Eschatologischer Erweckungsaktivismus

#Leben Die Heimat ihrer Vorfahren wurde im 17. Jahrhundert zum Schauplatz eines eschatologischen Erweckungsaktivismus.
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Die Rezensionen der Kämpfe in Afrika ließen an Goethe denken:

„Nichts Besseres weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen/ Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,/ wenn hinten weit in der Türkei/ die Völker aufeinander schlagen./ Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus./ Und sieht den Fluss hinab die bunten Schiffe gleiten“.

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Die Familie stammte aus Drayton-in-the-Clay (Fenny Drayton) in der englischen Grafschaft Leicestershire; dem Geburtsort von George Fox. Die alte Heimat war im 17. Jahrhundert zum Schauplatz eines eschatologischen Erweckungsaktivismus geworden. Die „Stillen Freunde“, ganz korrekt „Mitglieder der Religiösen Gesellschaft der Freunde“, allgemein bekannt als Quäker, suchten und fanden Religionsfreiheit in Amerika. Mit ihren Eigenarten kolorierten sie das Milieu, in dem Presley Beaverbear, geborene Blackbird, zur Welt kam. Ihr Leben lang schlief Presley in dem Bett ihrer Geburt. Es stand in der Mansarde eines Hauses, das sich in der Vereinigung zweier Häuser verschiedener Epochen ergeben hatte. Während eines der Bescheidenheit seiner Erbauerin ein Denkmal setzte, erhielt das andere die Erinnerung an die grandiose Waldläuferin Cheyenne Colorado. Für Presleys ersten Mann und großer Liebe, den ratzfatz verstorbenen Hobo Bruno Beaverbear, füllte das Haus seinen Paradiesbegriff. Dem Elendsnomaden blieb nicht viel Zeit, das Glück der Sesshaftigkeit zu genießen.

Ich habe gerade viel biografisches Heu wie mit dem kosmischen Rechen zusammengezogen. In der Kompression wird ein großer Aufriss kleingepresst. Presley identifizierte Architektur mit Eigenschaften. Selbstverständlich belebte der gute Geist von Tante Sukanku quäkerisch-treuherzig das Haus der Heldin, in dem der obdachlos geborene Bruno sich selbst wieder einfiel. Jedenfalls ließ er sich zu dieser Formulierung hinreißen, und Presley liebte ihn dafür.

Alle anderen erkannten den Taugenichts.

Well, ich komme nicht umhin, Presleys unter die Hollywoodhyänen gefallene Schwester Chudoku ins Spiel zu bringen. Mit fünfzehn trampte sie von Nirgendwo in Pennsylvania nach Hollywood in Kalifornien und fand sofort eine Spitzenbleibe bei der Millionenerbin Cleopatra Churcill, kurz CC. Die beiden verband die reine Liebe ohne Ausschweifungen und sexuelle Sachen, die man besser für sich behält. Fortan umgaben C amerikanischer Ahorn, Marinemessing und antike Duellpistolen als Hausbardekor. Das war Fassade. C & CC zogen sich in ein japanisches Kabinett zu Geheimkonferenzen zurück. Da unterrichtete CC die quieke Quäkerin in klandestinen Künsten.

So geschah es bis weit ins Frühjahr 1941. Der Krieg war weit weg in den Wahrnehmungen von Schauspieler:innen, Regisseur:innen, Drehbuchschreiber:innen und Ehepartner:innen der zweiten und dritten Riege. Jeden Abend kamen die abgerockten Betas und Gammastrahler:innen in einem anderen Haus im historisierten Estancia-Stil zusammen und lausten sich in aller Mittelmäßigkeit. Rituell ergab man sich Klatsch & Rausch. Rommel spielte eine Rolle. Die Rezensionen der Kämpfe in Afrika ließen an Goethe denken:

„Nichts Besseres weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen/ Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,/ wenn hinten weit in der Türkei/ die Völker aufeinander schlagen./ Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus./ Und sieht den Fluss hinab die bunten Schiffe gleiten“.

Die Leute hatten auch Angst, aber nur um ihre Arbeitsplätze. Die McCarthy-Ära, in der die liberalen Lämmer der Filmindustrie auf dem Altar des Antikommunismus verbluten würden, lag in der Ferne. Amerika wog sich in der Sicherheit eines faulen Friedens. Pearl Harbor stand in den Sternen. „Unglücklich das Land, das Helden nötig hat“ sagt Brechts Galilei.

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Hobo Beaverbear war zwar arm, aber doch eine seelisch bedeutende Person. Presleys zweiter Mann war das nicht. Er betrog seine Frau mit deren Cousine Yayoi Zubizarreta. Presley ertappte die beiden. Anstatt abzugehen wie eine Rakete, gab sie Fersengeld. Sie beeilte sich, bei Tante Sukanku unterzuschlüpfen.

Gleich mehr.

04:37 29.05.2021
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