Barack Obamas Ich-Vision

Barack Obama Wie bekämpft man das Schlechte in sich? - Den überbordenden Ehrgeiz, die dröhnend überspielte Leere? ... Indem man das Schlechte in den Dienst einer guten Sache stellt.
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Remembering John McCain's defense of Barack Obama during 2008 campaign. Der altgediente Republikaner feiert den kommenden Mann. Er verdient unseren Respekt, hält er einer Obama-Kritikerin entgegen, die den demokratischen Kandidaten für einen Error of Historyhält.

No Ma'am, sagt McCain zu der politischen Freundin. Er formuliert die Ehrenmännerformel: Barack und ich können respektvoll einander entgegengesetzte Ansichten vertreten.

Eingebetteter Medieninhalt

Im Februar 2007 verkündet Barack Obama auf einer Bühne vor dem Kapitol von Springfield, Illinois, seine präsidialen Absichten … ich hatte nichts und ich war niemand, als ich nach Chicago kam. Man offerierte mich einen Job, ich fand eine Frau und mit ihr mein Leben …

Wie bekämpft man das Schlechte in sich? - Den überbordenden Ehrgeiz, die dröhnend überspielte Leere? Barack Obama antwortet mit Martin Luther King: Indem man das Schlechte in den Dienst einer guten Sache stellt.

In der Retrospektive erscheint Obama die Phase der Nominierungswettkämpfe als magischer Aufbruch. Die Akteure im Operationszentrum ahnen vor allen anderen, dass ihr Mann „die Sterne vom Himmel holen“ wird. Vor allem jedoch, so Obama, sei es um die Entdeckung einer tiefen amerikanischen Wahrheit gegangen. Während der Autor sich das Aroma seiner Sendung in ihrer Keimzeit noch einmal auf der Zunge zergehen lässt, appelliert er an seine Leser*innen, doch bitte nicht zu glauben, der Erfolg sei vorbestimmt gewesen und von den Augur*innen prophezeit worden.

Der Erfolg sei das Produkt harter Arbeit gewesen.

Barack Obama, „Ein verheißenes Land“, auf Deutsch von Sylvia Bieker, Harriet Fricke, Stephan Gebauer, Stephan Kleiner, Elke Link, Thorsten Schmidt, Henriette Zeltner-Shane, Penguin Verlag, 42,-

Siege verschenkt man nicht

Obamas Body Men (Mädchen für alles) vereint die Liebe zum Sport und zu Schwarzer Musik.

„Reggie half mir, eine Hip-Hop-Playlist zu aktualisieren.“

Der Kandidat hält seine Form auf verschlissenen Hotellaufbändern und heruntergekommenen Schulspielfeldern. Gemeinsam mit den Buddys stellt er Sportstätten in verschlafenen Nestern auf den Kopf, einmal auch im Basketballduell gegen sympathisierende Feuerwehrleute. Obama will die jungen Hinterwelt-Demokraten wahltaktisch gewinnen lassen. Aber die Athleten aus dem Wahlkämpfer*innenteam suchen die Herausforderung mit allen Mitteln. Siege verschenkt man nicht.

Obama macht an der Stelle kein Fass auf. Doch scheint er einen Impuls aufgenommen zu haben … eine weiterführende Idee, die es dem von ihr Gestreiften nicht mehr erlaubt, andere so hinters Licht zu führen, dass sie fürderhin im Dunklen tappen.

Obama verhehlt seine Anfängerfehler nicht. Bei einer Diskussion über das Gesundheitswesen in Las Vegas spielt Hillary Clinton ihren Erfahrungsvorsprung demonstrativ-revanchistisch aus. Sie überflügelt den Rivalen aus den eigenen Reihen.

„Nimm das, Anfänger!“

In der Nachbesprechung offenbart der Düpierte seine Ahnungslosigkeit. Er habe doch nur versucht, die Fragen der Moderatorin zu beantworten. Der Couch erkennt genau darin das Problem.

Gleich mehr.

Politische Darmspiegelung

Das mediale Interesse an einem Präsidentschaftskandidaten vergleicht ein Akteur mit einer „ununterbrochenen Darmspiegelung“. Der Wahlkampf sei „ein EKG der Seele“; eine Tour de Force und „brutale“ Angelegenheit, bei der die Würde des Ehrgeizigen auf der Strecke bliebe.

Warum tut man sich so was an?

Noch schützt Obama die ideologische Verpackung.

„Es gab überall vergessene Menschen und ungehörte Stimmen … Ich empfand ihre Notlagen als Rüge.“

Obama reagiert so auf Opfer der von „Katrina“ ausgelösten Flutkatastrophe. Der Hurrikan fegte auch die Abdeckungen von Ungerechtigkeiten auf einer Linie vom Rassismus zur Armut. Der Reformer mit gelegentlich revolutionärer Attitüde reist mit einer Kongressdelegation in den Irak und beobachtet aus der Luft ein „erschöpftes Land“. Obama kommt aus dem Elend gar nicht mehr heraus. Gleichzeitig prüft er sich zur Ergründung der Lauterkeit seiner Absichten.

Ich weiß nicht, ob Sie sich das genug klar gemacht haben. Obama erlebt sich selbst als Vision.

„An dem Tag, an dem ich die rechte Hand hebe und den Amtseid ablege, (wird die Welt) die Vereinigten Staaten mit anderen Augen betrachten.“

03:54 08.12.2020
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