Dieses saloppe Abrauschen

#Leben Brauche ich einen Kick, konsultiere ich gedanklich die süße Heimlichkeit gewisser Grillnachmittage vor zwanzig Jahren ... dieses saloppe Abrauschen in der Deckung ...
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„Wie hasse ich diese mittelgroßen Städte ...“ Thomas Bernhard

In ihren ersten eigenen vier Wänden spielt Peaches Delaware Coogan in der Prinzessinnenrolle einer frisch Vermählten dem pubertierenden Cousin Sundance-Tewaza Booker T. & the M.G.’s' „Green Onions“ vor.

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Die Liebe erschließt sich Sundance-Tewaza auf einem Küchenstuhl. Das Schöne steckt im Vagen. Die topografische Dimension des illegalen Tête-à-tête ist Dooperdell, eine als Reißbrettort der Landschaft aufgezwungene Belanglosigkeitsmarke in der kanadischen Tundra. Zivilisationsnäher nennt man so ein Dooperdell-Desaster Retortenstädtchen. Der Bausündencharakter steriler Siedlungen mit vom Lastwagen gehievter Infrastruktur ist immer noch kein soziologischer Gegenstand.

Die Liebe im Betonquadrat/am Saum der Hundekotstreifen/Neben den Mülltonnen/Betonplattenwege zwischen Rabatten, die von enttäuschten Liebesbegehren erzählen/In einer beliebigen Reihe/Mit klebrigen Händen …

Schon ist Verrat das Interessanteste an der Sache.

Sundance-Tewaza gelangte im Schlepp seiner vor den Zumutungen einer soliden Lebensführung fliehenden, ihrem Wesen nach gesellschaftsflüchtigen Familie (einem Ausbund der Verzweiflung und des Ungenügens) nach Dooperdell und wird da deshalb als Idiot gehandelt, weil er keine Löcher in Verkehrsschilder schießt. Heimlich steigt er zum Liebhaber einer Frau auf, deren Gatte Jazz höchstes Ansehen in der Gemeinde genießt. Peaches weiht ihre beste Freundin ein. Chrismas ist mit Jazz' bestem Freund verheiratet. Peaches' Betrug verwandelt die Gruppenaufstellung in einen Hexenkessel der falschen Normalität.

Und der größte Depp weit und breit tritt als Verursacher auf; als könne Sundance-Tewaza für irgendetwas geradestehen.

In meiner Praxis schildert Peaches die Konstellation fern jeder Affektiertheit. Ich beobachte eine belustigte Erforscherin der Niederungen. Peaches beflügelt eine Ahnung davon, dass nicht alles so kleinkariert wie die Küchentischdecke ablaufen muss. Ich erkenne in ihr eine Komplizin meiner Leidenschaft für Langeweile.

Leute wie Peaches und ich lieben kleine belanglose Städte im Abseits der Zivilisation. Mich öden Schauplätze der Hochkultur an. Abends will ich fernsehen und morgen frühstücken. Ich brauche keine Eypertin für urban gardening zu meinem Glück. Mir reicht die Joana von nebenan. Brauche ich einen Kick, konsultiere ich gedanklich die süße Heimlichkeit gewisser Grillnachmittage vor zwanzig Jahren ... dieses saloppe Abrauschen in der Deckung eines schon lange verdunsteten, völlig selbstverständlichen Wohlwollens.

Gleich mehr.

14:35 14.02.2021
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