Ebbe im Epochenbewusstsein

Albert Camus „Gewiss hat es im Zirkus der Geschichte immer Märtyrer und Löwen gegeben.“ Mit dieser Aussicht kommt Albert Camus im schwedischen Winter von 1957 in die Arena.
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„Gewiss hat es im Zirkus der Geschichte immer Märtyrer und Löwen gegeben.“

Mit dieser Aussicht kommt Albert Camus im schwedischen Winter von 1957 in die Arena. Der frisch gefirmte Nobelpreisträger spricht vor Studierenden in der Aula der Universität Uppsala.

„Die UU wurde 1477 von Erzbischof Jakob Ulfsson und dem Regenten Sten Sture dem Älteren … gegründet.“ Wikipedia

Die Lämmer trösten sich mit der Ewigkeit, die anderen hauen ihre Zähne und Klauen in das „schön blutige historische Fleisch“. Camus wähnt sich in einer Zeit, in der es keine „göttliche Freiheit“ mehr gibt. Er spricht vom „Einbruch der Massen“ in das Epochenbewusstsein. Ihr Elend lasse sich nicht länger ignorieren. Im Schatten ihres Aufstiegs danke die Künstlerin ab, da ihr das Selbstvertrauen abhanden gekommen sei.

Existenzialistische Predigt

Von Jämmerlichkeit überspülte Schauflächen sorgten für Szenen, „die das freie Schaffen entmutigen“. Die Kunst würde in ihrem Kern angegriffen. Camus zitiert Emerson: „Der Gehorsam des Genies seinem Genie gegenüber, ist der Glaube schlechthin.“

Kaum zu glauben, dass Camus diese Predigt vor über sechzig Jahren hielt. Die Künstlerin schäme sich ihrer Vorrechte, konstatiert der Autor. Sie verschwende ihren Atem an Parolen und laufe falschen Prophet:innen nach, schiebe ich ein. Camus hätte das genauso sagen können. Ob er oder ich, wen juckt das schon. Wir, die wir auf den Decks der Galeeren die Ruder:innen in den Rümpfen keuchen hören (und zurückweichend vom Gestank der Arbeit weiter aufsteigen) besingen wie eh und je die Sterne so gerne. Früher glaubte ich, das sei nur Schnuppigkeit, heute weiß ich, dazu gehört Mumm. Ich will damit nicht sagen, dass nur Memmen malochen. Camus hat Recht, wenn er sagt, dass eine angepasste Kunst sich bestenfalls in „Formtüfteleien“ erschöpft. Spitzfindigkeiten können „die leibliche Wahrheit des Menschen“ niemals erfassen.

Camus hält „die Kunst für ein Werkzeug der Freiheit.“ Trotzdem stellt er sich gegen die Tendenz vieler Stümperinnen, in der Verfemtenrolle zu reüssieren.

21:07 17.08.2021
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