Basale Skrupellosigkeit

#Leben Margrét Eyjólfsson hatte einen miesen Start. Ihre Jugend war ein in Fett verpacktes, von Armut flankiertes Akne-Festival.
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Margrét Eyjólfsson und Lára Sigurður lassen sich von einem Woiwode mit dem nom de guerre Župan Strojimir charmieren. Der saghaft reiche und weltläufige Kunstkenner (vielleicht ein Malraux* unserer Tage) empfängt die Korrumpierten in einer Villa an der Côte de Granit Rose. Er legt eine aufreizende Höflichkeit an den Tag. Die zuvorkommende Art kaschiert kaum seine Herablassung.

*„Malraux kam als Kunsträuber und Tempelschänder nach Indochina, wurde gefasst, weil er sich zu ungeschickt anstellte, schwang sich dann aber zum Ankläger kolonialistischer Missstände auf.“ Manfred Flügge 2001 in der WELT.

Margrét Eyjólfsson hatte einen miesen Start. Ihre Jugend war ein in Fett verpacktes, von Armut flankiertes Akne-Festival. In der Trostlosigkeit steckte eine heimliche Saat, die öffentlich aufging. Die korpulent Verkorkste mauserte sich zur koksenden Prädikatsjuristin, die im Jetzt der 1990er Jahre die südosteuropäischen Krisen und Kriegsflüchtlingsbewegungen für eine internationale Organisation mit Vertragsentwürfen begleitet. Überall erscheint die Völkerrechtlerin mit den Attitüden einer Masterin of the Universe wie auf einer TV-Schautreppe. Margrét gibt die Papiertigerin im Sprung auf die Klauseln. Den Verelendeten des jugoslawischen Bürgerkriegs als glamouröse Anwältin zur Seite zu stehen, kommt Margrét so wenig in den Sinn wie ihrer Kollegin Lára Sigurður. So weit, so ekelhaft.

Láras basale Skrupellosigkeit hat die Totalität einer Dunkelziffer. Da wächst kein Gerechtigkeitsfett am Gierknochen. Margrét und Lára verschwören sich zu Triumphen der Gemeinheit. Die Routen der Geflüchteten sind zugleich Pfade, auf denen Kunstwerke in die klandestinen Galerien Westeuropas gelangt. Die kühlen, hochrangig akkreditierten Administratorinnen des dirty deal stützen sich auf Vollstrecker:innen: auf Menschen, die zu Kriegsverbrecher:innen vertrauliche Beziehungen unterhalten, soweit sie sich nicht selbst an Kriegsverbrechen beteiligen. Margrét und Lára lassen sich von einem Woiwode mit dem nom de guerre Župan Strojimir charmieren. Der saghaft reiche und weltläufige Kunstkenner (vielleicht ein Malraux unserer Tage) empfängt die Korrumpierten in einer Villa an der Côte de Granit Rose. Er legt eine aufreizende Höflichkeit an den Tag. Die zuvorkommende Art kaschiert kaum seine Herablassung.

Der ruchlose Aufstiegswille der Komplizinnen gibt sich der Sensibilität jeder feinfühligen Person zu erkennen. Kein Wunder, dass vor bretonischer Kulisse sogleich ein Kampf unter den Anwältinnen um Župan Strojimirs besondere Aufmerksamkeit entbrennt.

Gleich mehr.

10:11 12.05.2021
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