Zeitgenössische Spitzenpräsentation

#Leben Zu offensichtlich versucht Consuela den Ton französischer Romane der Ära Sagan zu treffen. Bonjour Tristesse auf jeder Seite.
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Die aus Perpignan gebürtige, mit den (ursprünglich kastilischen) Vanderbrasis eng verwandte Crema-Consuela Hitchcock widerfuhr das Missgeschick, vom eigenen Mann in eine Invalidität chauffiert worden zu sein. Nun sitzt man das Leben in der Paris ab. Als Refugium dient ein verwitterter Familiensitz, der als Palais vor zweihundert Jahren eine zeitgenössische Spitzenpräsentation darstellte. Darüber spekuliert Consuela in den Aufzeichnungen einer Gelangweilten. Zu offensichtlich versucht Consuela den Ton französischer Romane der Ära Sagan zu treffen. Bonjour Tristesse auf jeder Seite. Ihr Alter Ego referiert mit existenzialistischem Schmollmund. Sie trägt automobile Leichtfertigkeit zur Schau. Ihre Liebhaber beweisen Stil noch in der Badehose. Im flatternden Hawaiihemd, das Baguette unterm Arm, die Fluppe im Mundwinkel begeben sie sich in der Sommerfrische auf schneeweiß-laufstegartigen Kais zu ihren Yachten, wo Brigitte Bardots so blond wie brünett sie rauchend-gelangweilt erwarten. Yves Klein verblaut das Konzept. Auch Picasso und Giacometti gehören zur ästhetischen Phalanx.

Dolce Vita auf französisch. Consuela begegnet der architektonischen Kakofonie in ihrer Umgebung mit dem Ennui der Doofen. Sie ist eine Erscheinung des 16. Arrondissements, eine Operettengestalt des Pariser Residenzkomments.

Ein lächerlich überschätztes Plattitüdenprodukt erachtet sich als haltbare Trophäe.

Bald mehr.

07:49 22.02.2021
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