Die Jungfrau im Weißen Haus

John F. Kennedy Gefährdete Kennedys Sexsucht die nationale Sicherheit?
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Nicht alle, die in Amerika bei Hof zugelassen waren, erwarben genug Nachruhm, um auf Fotos identifiziert werden zu können. Ein Heer von Stabsmitarbeiter*innen verschwand im Grau der Namenlosigkeit und erscheint auf Bildern als Staffage. Es gibt Spezialisten zur Identifizierung unbedeutender Personen, die Präsidentensonne abbekommen haben.

Nur in der Kennedy Ära genossen Sekretärinnen im Weißen Haus so viel öffentliches Interesse, dass ihre Biografien wie Memorabilien behandelt werden. Das verdanken sie der sexuellen Gefräßigkeit des Präsidenten.

Ron Sharp spricht von „extensive womanizing“.

Sharp, der Kennedys Aufstieg publizistisch flankierte, ihn später, an der Wahrheit vorbei, in dicken Büchern zu einem großen Mann erklärte, und noch später das Denkmal schliff, erinnert 1974 im Gespräch mit der ANT-Korrespondentin Angel Burroughs an Pamela Turnure, die als Dreiundzwanzigjährige im Weißen Haus debütierte. Präsidentengattin Jacqueline gab ihr die Bedeutung einer Pressesekretärin. 1961 stellte Pamela der Presse die Katze der herrschenden Familie vor so wie dann auch Terrier Charlie. Sie kannte ihren Liebhaber intim bereits aus der Zeit, als er noch Senator war. JFK besaß den Zynismus, seiner Frau „die schwarzhaarige Schönheit“ als dienstbaren Geist zu empfehlen, um Pamela im Greifbereich zu haben.

Beschädigte Kennedys sexuelle Gefräßigkeit das Präsidentenamt?

Mimi Beardsley (verh. Alford) wurde 1962 als neunzehnjährige Praktikantin zu einer Geliebten des Präsidenten. Partyminister Dave Powers führte sie seinem Boss zu. JFK deflorierte Mimi am ersten Abend ihrer Bekanntschaft im ehelichen Schlafzimmer ohne Ziselierungen. Fortan zählte sie zur Entourage. Powers schob sie in Hotelzimmern ab. JFK begegnete ihr zwischen Tür und Angel in höchster Eile. Mimi blieb ihm bis zu Kennedys letztem Wahlkampf gewogen. (JFK wurde am 22. November 1963 in Dallas erschossen.)

Power Flower im Weißen Haus

Von Mimi weiß die Welt, dass Kennedy einen globalen Sieg der Kommunisten für möglich hielt. Sie blieb lange diskret und offenbarte sich erst im Rentenalter nach einer Bloßstellung. Mimi wusste Sachen, die selbst Sharp unbekannt geblieben waren; obwohl er zum engsten Kreis zählte, den Powers um den Präsidenten gezogen hatte. Das waren katholische Iren aus Boston mit Kriegserfahrung. Powers diente JFK ab 1946. Er übersetzte die Diktion eines Millionärssohnes, der Harvard absolviert hatte, für die Arbeiter, die Kennedy wählen sollten.

Powers erfüllte Funktionen eines Consigliere in der „irischen Mafia“ (nach Wikipedia), die das Weiße Haus erobert hatte und in Lincolns Heiligstem im Stil der Zeit Feste mit Marihuana und LSD feierte. Die Gruppe um Powers war sich einig in einer völlig unkritischen Bewunderung des Präsidenten. Heute würde Kennedy über ein Hashtag stolpern. Er hätte bald auf der ganzen Linie ausgewedelt. Er wäre außerdem geweinsteint worden. Ihm schlüge Trump Trouble entgegen. Niemand hielte einen Sexsüchtigen für staatsmännisch großartig.

P.S.

In London stürzte Kriegsminister John Profumo 1963 über eine zum Enthüllungszeitpunkt beendete Affäre mit der Tänzerin Christine Keeler, die zeitgleich ein Verhältnis mit dem sowjetischen Marineattaché Jewgeni Iwanow hatte. Die Profumo-Affäre brachte eine Regierung zu Fall, von der man heute nichts mehr weiß. Man kennt nur noch Christine Keeler.

Morgen mehr.

08:59 09.04.2018
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