Die drei Miniaturistinnen

#Leben Drei Vielseitige verhelfen dem Rokoko zu einer Renaissance en miniature
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Júlia wächst arkadisch auf. Sie kennt die Gepflogenheiten von Affen und Jaguaren aus täglichen Begegnungen. Die Mutter holt das Frühstück aus dem Amazonas, ein Kühlschrank erübrigt sich bei dieser Lebensweise.

Eine Tante ist Júlias Idol. Als Polizistin genießt die Verwandte allgemein Ansehen. Dass sie außerdem als Pistoleira Mordaufträge entgegen nimmt, erfährt die halbwüchsige Nichte bei Gelegenheit. Tante ist gerade zu krank, um selbst Hand anzulegen, deshalb soll Júlia einen Patron aus der weitläufigen Nachbarschaft umbringen. Júlia erlebt das Debüt als Krise, die überwunden wird in Selbstüberwindung. Den Rest erledigen Piranhas.

Júlia fühlt sich zunächst mies, nach zehn Ava-Marias verzieht sich das Unbehagen.

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Drei Vielseitige verhelfen dem Rokoko zu einer Renaissance en miniature. Die Kleinkünstlerinnen schaffen Großreiche und erfinden dafür Namen, die historisch plausibel klingen. Eine umkämpfte Insel steigt aus dem Meer phantastischer Wortschöpfungen. Ein Fluss (so mythisch wie der Phlegethon und so banal wie die Mulde) trennt Territorien absolutistischer Macht- und Prachtentfaltung.

Seit Anbruch der Sechzigerjahre bauen und basteln die Miniaturistinnen eine Welt zusammen, die dem Realitätsprinzip trotzt. Die Älteste, Júlia, finanziert das Trio (siehe oben).

Gleich mehr.

06:35 12.06.2021
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