Dual Use

#Leben Dual Use-Güter nennt man Gegenstände, die eine militärische Nutzung erlauben, obwohl sie zu einem zivilen Zweck gebaut wurden
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Dual Use-Güter nennt man Gegenstände, die eine militärische Nutzung erlauben, obwohl sie zu einem zivilen Zweck gebaut wurden. In einem fortgeschrittenen Gebrauch des Terminus zählen dazu scharf gespitzte Bleistifte genauso wie Sensoren. Die CIA-Agentin Dr. Brain (nicht Brian) Thunderbolt erzählt in ihrem Memoir „Rolling Thunder“, wie man Schieber:innen in Grauzonen begegnet. Die Schurk:innen und die Staatlichen locken und testen sind in einem Randori der Angebote.

Übertreibungsexzess

In einer Geschichte von Claas Relotius betreibt eine Amerikanerin Exekutionstourismus. Sie fährt von einer Hinrichtung zur nächsten und verhält sich unterwegs so unwahrscheinlich, dass es eine deutsche Studienrätin nötig fand, Relotius höflich und fundiert auf ihre Zweifel hinzuweisen. Relotius gelang das Kunststück, auf dem Sockel solider Skepsis ein Denkmal der Genauigkeit zu errichten. Er konterte den Angriff mit einem Konsortium aus Links und Querverweisen.

Doctor Brain erwähnt Relotius, um zu erklären, wie man Unglaubwürdigkeit in ihr Gegenteil verkehrt. Sie müssen übertreiben, bis die Schwarte der gegnerischen Zweifel kracht, erklärt die Professorin für Close Range Combat an der CIA-Hochschule von Cincinnati.

Die Rechtfertigung bestätigte seinen Rang. Die Studienrätin gab sich überzeugt geschlagen. Ihre Einwände landeten in der Schublade mit den zurückgewiesenen Unterstellungen.

Man muss den Lügner erkennen, um die Lüge zu sehen, sagt Doctor Brain.

„Die einfachste Lösung ist normalerweise die beste.“

Mit dieser Binse leitet Doctor Brain über zu dem Schieber:innen- und Schurk:innen-Kapitel im Zusammenhang mit Dual Use-Produkten. Der Stift und die Notiz seien im Feld viel effektiver als die Glock („trigger the cock around the clock“, Geheimdienstsprech) und die Nahkampfexpertise. Von Waterboarding hält die Spezialistin überhaupt nichts. Man müsse sich ins Vertrauen des Delinquent:innen schleichen, sie mit Zuspruch erobern und langsam weichkochen. Einer gefangenen Killerin aus dem Mittleren Osten kam Doctor Brain mit gegoogleten Korankenntnisse. Die Killerin konterte mit Joyce und Beckett.

Doctor Brain tastete sich vor, griff der Ruchlosen unter die Haut und bekam so spitz, wo der Sprengstoff gebunkert war. Sie vereitelte ein Attentat mit Psychologie.

In ihrer prä-akademischen Phase war Doctor Brain darauf spezialisiert, Schieber:innen umzudrehen. Sie markierte die Kaufinteressentin und arbeitete sich vor, bis sie als Führungsoffizierin die Zielperson gekapert hatte. Das lief regelmäßig so ab, wie man es aus dem Kino kennt. Man verabredet sich in einer Bar, die Observation der Zielperson läuft lange vor dem Termin an. Zufällig trifft die Agentin den Schieber auf dem Weg zum Treffpunkt. Sie lenkt ihn von seiner Route ab. Sie stößt ihn an wie einen Billardball; die Bearbeitung beginnt sofort. Das Ziel wird übernommen und merkt es nicht.

Leichtbauweise der Konspiration

Doctor Brain erinnert eine Debütantinnenverwunderung darüber, wie unterkomplex abgedecktes Verhalten ist und wie leicht die toten Briefkästen der Netz-Zeit gebaut sind.

Das ist so easy, dass man es als Laie nicht glauben mag.

10:52 04.05.2021
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