Autoerotische Genügsamkeit

#Leben Ihr Dasein erscheint Kostnaðuráhné Pönnukökur als Serie von Schnappschüssen, unterbelichteten Szenen und vernebelten Ansichten
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„Seit langem träume ich nicht, das ist ein schlechtes Zeichen (: ich arbeite auch nachts nicht), ich habe das Unterbewußtsein verloren, Genossen, kein Homeoffice im Schlaf, die gewohnte Schwarzarbeit.“ Volker Braun

Am 10. Mai erscheint bei Suhrkamp ein bisher unangekündigtes neues Buch mit Gedichten von Volker Braun. „Große Fuge“ entstand unter dem Eindruck der Pandemie.

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Ihr Dasein in Sveitarfélagið Vogar erscheint Kostnaðuráhné Pönnukökur als eine Serie von Schnappschüssen, unterbelichteten Szenen und vernebelten Ansichten. Man findet sie klug und schön, aber Kostnaðuráhné kann nichts davon erkennen und nichts damit anfangen. Komplimente kapiert sie nicht. Auch, wenn das Wort nicht fällt, Kostnaðuráhné ist ein seelischer Hobo.

Sie geht mit einem in Hafnarfjörður verheirateten Mann aus und arbeitet für eine Investorin, die ihre Assistentinnen dazu ermutigt, sich mit ihr schon mittags volllaufen zu lassen. Kostnaðuráhné behauptet gern, eine Magersucht überwunden zu haben. Sie schlägt einem glänzenden Glatzkopf aufs Haupt, um ihn für die Anmaßung zu maßregeln, die darin liegt, sie für verfügbar zu halten. Sie reguliert die Hybris in einer Kaschemme, die so übel beleumundet ist, dass Mut dazu gehört, sich der Verworfenheit am Tresen auszusetzen. In solchen Löchern, wenn auch weit weg im Westen (nahe Stykkishólmur), erhielt Kostnaðuráhnés Tante Rúllasteikti, genannt Rúlla, ihre Initiation nach dem Geröllpistenritus. Rúlla ließ sich von einer Oheiminvertreten, die zum Zeichen ihrer Würde einen Polarfuchskragen trug, und in ihrer Gilde als Ausnahmeerscheinung durch die Gegend stolzierte. Selbstverständlich stolzierte sie in Cowboystiefel aus Schlangenleder.

Kostnaðuráhné pflegt einen Nenntante namens Fjallapassi, die das Leben einer Verlassenen führt. Hochbetagt unterwirft sie ihre Lebensstationen neuen Bewertungen. Die Greisin hält sich an eine Diät aus fermentiertem Hai (Gammelhai) und Brennivín. Immer öfter kippt sie um und beeindruckt die Pflegerin mit totaler Inkontinenz. Stuhl und Harn (hier stand gerade noch Hirn) sind beinah gleich flüssig.

Schließlich taucht Rúllasteikti in Sveitarfélagið Vogar auf. Zwar hat die Geächtete nach bürgerlichen Maßstäben auf der ganzen Linie versagt. Trotzdem ist Rúllasteikti keine Versagerin. Das lernt Kostnaðuráhné in einem komplizierten Prozess der Annäherung. Sie spiegelt sich in der Verwandten; zwei seßhafte Hobos unter sich. Beide neigen dazu, einfache Dinge in ihrem eigenen Namen zu sagen (ungefähr Foucault). Ihre Art, vorhanden zu sein, lichtet den Nebel bloßer Gewohnheiten. Ein Gerede über Sachzwänge kommt nicht in Frage.

Rúllasteikti hat eine Tochter, die bei ihrem Vater in Detroit lebt. Was war Detroit früher mal angesagt, Motown, Detroit House, Detroit Techno, Urban Gardening, Guerilla Farming, verdichtete Unterschiedlichkeit.

Bald mehr.

10:38 27.04.2021
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