Brachialer Patriarch

#Leben Die Bergbauer:innen sind in Leibeigenschaft verstummt. Entmündigung buchstäblich.
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Ein Mann wird ans Kreuz geschlagen. Er hat weiter nichts verbrochen, als seine Braut vor einem brachialen Patriarchen zu bewahren. Dem Silberspoon/Beaverpowder-Clan gehört das Tal seines Todes. Der örtliche Jesus hat die Autorität eines Gebietstyrannen in Frage gestellt, der sich selbst nicht legitimieren muss. Die Welt weiß nichts von dem entlegenen Flecken und seinem Herrscher. Der Staat bleibt außen vor.

Jahrzehnte später reitet eine Fremde über den Pass. Im Winter ist der Pass unpassierbar und jetzt ist der Herbst so weit fortgeschritten. Die Fremde nimmt Quartier im Haus der Witwe Rassate. Deren Tochter Jarðarber soll bald heiraten.

Jede Hochzeit im Silverspoon-Tal ist eine Stunde der Wahrheit. Die Priesterin stimmt das Paar auf die Unterwerfung ein, die von ihm erwartet wird. Die Braut gehört immer zuerst Caesar Silverspoon.

„Droit du Seigneur – Das Recht der ersten Nacht“ versteht die Wissenschaft inzwischen als Fiktion. In der Wildnis am Beaverpowder Creek weiß man nichts von Wissenschaft.

Die Bergbauer:innen sind in Leibeigenschaft verstummt. Entmündigung buchstäblich. Jane Jakarta sieht eine versteinerte Bevölkerung in grandioser Armseligkeit. Obwohl man mit viel Erfahrung wirtschaftet, springt wenig heraus. Selbst die Kirche ist grottig. Die Silverspoon-Ranch wirkt kaum prunkvoller als die Hütten der Armen.

Büchners „Krieg den Palästen“ kann man sich trotzdem zu diesem Rand der Welt denken. Eine Rächerin der Enterbten stellt sich mit der Texas Rangerin JJ ein. Die schroffe Gegend baut einen Gegensatz zu Janes yogaler Art auf. Jane kommt daher und geht dahin als Strechsüchtige. Beiläufig legt sie einen nachrangigen Silverspoon nach dem nächsten um – eine Frau und ihre Mission.

Jane hält sich für eine Großnichte des Gekreuzigten. In Wahrheit ist Caesars Tochter. Die biblische Konstellation passt zu den Landschaftsmarken. Der Valley-Chieftain, nun ein böser Greis, hat in jedem Haushalt gewütet. Auf seine Weise hat er alle gekreuzigt. Caesar Silverspoon tritt als alter Rocker auf, und zugleich als geisterhafte Erscheinung; gelangweilt von der eigenen Gottgleichheit. Vor ihm hat noch keine(r) im Tal einen solchen Machtanspruch formuliert. Den Anspruch will Caesar nicht tradieren. Es kann nur einen Highlander geben. Der muss dann eben immer wieder über die Seinen kommen und zeugen, was das Zeug hält. Es sei denn, dass ihm einer am Zeug flickt, bis er aus dem Sattel fliegt.

Klar, am Ende besiegt Texas in der Gestalt der schönsten und klügsten Rangerin, die jemals in Gottes eigenem Bundesstaat besungen wurde, den abgehalferten Taltotalitären mit Magic Force.

08:53 15.06.2021
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