Change by design or by disaster

Maren Urner sagt: „Die für die Steinzeit optimierten Anteile unseres Gehirns steigen bei Stress, Gefahr und Angst quasi unaufgefordert auf den Fahrersitz und übernehmen das Steuer.“
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Prof. Dr. Maren Urner entwickelt auch Strategien gegen „erlernte Hilflosigkeit“. Sie liefert einem handlungsorientierten Selbstwirksamkeitsmodus Argumente. Macht euch fit und geht nach vorne, rät die Neurowissenschaftlerin.

Eingebetteter Medieninhalt

„Die für die Steinzeit optimierten Anteile unseres Gehirns steigen bei Stress, Gefahr und Angst quasi unaufgefordert auf den Fahrersitz und übernehmen das Steuer.“

Wir polarisieren und filtern automatisch und bleiben so hinter unseren Möglichkeiten zurück.

Maren Urner, „Raus aus der ewigen Dauerkrise Mit dem Denken von morgen die Probleme von heute lösen“, Droemer Knaur, 16.99,-

Maren Urner rechnet die Blockbildung und das Right-or-Wrong-Lagerdenken zu den „Verlockungen statischen Denkens“. Die Neurowissenschaftlerin und Professorin für Medienpsychologie bestimmt drei archaische Faktoren.

Change by design or by disaster

„Unser Drang, am Alten festzuhalten, wird in der Psychologie auch als Status-quo-Bias bezeichnet.“ Sobald sich Entwicklungen so nicht mehr blockieren lassen, haben wir nur noch die Wahl zwischen change by design or by disaster. In der Kampfkunst ist das der Augenblick einer wahrheitsfindenden Unterscheidung. Geschieden wird Smart von Stupid Force. Smart bedeutet präventiv effektiv, die Zukunft arrondierend. Anderenfalls degradiert sich die Akteurin selbst zum Dummie einer Progression.

Auf der Suche nach dem Sinn

Wir sind auf Sinnhaftigkeit angewiesen, obwohl vieles zufällig geschieht. Wo suchen den Ich-Zusammenhang, wo wir stehen und gehen. Das führt zum magischen Denken, dem auch außerordentlich intelligente Leute verfallen können. So begründete „Niels Bohr das Hufeisen über der Tür seines Forschungslabors angeblich folgendermaßen: Er glaube nicht, dass das Hufeisen eine Wirkung habe, aber ihm sei gesagt worden, dass es wirke, egal, ob man daran glaube oder nicht.“

„Zur Lieblingsbeschäftigung des Gehirns, dem Treffen von Vorhersagen“

Wir sind gut in der Vorausschau und schlecht in der Reaktion. Darauf verlassen wir uns ohne weitere Prüfungen. Deshalb funktionieren Täuschungsmanöver, die vorderhand plump erscheinen. Ohne Täuschung bekäme man unter Versierten keine Hand ins Ziel. Zur Medaillenkehrseite gehört, dass wir zwanghaft prognostizieren, um etwas zu minimieren, was wir besonders schwer ertragen: Ungewissheit.

Dynamisch Denken

Angst verkürzt die Reichweiten unseres Denkens. Die Ängstliche verliert sich in der Erstarrung. Ihre Trugschlüsse sind Produkte statischenDenkens. Denken Sie an Impfverweiger:innen. Jene koppeln sich vom Zukunftsexpress ab. Die Angst reduziert ihre Überlebenschancen.

Unsere Chancen sind identisch mit unserer Beweglichkeit. In Krisen wachsen wir über uns hinaus. Wir nutzen Druck als ökologische Nische. Ein harter Anstoß dynamisiert uns. Dann gehen wir durch die Decke und entdecken unsere Superwomenpotentiale.

Jeder von uns ist ein(e) Natural Born StressmanagerIn.

Intelligenz sticht als Highcard alle Alternativen aus dem Variantenfeld. Das versteht jede, die sich die Frage richtig beantworten kann, warum der Mensch dem Mammut und nicht das Mammut dem Menschen substantiell gefährlich werden konnte. Wir profitieren von den zweiten Kreisläufen der geistigen Evolution.

Das alles und noch viel mehr erklärt Maren Urner. Die Neurowissenschaftlerin kennt nämlich auch die Binse meines ersten Trainers, dem vor einem halben Jahrhundert schon alten Kurt Teichmann:

Kampf ist Kopfsache, pflegte der Halbgreis zu sagen, während er die Debütant:innen durch die Mangel seiner Vorsprünge drehte.

Aus der Ankündigung

„Alles beginnt in unserem Kopf, sagt Maren Urner, Neurowissenschaftlerin und Professorin für Medienpsychologie. Jeder Mensch nimmt die Welt und damit auch alle Belastungen und Bedrohungen unterschiedlich wahr. Unsere Gedanken, Gefühle und Erwartungen beeinflussen unser Handeln: In unserem Gehirn entscheidet sich also, wie wir mit all den Herausforderungen und Ansprüchen, mit all den Krisen umgehen.

Ein Teil unseres Gehirns ist ein Gewohnheitstier, das ständig nach Erklärungen, Sinn und Zusammenhängen sucht. Außerdem ist es ein schlechter Risikobewerter, und wenn es Angst verspürt, verfolgt es nur ein Ziel: überleben! Dieser Teil unseres Gehirns macht uns das Leben in unruhigen Zeiten wie diesen schwer: Statisches Denken hält am Gewohnten fest!

Ein anderer Teil unseres Gehirns aber ist anpassungsbereit und anpassungswillig – er vermittelt uns unser Selbstbewusstsein und erlaubt uns, neue Wege zu gehen und Veränderung herbeizuführen. Dynamisches Denken hilft, Auswege aus der Dauerkrise zu finden.

Maren Urner vermittelt konkrete Rezepte, um diese Anpassungs- und Veränderungsfähigkeit unseres Gehirns für den Alltag zu nutzen. Ihre Vorschläge zum „dynamischen“ Denken helfen, neue Fragen an das Leben zu stellen, das Denken in Lagern und festen Zuordnungen zu überwinden, Gemeinschaft mit anderen Menschen zu schaffen und kompetent zu kommunizieren. Dadurch stellen sich Kreativität, Mut und Zuversicht ein – die Grundlagen für ein selbstbestimmtes und erfolgreiches Leben!

Maren Urner ist Professorin für Medienpsychologie an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) in Köln. 2016 gründete sie Perspective Daily mit, das erste werbefreie Online-Magazin für Konstruktiven Journalismus. Seit ihrem Bestseller Schluss mit dem täglichen Weltuntergang (2019 bei Droemer erschienen) ist sie eine viel gefragte Keynote-Speakerin und Vortragsrednerin.“

12:17 21.04.2021
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