Die Schlacht von Nacogdoches

Texas Ranger The highest technique is to have no technique. My technique is a result of your technique. A good man does not oppose force. He is pliable as a spring. Bruce Lee
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Chickamauga Cherokee und ihre Alliierten spielten tragische Rollen beim großen Abwasch von 1839

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Am 29. März 1839 zwangen achtzig Texas Ranger in der prominentesten Aufstellung, die je notiert wurde, Vicente Córdova und seine Abtrünnigen vor Nacogdoches am Angelina River zum Kampf. Gleich drei Nationalhelden engagierten sich im Feld. General Edward Burleson, Colonel Matthew Caldwell und Major Henry Augustine erwiesen dem ehemaligen Alcalde von Nacogdoches die Ehre. Zugleich drückten in Nacogdoches City die Geschichtsbuchtexaner Samuel Houston, Adolpus Sterne und Thomas Jefferson Rusk den Edelkombattanten die Daumen.

Córdova wurde verletzt, konnte aber nach Mexiko entkommen.

Gun control in Texas means …

Vicente Córdova (1798–1842) war der reichste Mann in Nacogdoches County. Er hatte für die mexikanische Unabhängigkeit gestritten und die zunehmende Dominanz der angloamerikanischen Kolonisten in seiner Heimat mit dem Lauf der Welt zugunsten der neuen Texaner verrechnet. Er hielt sich für weise, verbarg geschickt seine Aktivitäten und Vorurteile und unterstützte sowohl den deutschen Bürgermeister Adolphus Sterne als auch Thomas Jefferson Rusk, der ab 1836/37 Nacogdoches County im Senat von Texas vertrat. Rusk sollte sein ärgster Widersacher werden. Doch davon lag noch nichts in der Luft, als im August 1832 ein paar Anglosettler gegenüber dem Kommandanten der mexikanischen Armee in Nacogdoches auf Affrontkurs gingen, indem sie sich weigerten, ihre Waffen abzugeben. Die Waffenabgabe folgte an sich einer affigen Zeremonie. Alle drei Monate stellte die Verwaltung (zu ihrem Vorteil) fest, dass die Waffenkontrollvorschriften offen ignorierten wurden. Daraufhin wurden rituell Gewehre eingezogen und hinter dem Rathaus gegen ein Handgeld herausgegeben.

Die Mexikaner fuhren auf Operetten und Schmierentheater ab. Ihre Granden putzten sich phantastisch heraus, die Demimonde flanierte beschirmt über die Staubpiste der Hauptstraße von Nacogdoches. Männern wie Henry Blix, der als dänischer Hippie nach Texas gekommen war und inzwischen als Westmann durchging, und John Wayne Going, der wie John Wayne aussah und als Westmann in Stiefeln auf die Welt gekommen war, taten die Augen weh beim Anblick der durchgeknallten Lyriker. Im Steakhouse von Polly Morgan und im Winehouse von Ami Steakhouse kehrten Henry und John zu ihren am protestantisch-angloamerikanischen Standard geschulten Maßstäben zurück. Als freie Männer, die sich nicht beleidigen lassen durften, hatten sie die Pflicht, bewaffnet zu sein. Wegen der komplizierten Ladevorgänge hatten sie stets drei, vier, fünf Sachen am Mann. Das nur nebenbei. Die Colt Ära ging erst 1837 los, als Sam dem Ranger Captain Jack Coffee Hays einen Salon voller Perkussionsrevolvern offerierte. Die Perkussionsrevolver waren auch nicht einfach zu laden. Wenn ihr in Spielfilmen, die den Sezessionskrieg (1861 – 1865) atmosphärisch plündern, Männer mit viel Eisen im Gürtel seht, zeigt das die Realität jener Zeit, in der Messer und Säbel noch zu ihrem Recht kamen.

Benjamin Franklin Terry & Terry’s Texas Rangers

Okay, springen wir von 1832 kurz in den Bürgerkrieg. Wohlhabende Bürger statteten Regimenter aus, die mitunter nach ihnen benannt wurden. Eine Freiwilligenvereinigung hieß nach ihrem Gönner Terry’s Texas Rangers (8. Texas Cavalry). Jeder Ranger erhielt ein Gewehr, einen Colt, ein Bowie Messer und einen Sattel. Terry unterstützte den Kongressabgeordneten, Publizisten, Verleger, Anwalt, Arzt und Colonel der Konföderation John Salmon Ford. Gemeinsam mit Ford und Gouverneur Thomas Saltus Lubbock (1817 - 1862) schiffte sich Terry im Juni 1861 im Hafen von Matamoros ein. Via Galveston segelten die Sezessionisten nach New Orleans. Da nahmen sie den Zug nach Richmond, Virgina, um sich General James Longstreet zu unterstellen. Ihren Aufrufen folgten insgesamt 1170 Texaner. Terry führte seine Ranger von Virginia nach Nashville, Tennessee, und weiter nach Bowling Green, Kentucky. Am 17. Dezember 1861 fiel Terry vor Woodsonville, Kentucky, in einer von den Konföderierten gewonnenen Schlacht. Lubbock sagte bei der Beerdigung: No braver man ever lived.

Muss sich das nicht jeder Texaner nachsagen lassen. Terry’s Texas Ranger wurden wegen ihrer hervorragenden Skills als Schocktruppe eingesetzt. Sie stürmten von Sieg zu Sieg. Mir wird immer schleierhafter, wieso die Union meint, sie habe den Bürgerkrieg gewonnen. Da stimmt doch was nicht. Darüber muss noch gesprochen werden.

Zurück zur Schlacht von Nacogdoches 1832

The situation soon escalated”, schreibt Alfons Blattschneider in seinen Memoiren eines deutschen Texas-Cowboys”. Die Lage ist verwickelt. Es geht nicht nur um ein paar arrogante Anglosettler, die den Ortskommandanten José de las Piedras vorführen. Der Goldfasan hat seinen Job geerbt, er lässt sich stündlich die Stiefel wichsen und sein Friseur gehört zur Entourage. Ohne Entourage unternimmt Piedras nichts. Selbst, wenn der Suff ihm den Schlummer bringt, schlummert er mit Entourage.

Call to arms

Es gibt eine Konfliktebene, die uns zu größerem Ernst nötigt. Sie ist nicht einfach zu verstehen und kalibriert das Verhältnis der Zukunftsfähigen auf beiden Seiten des Ressentiments. Vicente Córdova verkörpert den föderalen Widerstand gegen die ferne Zentralgewalt in Mexiko-Stadt. Bei der Schlacht von Nacogdoches zeigt er sich auf der Seite der Anglosettler. Sie danken ihm die Unterstützung nicht. Die weißen Texaner hoffen sogar, dass Córdova seinen Champion in dem gleichfalls föderal auftrumpfenden Supergeneral Antonio López de Santa Anna findet. Sie wollen Córdova scheitern sehen.

Der Ruf zu den Waffen erfolgt am 28. Juli. Die Gemeinden haben sich zur gegenseitigen Unterstützung verpflichtet. Sie bilden die Texas Miliz. Der Begriff wird synonym mit Texas Armee verwandt. Die Struktur kopiert das Einsatzformat der Minutemen im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Das heißt, auf mexikanischem Boden steht eine ausländische Armee in den Unterröcken der Guerilla. Jim Bowie, Samuel S. Davis, Bailey Anderson Jr., John M. Bradley und James Bradshaw bringen ihre Männer von Sonstwo im Landkreis nach Nacogdoches. Hundert mexikanische Dragoner greifen den Haufen an. Die Texaner erwidern das Feuer. Ein Häuserkampf entbrennt. Eine zweite Kampflinie entsteht am nördlichen Stadtrand. Am nächsten Tag erklärt sich Piedras für besiegt und die zu seiner Verstärkung herbeigeführten dreihundert Soldaten laufen zu den Texanern über, weil ihr Hauptmann (Francisco Medina) in Córdova seinen Helden des Föderalismus erkennt.

Bei der Schlacht von Nacogdoches sterben wieder viele Mexikaner und vier Texaner. Dazu kommen drei verwundete Texaner.

Die Córdova Rebellion von 1838

Ausgangspunkt der heutigen Stunde war die finale Niederlage des mit Nacogdoches und der texanischen Siedlungsgeschichte vielfältig verbundenen Córdova. Ich behaupte, gegen ihn sprach weiter nichts als seine Zugehörigkeit zu den alten Eliten. Córdovas Ahnen hatten für einen großartigen Stammbaum gesorgt, sein Engagement im mexikanischen Unabhängigkeitskrieg adelte ihn zum zweiten Mal. Er suchte den Ausgleich mit den Neuen und fand einen gemeinsamen Nenner im Föderalismus. Córdovas guter Name tauchte auf den Listen der Autonomiebefürworter auf. Nur bedeutete Autonomie und Föderalismus für Mexikaner etwas ganz anderes als für weiße Texaner. Der Föderalismus maskierte lediglich weitergehende Ansprüche der Anglosettler. Das begriff Córdova zu spät. Er begriff lange nicht, dass seine Partner ihn nicht im Boot haben wollten. Er organisierte Widerstand, stärkte die texanische Unabhängigkeitsbewegung in den frühen 1830er Jahren und beteiligte sich an der Texas Revolution von 1835/36. Die Córdova Rebellion im Jahr 1838 hatte einen dünnen politischen Anstrich. Es hieß, Córdova habe die Texas Revolution unterstützt solange sie als Verfassungsreturn (zu den Erklärungen von 1824) deklariert gewesen sei und stemme sich im Weiteren gegen die texanische Unabhängigkeit von Mexiko. In Wahrheit trieb Córdova und andere, die als mexikanische Loyalisten denunziert wurden, Enttäuschung an.

Werden Texaner im Ausland nach ihrer Nationalität gefragt, sagen sie: Ich bin Texaner. Sie sagen nicht: Ich bin Amerikaner. Ihre Vorfahren wussten, mit wem sie das große Ding eines eigenen Staates machen wollten und mit wem nicht. Córdova verbündete sich mit einem anderen Verlierer - Chief Bowl, der bald von seinen Chickamauga Cherokee tödlich entmachtet wurde. In seinem letzten Gefecht stand Córdova General Edward Burleson (1798 –1851) gegenüber, der in der zweiten Amtszeit von Houston der Republik Texas als Vizepräsident diente. Burleson hatte die Kapitulation des größten Widersachers der Republik akzeptiert und bei dieser Gelegenheit Santa Annas Schwert entgegengenommen. Im Frühjahr 1839 deklassierte Burleson einen von denen, die man auf dem Gründungsfoto nicht sehen sollte. Damnatio memoriae – der Sieger schreibt die Geschichte.

Morgen mehr.

07:32 08.03.2018
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