Die diabolische Japanerin

Literatur In ihrem ersten Roman, „Das deutsche Zimmer“, beschreibt Carla Maliandi die knappen Denkfiguren einer Verkapselten, die schnell erschöpft den Rückzug ins Bett antritt.
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Die Erzählerin entzieht sich einem Ansturm des Widersprüchlichen und den Anstrengungen eines erwachsenen Paarlebens. Sie fliegt zehntausend Kilometer, nur um in einem Heidelberger Studentenwohnheim unterzukommen. Die Argentinierin aus Buenos Aires hat als Kind in Deutschland gelebt: in einem Milieu streitender Philosophen. Nun aktiviert sie verschüttetes Wissen. Manches erkennt sie wieder. Alte Filme laufen über die Spulen von Geruchserinnerungen.

„Ich gehe in einem Märchen spazieren.“

Carla Maliandi, „Das deutsche Zimmer“, Roman, aus dem Spanischen von Peter Kultzen, Berenberg, 175 Seiten, 24,-

„Perfekt und abstoßend“ zugleich findet die Erzählerin Deutschland. Da die Erzählung das Abstoßende ignoriert, bleibt auch der Leser auf der anderen Seite des Stroms. Das Elegische verbindet sich mit dem Idyllischen, bis ein Schwangerschaftstest Klarheit verschafft.

Carla Maliandi schildert die knappen Denkfiguren einer Verkapselten, die schnell erschöpft den Rückzug ins Bett antritt. Ein Landsmann namens Miguel Javier bricht die Flüchtige aus ihrer freiwilligen Isolation. Er ist nicht unbedingt freundlich, sein bestimmendes Wesen treibt die Erzählerin in einen vertrauten Widerstand. Sie trägt einen Schild vor sich her.

Sie lügt und flirtet unter ihren Verhältnissen. Alles erscheint ihr als Spiel, auch das in Argentinien aufgegebene Leben. Auch dass sie nicht weiß, welcher Mann für ihre Schwangerschaft verantwortlich ist.

Dann bringt sich eine Mitbewohnerin um. Die Eltern der Selbstmörderin tauchen auf: Herr und Frau Takahashi. Die Mutter spielt im Folgenden eine besondere Rolle als kaufsüchtiges Mysterium. Eine argentinische Hellseherin sagt ihr das Schlimmste nach.

06:57 18.09.2019
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