Der Planet liegt mir zu Füßen

Literatur/Migration Ich erlebe die Avenida Copacabana als Boulevard der Verheißung.
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Mein Name ist Aoi Yamato. Meine Familie bewahrt seit zweitausend Jahren die Siegel und das Handbuch des Asuka-Schwerttanzes; benannt nach Asuka no miyako - Kaiserliche Residenzstadt Asuka. Heute ist Asuka ein Dorf in der Präfektur Nara.

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Ich erlebe die Avenida Copacabana als Boulevard der Verheißung. In meiner Perspektive erschöpft sich der Prospekt in einem Dreiklang der Ansichten. Häuser, Meer und Leute wimmeln zusammen in einem Bild.

Unter den Vorzeichen des Jetzt stellt sich die Avenida Copacabana auch so dar:

„Die Apartments Av. Nossa Senhora de Copacabana bieten Ihnen Unterkünfte zur Selbstverpflegung und liegen nur hundert Meter von der berühmten Copacabana entfernt … Die U-Bahn-Station Cantagalo ist drei Blocks entfernt … Den Flughafen Santos Dumont erreichen Sie nach zehn Kilometern.“ Quelle

Zärtlich besitze ich die Dinge mit den Augen. Anders will ich sie gar nicht haben. Der Planet liegt mir zu Füßen. Ich weiche zum Strand hin ab vom Straßenverlauf. Sepia färbt die Szenen. Unter meinen Sohlen brechen Muscheln mit einem Wohllaut. Der Sand macht sich geschmeidig. Der Strand wird zur Metapher der Privilegien. Ich empfinde dies gewiss so dankbar und demütig wie ich (in Anbetracht der Bedrohungen) vielleicht gar nicht sein sollte. Ach was, warum soll ich euch anlügen. So demütig bin ich gar nicht.

Stecke ich jetzt in einer Hybrisfalle? Habe ich mich wüst verirrt?

Die Erzählerin vollzieht an sich die Apotheose. Wer ist jetzt die Erzählerin? Ich bin es jedenfalls nicht. Ich stelle mich nun vor.

Mein Name ist Aoi Yamato. Meine Familie bewahrt seit zweitausend Jahren die Siegel und das Handbuch des Asuka-Schwerttanzes; benannt nach Asuka no miyako - Kaiserliche Residenzstadt Asuka. Heute ist Asuka ein Dorf in der Präfektur Nara. Mein Großvater wanderte auf Geheiß des Kaisers nach Brasilien aus. Die brasilianischen Yamatos bekommen ihre Zeugungspartner*innen zugesandt. Kein äußeres Zeichen verrät meine versierte Liebe und tiefe Vertrautheit zu/mit Rio de Janeiro im Allgemeinen und zu der AvenidaAtlântica - Atlantic Avenue im Besonderen. Ich sehe aus wie eine Touristin. Wie eine von der Sorte, der Gigolos aller Preisklassen für ihr Leben gern den Espírito Brasileiro erklären. Mich verletzt die Aufdringlichkeit der Beutemacher nicht. Ich unterscheide nicht zwischen contact und combat. Ich lächle einfach weiter, so wie ich weiter atme. Egal, was wer erzählt, oder wie sich jemand aufführt. Ich sehe die Leute wie Kegel auf einem Spielfeld.

Das Apollinische ist Trumpf (auch nach dem Selbstverständnis der japanischen Lordsiegelschützer*innen).

Wir sind ein Geschlecht der Bewahrer*innen, diesseitig und jedweder verträumten Attitüde abhold.

Zu euch spricht eine Verächterin der Schwermut. Übertriebene Empfindlichkeit erscheint mir und meiner Familie störend. Man kann uns auch als Schule ansprechen. Es ist nicht verkehrt, uns die Yamato Schule zu nennen. Wir unterrichten nur solche, die uns von Regierungen empfohlen wurden.

Bald mehr.

07:26 04.02.2021
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