Die Signatur des Anthropozän

#Leben Aya arbeitet jetzt als virale Fallenstellerin
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Solange „fossile Brennstoffe die lukrativste Substanz der Welt“ (Bill McKibben) sind, werden alte weiße Männer im wachsenden Schadstoffausstoß ihr Heil suchen.

Die Idee vom Organischen als dem harmonischen Prinzip des Universums gehört zu einem Selbsttäuschungskomplex. Kein Wirtschaftssystem wächst wie ein Rosenstock: ermutigt von filigranen Wachstumshilfen. Überhaupt hat Wirtschaft mit Flora & Fauna nichts zu tun. Menschengemachte Strukturen sind Gegenkräfte der freihändigen Natur.

Wie die Dinosaurier stecken wir in einer Falle der Hypertrophie.

Weltweit stehen Wälder in Flammen. Ökosysteme werden zerstört, die lange zuverlässig Kohlendioxid-Lasten abtransportierten. Für sie liegt kein Ersatz im Reservefach des Lebens. Das ist die Signatur des Anthropozän. Der Mensch greift zu seinem Nachteil die Natur an. Ihn treibt die Erwartung, für jedes Problem eine technische Lösung zu finden. Homo Faber balanciert auf einem hohen Ambitionsniveau und schaut entspannt in den Abgrundschlund. Die negativen Emissionen von heute will er mit Technologie von übermorgen „aus der Luft ziehen“ (Maja Göpel).

Die einen wollen die Welt retten, die anderen wollen ins Büro

Darüber reden sie mal wieder in den wohlfeilen Floskeln der Highendverbraucher:innen. Wir sind in London. Es herrscht der Berufsverkehr. Die Stadt ist auf den Beinen, die öffentlichen Verkehrsmittel werden zu Arenen britischer Tugenden. Aktivist:innen vereiteln die Abfahrt eines öffentlichen Fahrzeugs. Pendler:innen verlieren ihre Zurückhaltung. Schließlich bringt man die Regelbrecher:innen zu Boden. Es geht gerade nicht um den letzten Kanten Brot, um eine rettende Ration Trinkwasser oder sonst eine Kleinigkeit aus dem minütlich schrumpfenden Ressourcenpark. Es geht nur um eine Verspätung. Das reicht, um Verkehrsteilnehmer:innen roughe Allianzen suchen zu lassen. Die Bestie Mensch schaltet sich in den Überlebensmodus.

Wer von uns überlebt die entrechtete Gesellschaft im Ausnahmezustand?

Ich, denkt Aya. Sie lebt jetzt in London und trainiert täglich vier Stunden. Sie braucht das wie die Luft zum Atmen. Ihre Muskeln sind das Geilste von allem, was erreichbar ist. Der Job spielt keine Rolle. Aya gehört nun auch zu den Administrator:innen Narrativer Networks und Social Media in Strategic Communications. Sie baut virale Fallen. Leute wie Aya übernehmen virtuelle Räume im Auftrag ihrer Herr:innen. Ihre Arbeitgeber:innen sind als Marktforschungsinstitute getarnte Militärdienstleister:innen und erledigen die Drecksarbeit für Regierungen. Geschieht dies in Afrika, ergeben sich Beispiele für digitalen Kolonialismus. Korrupte Regimes erlauben die Auswertung über Mobilfunkanbieter:innen, um das Wahlverhalten der Bevölkerung zu ihren Gunsten zu manipulieren. Die illegalen Wahlkämpfe finanzieren die Machthaber:innen mit Steuern.

Gleich mehr.

10:51 01.03.2021
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