie das Eingabefeld für Kommentare nicht sehen.

Kommentare