Kidnapping an der Küste Kamtschatkas

Literatur Erste Überlegungen zu Julia Phillips' Roman „Das Verschwinden der Welt“
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Schwestern am Strand

Das ist die erste Szene. Sofija und Aljona verscheuchen Möwen, sobald die Vögel in ihrer Nähe landen. Die Mädchen bemerken einen Mann auf den Klippen. Besorgnis zieht auf wie ein Unwetter, um sich gleich wieder zu verziehen.

Julia Phillips, „Das Verschwinden der Welt“, Roman, aus dem amerikanischen Englisch von Pociao und Roberto de Hollanda, Deutsche Verlagsanstalt, 22,-

Julia Phillips gibt dem Bild eine illustre Kulisse. „Dicht gedrängt stehende Klötze“ vor dem rückwärtigen Horizont. „Vierstöckige Wohnblocks aus Sowjetzeiten, ein Flickenteppich aus Beton. Die Holzgerüste eingestürzter Häuser. Ein verspiegeltes Hochhaus ...“ Ein Trawler fährt durch die perspektivische Zentrallinie nach Süden. Da liegt Tschukotka vor Alaska. Die Kinder auf dem Küstenstreifen kennen nichts außer Kamtschatka.

Moskau liegt neun Flugstunden entfernt. Keine halbe Stunde später sind die Schwestern Gefangene eines Mannes, der ihnen aufs Unverfänglichste angeboten hat, sie nach Hause zu fahren.

„Sofijas elfenhaftes Gesicht war in der Sonne überbelichtet.“

Gleich mehr.

Aus der Pressemitteilung:

Wir von dtv haben uns heute schon über eine Besprechung von Julia Phillips' Roman Das Verschwinden der Erde in der ZEIT freuen dürfen. Und die Freude möchte ich gerne mit Ihnen teilen.

Klaus Brinkbäumer, der Julia Phillips in USA interviewt hat, schreibt u.a.:

Das Verschwinden der Erde ist ein wunderreiches Debüt, eines jener Bücher nämlich, die über viele Jahre wuchsen und so sorgsam erdacht, konzipiert, recherchiert, strukturiert, aufgeschrieben und redigiert worden sind, dass sie ganz prall und dicht werden konnten – und doch lesen diese Bücher sich leicht, von Wort zu Wort gleitend, denn die Kraft der Geschichte trägt uns von Seite zu Seite, und ihre Sätze schwingen und klingen.“

Der Roman erscheint nächste Woche als deutsche Erstausgabe in der Übersetzung von Pociao und Roberto de Hollanda und eröffnet - gemeinsam mit unseren Orwell-Neuübersetzungen - das Literaturjahr 2021 bei dtv.

Die vollständige Besprechung (allerdings hinter der Bezahlschranke) finden Sie hier: https://www.zeit.de/2021/03/das-verschwinden-der-erde-julia-phillips(aber vielleicht liegt Ihnen die aktuelle ZEIT ohnehin im Print vor oder Sie haben ein Digital-Abo).

Aus der Ankündigung

An einem Sommertag an der Küste Kamtschatkas verschwinden die russischen Schwestern Sofija und Aljona. Das Verbrechen erinnert an einen Vorfall nur Monate zuvor in der indigenen Bevölkerung. Wie eine düstere Wolke hängt der ungelöste Fall fortan über Kamtschatka und beeinflusst das Leben ganz unterschiedlicher Frauen in einer gespaltenen, männerdominierten Gesellschaft. Während das Netz zwischen den Einzelschicksalen dichter wird, hält die Suche nach den Mädchen die ganze Stadt in Aufruhr.
Brillant konstruiert und einfühlsam erzählt, entführt Julia Phillips uns in eine extreme und faszinierende Welt am Rande der Welt: in die graue Stadt Petropawlowsk, die spektakulären Weiten der Tundra und die Schatten schneebedeckter Vulkane.

Zur Autorin

Julia Phillips,geboren 1988, lebt in Brooklyn, New York. ›Das Verschwinden der Erde‹ ist ihr erster Roman. Er stand auf der Shortlist des National Book Award 2019 und erscheint in 25 Ländern.

07:24 15.01.2021
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