Charakterwicht

Hochzeit auf dem Land - Ein im Regen rauschendes Fest ist die Hochzeit. Plötzlich verdunkelt sich die Szene. Stromausfall. Der tüchtige Paco organisiert einen Generator ...
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Die Geschichte beginnt mit der Evokation einer blutigen Balzszene oder eines Hahnenkampfes. Hingerissen von Sensationen der Zugehörigkeit, fallen sich Verwandte mit gespreiztem Gefieder in die Arme. Ihre frenetischen Begrüßungen ignorieren die Tatsache, dass man sich lange verlustfrei entbehren konnte. Familie bedeutet Scharmützel. Es geht sofort los und weiter.

Zu alten Fehden und Lieben kommen neue Verstrickungen.

Autotüren und Taubenflügel schlagen. Glocken läuten. Motoren laufen.

Zur Hochzeit ihrer jüngsten Schwester ist Maine aus Maryland angereist. Sie hat ihre Kinder dabei, nicht aber ihren Mann Joe, der in dem Ruf steht, ein erfolgreicher Geschäftsmann zu sein. Dem Vernehmen nach hat Maine in Maryland ihr Glück gefunden, während den in einem Weiler namens Deer Creek Zurückgebliebenen von Anstrengungen zum Erhalt ihres Grundbesitzes alles abverlangt wird. Sie sind arme Reiche - Millionäre ohne Geld - und im Gegensatz zu den irischen Pionieren, die sie nachkommen ließen, haben sie keine Aussicht mehr auf eine Kolonialkarriere. Sie stecken fest in Sackgassen des Stolzes. Ihre Verachtung für die hispanischen Erntehelfer*innen gipfelt in Verdächtigungen.

Vor einer Schulklasse zerquetscht ein Mann Trauben über einer Schale. Da steht der Sohn eines Knechts. Paco hat aus sich einen Gutsherrn gemacht und schläft mit der Lehrerin.

Einst kam er günstig zu einem Stück Land mit kargem Boden. Während er Hof hält vor der Klasse, schuften migrantische Arbeitsnomaden auf seiner Ranch. Paco stellt die Saftschale neben eine Weinflasche.

Den Unterschied zwischen Saft und Wein macht die Zeit.

Das Land hat Paco Maines Vater Fred in einer Notlage verkauft, zu einem Freundschaftspreis nach der Devise:

Gib mir, was du hast.

Noch wurde Maines und Pacos Generation nicht von der Zeit untergepflügt. Lauter übermotivierte Körper begegnen sich in der hochamtlich-aufschäumenden Inszenierung des Erfolgs und der guten Laune.

Wer alt ist, hat nichts zu lachen. Fred geht an Krücken und bewältigt den Abstand zwischen den Etagen in seinem Haus im Sessellift. Der Greis wähnt sich immer noch im Besitz von allem. Für ihn ist Paco ein Knecht geblieben. Seine Enkelin Marina wirbelt auf der Enduro ihres Cousins Staub auf. In einem Glockenturm fordert sie den Knaben heraus. Ihr Temperament gibt zu Gerüchten Anlass. Ihr Mut und ihre Ausgelassenheit erinnern die Leute im Dorf an Paco als jungen Mann. Ja, Paco war Maines Liebhaber, bis Joe kam.

Ein im Regen rauschendes Fest ist die Hochzeit. Plötzlich verdunkelt sich die Szene. Stromausfall. Der tüchtige Paco organisiert einen Generator, das Licht geht wieder an und die Party geht weiter. Marina kippt aus den Latschen und muss ins Bett. Als Maine das nächste Mal nach Marina schaut, findet sie das Bett leer. Eine SMS meldet das Grauen.

Leerlaufende Verbindungen offenbaren sich unter Druck. Joe taucht auf und entpuppt sich als Charakterwicht. Ein spannendes Dreiecksverhältnis baut sich zwischen ihm, Maine und Paco auf. Die Männer überschreiten ihre Grenzen in einem faszinierenden Zusammenhalt.

Ein pensionierter Polizist entstaubt seinen Spürsinn.

Paco begleicht eine alte Rechnung.

05:57 20.01.2021
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