Entscheidungsschlacht des Herzens

Stendhal Am 21. Mai 1811 gesteht Stendhal Madame Daru eine Not, die zu beheben, sie ablehnt. Sie fessele sein Herz, erklärt er. Na und, fragt die Gräfin im Gegenzug schläfrig.
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Am 21. Mai 1811 fühlt sich Stendhal (bürgerlich Marie-Henri Beyle) zu einer „Entscheidungsschlacht“ eingeladen. Die angebetete Madame Daru widersteht.

„Der Angriff wurde zurückgeschlagen“, heißt es lapidar.

Man ist verwandt, die Gräfin, verheiratet mit Stendhals Gönner, bedeutet dem routinierten Verehrer seine Belagerungsfeuer anderenorts abzubrennen.

Stendhal, „Tagebücher und andere Selbstzeugnisse“, Rütten und Loening, 380 Seiten

Im Übrigen gibt es genug Personen von Stand, die sich liebend gern in Stendhals Liebesvisier nehmen lassen und es dem feurigen Geck unangenehm leicht machen; so dass sein Wille zum Aufwand mitunter Inszenierungen ohne Publikum nach sich zieht. Die Mailänderin Angela Pietragrua, verheiratete Gräfin Simonetta, reagiert (zumindest im zweiten Anlauf) beinah vorauseilend entgegenkommend auf Stendhals Werbung. Als er ihr gesteht, eine ältere Offenbarungsgelegenheit versäumt zu haben, zeigt sie sich empört.

„Aber warum haben Sie mir damals nichts davon gesagt.“

Angela Pietragrua gibt ihre Bereitschaft zu erkennen, Stendhal augenblicklich zu erhören und es zügig zum Äußersten kommen zu lassen. Das passt dem Eroberer nicht.

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht

Er will „Feldzugpläne“ unter Berücksichtigung von „Strategie und Taktik“ in den Dienst seiner amourösen Unternehmen stellen. Dass er umstandslos zur Sache kommen könnte, schmälert den (als Stutzer und Knallcharge geschmähten) Mann von Welt gewissermaßen.

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Stendhal beschriftet sogar seine Hosenträger. Auf ihnen notiert er Tag und Stunde des Premierenverkehrs mit der Gefeierten. Ein Porträt dokumentiert ihre Schönheit.

Am 21. September 1811 geschieht es um halbzwei. Sex in the city on Po. Quelle

Stendhal memoriert einen Tripper und zweimal Syphilis anno 1809.

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Man hält Schönheit (Ebenmäßigkeit) für einen Ausweis von Redlichkeit. Stenhal rückt „reine Züge“ in eine Reihe mit Adel und anderen Vorzügen. Eine vom Kaiser in den Senkel gestellte Schranze hat selbstverständlich „ein hässliches Gesicht“. Napoleon sagt ihr auf den Kopf zu: „Ich traue Ihnen nicht.“

Er droht dem Verworfenen mit seinem Degen.

Stendhal assoziiert mit der kaiserlichen „Strenge“ Schönheit.

„Der Kaiser muss so schön gewesen sein …“

12:21 10.08.2021
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