Generation Haltung

Klimagerechtigkeit Berlin/Wedding. Gestern Abend im Silent Green. Der Jugendrat (der von Claudia Langer ins Leben gerufenen) „Generationen Stiftung“ präsentierte eine visionäre ...
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Per aspera ad astra - Links der durch die Decke gehende Titel, rechts die aufstrebenden Autor*innen

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Der Jugendrat der Generationen Stiftung wendet sich mit seinem ersten Buch „Ihr habt keinen Plan, darum machen wir einen!“ an die deutsche Politik und stellt 10 Bedingungen für die Rettung unserer Zukunft - mit einem Vorwort von Harald Lesch.

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Berlin/Wedding. Gestern Abend im Silent Green. Der Jugendrat (der von Claudia Langer ins Leben gerufenen) „Generationen Stiftung“ präsentierte eine visionäre Gemeinschaftsleistung: „Ihr habt keinen Plan, darum machen wir einen!“, geschrieben von acht Jugendrät*innen, erschienen im Blessing Verlag/Randomhouse, stand schon vor der Veröffentlichung auf den ersten Plätzen der Amazon-Bestsellerlisten „Umwelt“, „Klima“ und „Verkehr“. Eine zweite Auflage ging in den Druck, bevor die erste den Handel erreichte.

Generation Haltung

Heute ist es einfacher, sich über Staatsgrenzen hinweg mit der eigenen Kohorte zu verständigen als über Generationen hinweg mit den eigenen Eltern. Die Grunderfahrung der Quartiermacher ist der Verlust an Prägungskraft. Das erkennen Ivan Krastev und Stephen Holmes in ihrer wegweisenden, explizit als „Abrechnung“ deklarierten Analyse „Das Licht, das erlosch“.

Der Jugendrat der Generationen Stiftung definiert sich als treibende Kraft in die entgegengesetzte Richtung. Er postuliert die „Generation Haltung“. In ihr treffen sich die Klimagerechten altersunabhängig.

„Seid ihr dabei?“ fragten die Aktivist*innen im Kulturankerzentrum Silent Green.

Der Jugendrat wendet sich mit seinem ersten Buch „Ihr habt keinen Plan, darum machen wir einen!“ an die deutsche Politik und stellt 10 Bedingungen für die Rettung unserer Zukunft - mit einem Vorwort von Harald Lesch.

Fünfhundert Premierengäste meldeten ihre Bereitschaft, die Schranken der Alterssegregation zu überwinden und in das Offene einer neuen Politik vorzustoßen.

Zusammenbruch ohne Niederlage

Klimaexperte Hans-Joachim Schellnhuber bezeichnete sich in seiner Vorrede als Bündnispartner in einer Allianz der Generation Haltung. Er bat die Jugend der Welt, nicht nachzulassen in ihrer Radikalität, um auch seinen Enkel*innen ein Leben unter Jetzt-Bedingungen zu ermöglichen.

Selbstverständlich sei das aktuelle Klimapaket unzureichend. Wie einst die Sowjetunion, steuere nun der neoliberale Turbokapitalismus in seiner Totalität auf einen Zusammenbruch ohne Niederlage zu. Die globale Erwärmung birgt beträchtliche Renditechancen.

Die Umwelt darf nicht kollabieren.

Plutokratische Exzesse

Solange „fossile Brennstoffe die lukrativste Substanz der Welt“ (Bill McKibben) sind, werden alte weiße Männer mit Macht im wachsenden Schadstoffausstoß ihr Heil suchen. Die globale Erwärmung verlängert die Spannen der Exploitation unter arktischen Bedingungen. Das Kapital denkt den Klimawandel vom anderen Ende. In seiner Regie werden Bohrinseln gebaut und in Stellung gebracht, die sich dem steigenden Meeresspiegel gewachsen zeigen sollen.

Seit der Feststellung des Treibhauseffekts vor dreißig Jahren haben sich die CO2-Emissionen weltweit verdoppelt. Mehr als die Hälfte der Gase werden in den alltäglichsten Abläufen freigesetzt.

Kann es einen Wandel der Welt ohne eine neue Ordnung und ohne die totale Entmachtung der alten Spieler geben?

„Dreizehn Millionen Deutsche sind vom Wahlrecht ausgeschlossen, nur weil sie unter achtzehn sind.“

„Ihr (Alten) seid zu langsam.“

Der Vorwurf zieht sich wie ein roter Faden durch den Diskurs des Jugendrats.

Ihr bewegt euch im Takt eurer Lebenserwartung. Aus egoistischen Motiven versaubeutelt ihr unsere Zukunft.

Der Jugendrat hatte zur Premiere alle Minister*innen und Bundestagsabgeordnete eingeladen und zudem um eine Stellungnahme gebeten. Gekommen waren allein drei Berufspolitiker*innen. Die Träger*innen der Regierungsverantwortung aka Versager*innen an der Klimagerechtigkeitsfront verzichteten ganz überwiegend auf die Chance, sich zu erklären und vielleicht auch zu entschuldigen, bei denen, die ihre Fehler ausbaden müssen.

Bald mehr.

11:19 19.11.2019
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