Familiäre Künstlerinnengemeinschaft

Literatur Die einer markanten, europäisch verzweigten, in Basel ursprünglichen Familie entstammende, 1647 in Frankfurt ... zur Welt gekommene Naturforscherin Maria Sibylla Merian
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Die einer markanten, europäisch verzweigten, in Basel ursprünglichen Familie entstammende, 1647 in Frankfurt am Main zur Welt gekommene Naturforscherin und Künstlerin Maria Sibylla Merian setzt ihre bürgerliche Existenz aufs Spiel, um im letzten Jahr des 17. Jahrhunderts ein überseeisches Forschungsabenteuer gemeinsam mit ihrer gerade einundzwanzigjährigen Tochter Dorothea zu erleben. Mutter und Tochter erweitern eineLabadist:innenkolonie*inSuriname. Da verbindet die beiden eine Künstlerinnengemeinschaft. Sie produzieren Hand in Hand mit fließenden Übergaben. Legt eine den Stift zur Seite, übernimmt die andere die Linienführung.

„Derweil führte Dorothea die Zeichnung der Frucht fort.“

Abwechselnd füllen Maria und Dorothea die Botanisiertrommel. Routiniert killen und konservieren sie Schmetterlinge.

„Schade war es schon, den Schmetterling töten zu müssen, aber nur (so) ... konnte sie ihren (Kund:innen) seine Schönheit nahebringen.“

In den Kollaborationen verschmelzen Kunst und Wissenschaft. Flora und Fauna werden gezeichnet, beschrieben und systematisch eingeordnet. Die Analysen sprengen den Rahmen der allgemein akzeptierten, aristotelischen Naturauffassung.

Mitunter wachsen Früchte in Tempelruinen und aus (von Wurzeln) gesprengten Quadern, die einen Zivilisationsstandard andeuten, der in der Gegenwart von 1699 in den Dschungelrodungen der Einheimischen keine Referenz mehr hat.

*„Jean de Labadie (* 13. Februar 1610 bei Bourg bei Bordeaux; † 13. Februar 1674 in Altona) war ein mystischer Jesuit, konvertierte zur reformierten Kirche und wurde ein pietistischer Separatist.“ Wikipedia

Ruth Kornberger, „Frau Merian und die Wunder der Welt“, Roman, C. Bertelsmann Verlag, 525 Seiten, 20,-

Ich überspringe ein paar hundert Seiten, um schnell wieder in den Urwald zu kommen. In der Zwischenzeit rollt die Autorin die Biografie und die Reisevorbereitungen ihrer Titelheldin auf. Dazu später mehr. Jetzt holt ein Unwetter die Gesellschaft ein, in deren Tross MariaDutch Guyana(Suriname) erkundet. Ja, zunächst erscheint sie nur als belastende Begleiterscheinung geschmeidig operierender Pirat:innen, die ein Bündnis mit den Maroons* geschlossen haben. Nein, ich habe mich verlesen. Maria gehört als Geliebte des attraktivsten Verbrechers zum Verein. Der Gesetzlose versorgt die Geächteten mit Waffen.

*Frei nach Wikipedia

Die Maroons von Suriname ... sind Nachkommen geflohener Sklav:innen. (Es gibt sie noch.) Ihre Vorfahren stammen überwiegend aus Ghana, Benin, Togo und Angola. Bereits in der Gefangenschaft bildeten sie matrilineare Trutzgemeinschaften. In der gefährdeten Freiheit gründeten sie Stämme und suchten den Gemeinschaftsschutz indigener Völker. Die größten Gruppen sind dieNdyukaund dieSaramaccaner.

Die Niederländer:innen bezeichnen die Freiheitsliebenden als „Businenge oder Bosneger aka Wild Blacks“. Fallen sichern die Wege zu ihren Dörfern. Die Brigant:innen nutzen Hängebrücken im strömenden Regen.

Maria und ihr Liebhaber Jan etablieren sich in einer illegalen Urwaldsiedlung. Die Forscherin studiert den Alltag der Maroons, die in ständiger Tuchfühlung mit Repräsentant:innen der First Nation exitieren. Sie könnten am Überfall auf die Plantage von Imanuel Machato 1690 am Cassewijne beteiligt gewesen sein. Übrigens reagiert man auf einen Frauenmangel mit Entführungen von Sklavinnen.

Aus der Ankündigung

Als Forscherin brach sie mit allen Konventionen. Als Künstlerin schenkte sie uns eine neue Welt. Dies ist ihre Geschichte.

Niederlande, Ende des 17. Jahrhunderts: Um der Enge ihrer unglücklichen Ehe zu entfliehen, versucht die Malerin und Naturforscherin Maria Sibylla Merian in Amsterdam den Neuanfang. Ihr großer Traum ist es, von dort eine Überfahrt ins ferne Surinam zu ergattern, um im tropischen Regenwald die faszinierende Vielfalt der Schmetterlinge zu studieren. Der Start in der großen Stadt allerdings ist holprig. Die erwarteten Malschülerinnen bleiben aus, und Financiers für eine Forschungsreise nach Übersee finden sich auch keine. Aber Maria gibt nicht auf. Hartnäckig rennt sie Türen ein, knüpft Kontakte und bringt ihre ältere Tochter unter die Haube. Doch als es endlich so weit ist, zögert sie – denn mit dem geheimnisvollen Jan de Jong, der immer wieder ihren Weg kreuzt, gibt es nun jemanden, der sie in der Heimat hält …

Atmosphärisch und sinnlich, mit viel Gespür für Details, zeichnet Ruth Kornberger ein Portrait der Künstlerin und Forscherin Maria Sibylla Merian – einer faszinierenden Frau, deren Wagemut keine Grenzen kannte und die ihrer Zeit weit voraus war.

Das Buch wird klimaneutral produziert.

Zur Autorin

Ruth Kornberger wurde 1980 in Bremen geboren, liebt Schiffe und Geschichten über Abenteurerinnen. Mit ihrer Familie lebt sie in Weinheim. Sie ist Mitglied der Autorenkollektive Junge Literatur Mannheim und Qindie; ihre Kurzgeschichten sind in Literaturzeitschriften und Anthologien erschienen. »Frau Merian und die Wunder der Welt« ist ihr erster Roman.

11:16 23.05.2021
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