Dubliners reloaded

Sally Rooney gelingen atlantisch-maritime Stimmungen im Spektrum zwischen Sonnenmilcherotik und Sonnenuntergangsräuschen
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Gleichermaßen bade- und weltmeisterlich gelingen ihr atlantisch-maritime Stimmungen im Spektrum zwischen Sonnenmilcherotik und Sonnenuntergangsräuschen. In ihrem Debüt „Gespräche mit Freunden“ erzählt Sally Rooney, wie Frances am Strand von Dalkey an der irischen Ostküste im Süden der Grafschaft Dublin auf ein Zeichen von Nick wartet. Frances versteht sich selbst nicht, Nick ist zehn Jahre älter und wie geschaffen für die Rolle als Ehemann einer anderen. Aber da ist dieses Ziehen in der Leiste, wenn sie ihn sieht; das Funkeln der ablandigen Liebe und die Glut im Strandkleid. Nicht hingucken und nebenbei anfassen, das ist wahnsinnig anstrengend. Von mehr als einem Sundowner erheitert, wird Frances endlich zur Geliebten eines Verheirateten.

„Der Sex war so gut, dass ich oft schon währenddessen weinte.“

Gleichzeitig spürt Frances ihre Macht. Sie kann Nick mühelos kommen lassen in dem Bett, das er normalerweise mit der länger abwesenden Gattin teilt.

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Die ad hoc mit den Allergrößten verglichene Autorin schildert in ihrem zweiten Werk, „Normale Menschen“, den Alltag pedantisch irrlichtender Kleinstadt-Adoleszenten in der Gegend von Connemara an der irischen Westküste. Marianne will den Provinzmuff so schnell wie möglich hinter sich lassen. Connell wirkt weniger energisch.

„Sie wird in seinen Armen ganz weich.“

Die höhere Tochter macht es dem Putzfrauensohn Connell leicht. Ihre bürgerlichen Vorsprünge gleichen Terrassen im Müßigglanz. Die Würfel in ihrem Eistee schmelzen nie.

„Bei dir musste ich keine Spielchen spielen ... ich hätte alles getan, was du verlangst.“

Fremdkörper

Soviel zum Vorfeld des aktuellen Romans von Sally Rooney.

Sie ist neu in einer Gegend (am Atlantik) mit stetiger Abwanderung.

Wer kann, der geht.

Alice Kelleher stammt aus Dublin und kennt sich in New York aus. Sie erscheint als gepflegter Fremdkörper in einer Bar mit ozeanischer Aussicht. Das Meer hat sie angelockt. Mietfrei wohnt sie im alten Pfarrhaus. Dahin nimmt sie den gedateten und in der Bar vorgeprüften Lageristen Felix mit.

Sally Rooney, „Schöne Welt, wo bist du“, aus dem Englischen von Zoë Beck, Claassen, 20,-

Aus der Ankündigung

"Eines der meisterwarteten Bücher des Jahres" New York Times

Alice trifft Felix. Sie ist eine erfolgreiche Schriftstellerin, er arbeitet entfremdet in einer Lagerhalle. Sie begehren einander, doch können sie einander auch trauen? Alice' beste Freundin Eileen hat eine schmerzvolle Trennung hinter sich und fühlt sich aufs Neue zu Simon hingezogen, mit dem sie seit ihrer Kindheit eng verbunden ist. Sie lieben sich, doch ist der Versuch der Liebe den möglichen Verlust ihrer Freundschaft wert? Zwischen Dublin und einem kleinen Ort an der irischen Küste entfaltet Sally Rooney eine Geschichte von vier jungen Menschen, die sich nahe sind, die einander verletzen, die sich austauschen: über Sex, über Ungleichheit und was sie mit Beziehungen macht, über die Welt, in der sie leben. Schöne Welt, wo bist du ist eine universelle Geschichte über den Raum zwischen Alleinsein und Einsamkeit und über die Freiheit, sein Leben mit anderen zu teilen – überwältigend klug, voller Klarheit und Trost.

Zur Autorin

Sally Rooney, geboren 1991, studierte am Trinity College und lebt in Dublin. 2017 erschien ihr gefeierter Debütroman Gespräche mit Freunden. Ihr zweiter Roman Normale Menschen wurde 2018 zum weltweiten Bestseller und literarischen Ereignis – er ist die Vorlage für die international erfolgreiche TV-Serie Normal People, deren Drehbuch sie mit mitverfasste. Sally Rooney gehört zu den herausragendsten Autorinnen der Gegenwart und gilt als ausdrucksstärkste Stimme ihrer Generation. Schöne Welt, wo bist du ist ihr dritter Roman.

11:05 06.09.2021
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