Der Maschinenraum des Universums

Literatur Raik Kepler ist einer der Namen, die ich als Agent benutzt habe. Nun habe ich unter diesem Namen einen Roman veröffentlicht.
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Würden die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, erschiene den Menschen alles, wie es ist: unendlich. William Blake

Der Maschinenraum des Universums

Zwischen Mafia und Magie in der hessischen Provinz - Raik Kepler ist nicht nur erfolgreicher Betriebschef, sondern auch der Vertraute eines Paten. Aber selbst Luciano Montana weiß nicht, dass sein Freund einer Zaubererdynastie angehört. Seinen Erfolg verdankt Raik einer besonderen Verbindung zum Universum. Doch seine Spiritualität bleibt Geheimnis. 'Der Maschinenraum des Universums' erzählt die Geschichte eines Unternehmens, das in der dritten Generation von Magiern geführt wird.

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Der Anfang:

Auf dem Segen liegt ein Fluch

Der alte Zauberer war eine Ausnahmeerscheinung – Heiler, Seher, Seelenberserker. Soweit der Segen. Das Genie verband sich ideal mit einem Genius loci. Der Zauberkasten steht gut auf sicherem Grund im Heilgarten. Eine Wiese voller Schlafmohn, Floh- und Katzenkraut, Sellerie, Odermennig, Schafgarbe, Rettich und Schwertlilie erfüllt die Anforderungen an eine lebende Apotheke des Mittelalters. Der Heilgarten wurde von irischen Mönchen angelegt, die christliches Wasser predigten und magischen Wein tranken. Seine Kolonisation erfolgte aus wilder Wurzel. Keine Bauernhand hatte sich da je gerührt und kein Kult seinen Ort gefunden, bis im 13. Jahrhundert der erste Graben gezogen und auf der Oede ein Garten angelegt wurde.

Gorod (Stadt) und Garten haben denselben Wortstamm. Der eingeschlossene Raum definiert beide. Gründe für die Vernachlässigung eines Gebiets in nächster Nähe der Fulda und des Verarbeitungsplatzes Hainweiler sind nicht zu erkennen.

Der alte Zauberer existierte symbiotisch wie ein tolkienesker Wargreiter mit einem Biest und manchem Wurm. Das war der Fluch.

Nährst du den Wurm, verwandelt er sich in eine Made. Die Made zeigt den Wurm in guter Verfassung auf dem Weg zum Biest. Ein mit Energie aufgeladener Wurm avanciert zum Biest. Das Biest ist unersättlich. Es springt innerhalb einer Blutlinie zwischen Angehörigen dorthin, wo die meiste Energie ungenutzt bleibt. Es trennt den Wirt von seinem Willen und treibt ihn in den Wahnsinn. Generös half das Biest dem alten Zauberer, quälende Herrschaft über andere zu erlangen. Floss die Biestenergie nicht sonst wohin ab, am besten in ein fremdes Schmerzzentrum, schadete sie Großvater. Er verglich die Schäden mit solchen Schäden, die Wasser und Feuer anrichten. Jeder weiß, dass Wasser verheerender als Feuer um sich greift.

Großvater siedete auch ohne Biest dicht an den Affekten. Er brauchte Gewalt und Zerstörung, um sich lebendig zu fühlen und seine Form zu halten. Der cholerische Christ jagte zwei Söhne aus dem Haus. Beide waren talentierter als der folgsame Bruder. Ihre Entfernung aus dem Zauberkasten folgte einem Diktat der Herrschsucht. Franz Rudolf Kepler wollte keine ebenbürtigen Nachkommen. Niemand sollte aus seinem Schatten treten und das Ruder übernehmen.

„Mich muss man vom Thron stürzen“, sagte er.

Er war der Mann an der einsamen Spitze. Wem das nicht passte, der konnte sich in der Welt umtun. Großvater unterschied nicht zwischen einem kritischen Einwand und offener Rebellion.

Wer sich brechen ließ, wurde gebrochen. Der gebrochene Sohn rettete sich an ein Ufer der Bedürfnislosigkeit. Vater kniff an seinem Strand jeden Tag.

Ich verstand nicht, warum mein Bruder nicht arbeitete. Rolf hatte das Recht aus der Reihe zu tanzen. Ihm gehörte ein Zugang zu den mütterlichen Abteilungen. Mich fügte man in den betrieblichen Baukasten wie einen Gegenstand ein. Auf mich ließ sich zurückgreifen. Zwei Fragen drängten sich vor. Was unterschied mich von meinem angeblich schwermütigen und hochbegabten Bruder und warum widerstand Vater nicht Großvater?

Mein Zustand war die Verwirrung. Zu widersprüchlich verhielten sich der brutale und der milde, in jedem Fall von keinem Einwand geschwächte Materialismus des Großvaters und des Vaters zu der Spiritualität beider Männer. Vater schrieb Gebete und genoss ein kleines Ansehen in den verschwiegenen Kreisen Gleichgesinnter. Das waren verschanzte Separatisten. Man war Mitglied einer Meditationsgruppe und ergänzte einen Bibelkreis, in dem Rückführungen stattfanden und sich Leute schreiend auf dem Boden wälzten, weil sie sich im Embryonalstadium wähnten.

Wo andere Licht sahen, blieb für mich alles dunkel. Ich fühlte mich zurückgestoßen, nicht gewollt und ungeliebt von Anfang an. Großvater pendelte zwischen apokalyptischen Anwandlungen und einer Feinheit des Empfindens auf den Vorhöfen wundersamen Wissens. Er hatte die Gabe. Ihm war es gegeben. So befremdlich entwickelten sich die Formulierungen im biblischen Format. Denn viele sind berufen, aber wenige auserwählt. Der Auserwählte ging mit der Axt auf seine Frau los, er machte der Schwiegertochter den Hof, er tropfte vor Unzufriedenheit und zerstritt sich mit mörderischer Heftigkeit. Einen Sohn erachtete er nur deshalb als abtrünnig, weil er an einem Wochenende der Abwesenheit seiner Eltern tanzen war, anstatt rund um die Uhr auf den Zauberkasten allgemein bekannt als Franzschuh Fabrik für Schuhbodenteile aufzupassen. Das war Verrat. Andere sprengten ihre Elternhäuser, sobald sie zum ersten Mal sturmfrei waren, der Onkel war bloß einmal in Hainweiler um die Häuser gezogen. Jetzt verdiente er sich als Topfverkäufer auf Märkten eine goldene Nase und hatte mehr Freizeit als die Zurückgebliebenen.

"Der Maschinenraum des Universums", Raik Kepler, Roman, 180 Seiten, ISBN-13: 9783945923238, Verlag: Palma Publishing Berlin
09:10 07.05.2018
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