Der Geronimo-Moment

Brandenburger Landleben „Ich werde nie verstehen, was sich Geronimo von seiner Kapitulation versprochen hat. Doch wohl kaum ein Ende des Elends.“
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„Irgendwo werden Leiber zerbrochen, damit ich wohnen kann in meiner Scheiße. ... Es wissen die Herrschenden: der Blutende/Sieht nicht mehr das Unrecht.“ Heiner Müller

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„Ich werde nie verstehen, was sich Geronimo* von seiner Kapitulation versprochen hat. Doch wohl kaum ein Ende des Elends.“ Blackjane-Texas* Coogan

*„Sogar ein Fotograf hielt das Ereignis fest: Der (Apachenpräsident) Geronimo sitzt mit General Nelson Miles und dessen Soldaten im Kreis. Geronimo hat kapituliert. Vom 4. September 1886 an bleibt ... (er bis zu seinem Tod) Kriegsgefangener der USA.“ Quelle

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Ständig entziehen Paʻuopi-Aktivist:innen Nachrichten aus Unterwelten globaler Angreifer:innen dem Schlamm eines halbwegs ungefährlichen Zuviels. Die Spezialist:innen halten sich mit Regenbögen am Rand der Katastrophen höchstens gelegentlich auf. Und doch beginnt die Geschichte gemächlich an einem von landwirtschaftlichen Freiübungen methodisch aufgeheiterten Sonntagvormittag.

Bleta Thumbon pflegt ihren akademischen Acker im Ziztada-Senfschnapsrausch. Ihre Legende weist sie als Tesla-Preferred Supplierin im CRC-Bereich aus. Wie eine Grashüpferin aufs grüne Blatt, so passioniert passt Bleta zu den Verhältnissen in Araşağwı an der Dahme.

Offiziell übt sie (mit den Agrarwissenschaftler:innen von der Humboldt Universität koordinierten) experimentellen Gemüseanbau, Fernsehverzicht und esoterikfreie Gymnastik. Demonstrativ fährt sich Bleta herunter. Vorgeblich findet sie wunderbar easy Ersatz für städtische Anreize am Rand jenes berühmten Brandenburger Dorfes, das von berlinmüden Veteran:innen der digitalen Bohème übernommen und in Araşağwı umbenannt wurde.

Die Abkopplung von der Mehrheitsgesellschaft wirkt in Araşağwı wie ein Gesellschaftsspiel. Bürgermeisterin Yenibia Menigù nimmt jeden in den Arm, der von den Gassenhauer:innen vor Ort die Gemeindeordnung handfest erklärt bekommen hat. Die Polizeidienststelle in der Nachbargemeinde Kleeheim ist unterbesetzt, die Beamt:innen sind überfordert. Agitator:inen ordnen Maßnahmen an wie einst Einpeitscher:innen der Kollektivierung von Brandenburger Bauernhöfen.

... und da kommt die gründlich belehrte Arıa Sancması. Sie machte eine Traderin der Sting Beacha-Kooperative an, die Arıa verträumt ins Unterholz folgte und unterwegs frei von jeder Absicht an einer Kette der Gewalt zog. Die Gewalt überzog Arıa, die sich in einer besonders plausiblen Version dieser Geschichte längst verzogen hätte. Sie hat in Araşağwı nichts verloren. Aber sie rückt nicht ab.

Bleta versteht nicht, warum Arıa sich verschanzt, bewaffnet, eingräbt. Anstatt abzufahren. Ich (der allwissende Erzähler) kenne die Koordinaten des permanenten Ausnahmezustands in einer Geländespielvariante. Arıa verhält sich wie eine hinter feindlichen Linien abgeschossene Pilotin. Das Wischtelefon zeigt sich balkenlos in den Wäldern, die das Dorf einschließen und von Tag zu Tag undurchdringlicher werden.

Spitzentechnologie war gestern. Heute wieder Gaskocher.

Arıa verspricht sich keine Hilfe von biodynamisch-kommunardischen Landwirt:innen. Lauter Vereine der Friedfertigkeit und Sorgfalt würden sie jederzeit aufnehmen, einhegen und abriegeln.

Was Bleta und ihre Genoss:innen nicht wissen: Arıa heißt in Wahrheit Blackjane-Texas* Coogan. Sie ist die Unsichtbare im Team der Magnificent Eight, bekannt auch als The Magic Five. Blackjane-Texas ist dienstlich in Araşağwı. Sie folgt der Devise: One Riot, one Texas Rangerin.

10:51 18.07.2021
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