Explosive Gegenwärtigkeit

#Leben In Cormac McCarthys Roman „Die Straße“ führt die Sache im Titel zu einem toten Meer. Es wäre für jeden besser tot zu sein in der postapokalyptischen Welt, die McCarthy
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

“And than he became a victim of his mind.” Master Huai Hsiang Wang

In Cormac McCarthys Roman „Die Straße“ führt die Sache im Titel zu einem toten Meer. Es wäre für jeden besser tot zu sein in der postapokalyptischen Welt, die McCarthy der Leserin entdeckt. Tecumseh Cherokee Beauregard McCarthy, von seinen Freund:innen Sillybutt genannt, erreicht sein persönliches totes Meer 1993 auf einem 12-Millionen-Boot.

1991

Der Startup-Wahn schlummert in den Falten der Zeit. Die Revolvertrommel der Gegenwart dreht sich in der Internetvorzeit noch so langsam, dass sich Sillybutt wahnsinnig schnell vorkommt. Seine Buddys haben in den Siebzigerjahren ihren Schnitt mit Musikproduktionen gemacht. Immer noch schinden sie Eindruck mit Trinkgeldern in der Größenordnung kompletter Zechen. In ihren Yamamoto-Anzügen verlassen sie wie ein Mann ihre Friseurinnen aus den Saturday Night Fever Zentralen von Cincinnati und heiraten Fotomodelle für Produkte des täglichen Bedarfs. Bis eben sah kein Mensch nach Arbeit aus, nun wirken die Zeichen der Tagesfreizeit und Stressarmut stigmatisierend.

Mandrax Marathon

Sillybutt spricht Leuten für dreißigtausend Dollar pro Auftritt Mut zu. Da spricht ein Loser zu den Leuten. Seine Anlageberatungsstelle wurde von der Börsenaufsicht geschlossen. Sillybutt betrügt weiter im großen Stil. Er kann nichts anderes. Er bleibt der ewige Zauberlehrling in Disneyworld. Sillybutt gründet seine letzte Bruderschaft der Gierigen in allen Farben und Schattierungen. Da ist ein Mara Salvatrucha-Typ, der an sich lieber mit wirkungsvollen Drogen als mit wertlosen Papieren handelt und auch als reicher Mann am Assi-Style festhält. Da ist der tropfende Mann ohne Eigenschaften. Joe Himes, genannt Cocky, fing in der Wall Street als Schuhputzer an.
Da ist der unterdurchschnittliche Toupetträger mit abgebrochenem Jurastudium und Verbindungen auf die Kaimaninseln.
Da ist ein japanisches Pokerface mit Yakuza-Manieren.
Jeder könnte komplexer sein, alle klimpern bloß wie Zündschlüssel am Garagenbrett in einem nostalgischen Windstoß. Mit den Ausgeflippten startet Sillybutt zu einem Amoklauf geldgeilen Vergnügens. Orgien finden im Großraumbüro statt.
Sexarbeiterinnen, Kokain und Mandrax - Im Geist dieser Dreifaltigkeit wurde Sillybutt einst initiiert, nun gibt er die Botschaft nach unten weiter.
...
In der Karibik gerät Sillybutt auf seiner Yacht zum ersten Mal in Panik.
Gleich mehr.
08:20 08.06.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentarfunktion deaktiviert

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert. Deshalb können Sie das Eingabefeld für Kommentare nicht sehen.

Kommentare