Betuchter Schwätzer

Solveig und Guõmundur Von einem betuchten Schwätzer wird die Umschwärmte mit neunzehn schwanger
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Solveigs Ergebenheit ist beinah lückenlos. In ihrer von äußerst dürftigen Verhältnissen bestimmten Vorstellungswelt ist kein Raum für individuelle Erwartungen. Das Ich-Bewusstsein findet keinen Halt.

Hunger bestimmt den Alltag der Heranwachsenden. Auf eine gute Partie hat Solveig keinen Anspruch. Daran gewöhnt, zu akzeptieren, was ihr vorgesetzt wird, nimmt sie auch die näheren Umstände einer arrangierten Ehe mit dem „Dorfdepp“ Guõmundur so hin wie das Wetter.

Guõmundur gewinnt im Folgenden ungemein. Der Sohn eines Holzfällers zieht einen schwungvollen Holzhandel auf und erlangt als reichster Mann im Dorf die bürgermeisterliche Oberhand. Gleichzeitig erscheint Guõmundur als moralische und spirituelle Instanz. Die Dörfler:innen betrachten sich in Abhängigkeit von seiner Billigung ihres Lebenswandels.

Vier Mal kommt Solveig mit Söhnen nieder, die nicht lange von dieser Welt sind. Dann kriegt sie eine Tochter, und Jördis bleibt am Leben.

Gemeinsam mit Guõmundur zieht Solveig ein Herberge für nomadisierende Holzfäller:innen, Fallensteller:innen und Pferdefänger:innen auf. Auf dem Höhepunkt ihres Familienerfolgs stürzt Guõmundur bei einem Ausflug von seinem Hengst Jón. Der Unfall endet tödlich.

Als Witwe beweist Solveig unternehmerisches Geschick in einem besetzten, schwer gezeichneten Land. Die Usurpatoren neigen zu heftigen Herabwürdigungen. Um Jördis scharrt sich ein Kreis vonKali-Jünger:innen.

Von einem betuchten Schwätzer wird die Umschwärmte mit neunzehn schwanger. Sie hofft auf eine Heirat. Die Tochter eines Mannes, dessen Aufmerksamkeit von vielen als Segen empfunden wurde, erwartet mehr als Fürsorge von dem Liebhaber, der Anstalten macht, Jördis so gut wie eben möglich unterhalb der Schwelle einer Ehe zu stellen. Während Solveig in der Brautrolle nur Demut kannte, stellt Jördis sofort Forderungen. Sie verlangt nicht nur Achtung, sondern auch Liebe.

Bald mehr.

05:52 20.04.2021
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