Gründerin aus Leidenschaft

Claudia Langer Denn jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Die Unternehmerin Claudia Langer fängt immer wieder von vorn an. Sie engagiert sich für eine gute Zukunft.
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Sie ist eine Gründerin. Claudia Langer kann gar nicht anders, seit sie mit sechzehn zum ersten Mal den Höhenrausch des Entrepreneur-Erfolgs erlebte.

„Damals habe ich Blut geleckt.“

Ihre erste Agentur gründete sie vor dem Abitur. Die ersten unternehmerischen Herausforderungen fielen in die Zeit der letzten Klausuren. „Avantgarde“ hieß das Abenteuer am Anfang. Inzwischen firmiert das Debüt unter anderem Namen als zweitgrößte Veranstaltungsagentur in Langers Geburtsstadt München. Stets war Langer einen Schritt schneller als die Konkurrenz. So reagierte sie auf die Notwendigkeit von Nachhaltigkeit (als dem Thema der historischen Stunde) vor vielen anderen. Auch die Generationen Stiftung entstand reichlich vor Fridays for Future.

Vor zwei Jahren gründete Claudia Langer die Generationen Stiftung als Plattform kommender Generationen mit der Idee, dem Gestaltungswillen junger Leute maximale Spielräume zu eröffnen. Sie engagiert sich aus einer Sorge von Thunberg’schen Ausmaßen. Deutlich steht ihr vor Augen, wie brutal sich der Klimawandel und die soziale Ungleichheit auf das Leben nach uns auswirken wird.

„Wir müssen jetzt handeln.“

Aufgehalten und eingeengt fühlte sich Langer als Schülerin. Die Schule bot der Hyperaktivistin zu geringe Spielräume. Sie wollte gefordert werden, sich selbst fordern, und lustvoll über ihre Ufer treten.

Lust ist ein Schlüsselbegriff im Repertoire der Macherin. Nach Berlin kam sie, na klar, um zu gründen. Immer wieder kommt sie darauf zurück. Wenn Langer von ihrer Gründungslust spricht, dann spricht sie von etwas Berstendem, Unaufhaltsamem und Überschäumendem.

„Sobald du begriffen hast, dass du potent bist, lässt dich die Idee nicht mehr los, dich einzumischen“, sagt sie. Kurz stelle ich mir vor, ein Mann würde das heute sagen.

Langer ist eine sanfte Berserkerin. Sie saugt an und auf. Sie geht Risiken ein und scheut keine Absturzgefahren.

„Eine Zwanzigjährige, die etwas will, hält niemand auf“, erinnert sich Langer an ihre magische Phase. Jetzt sollen andere den Rahm juveniler Überschüsse abschöpfen. Sie sollen machen. Das ist die Hauptsache. Langer unterstützt jedes Nachwuchstalent mit vollem Einsatz, auch unter Preisgabe eigener Vorteile.

Wo kommt dieser die Person vibrieren lassende Durchbruchswille her?

Geprägt hat Langer ein absichtlich karger protestantischer Pfarrhaushalt. Ihre moralpolitischen Eltern kontrastierten in einer Opposition des Verzichts das barockkatholische Programm und landeshauptkleinstädtische Savoir-vivre der Umgebung.

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Langer gendert nicht. Sie sagt: „Unternehmer wirst du, wenn du etwas siehst, was dir nicht gefällt, und du glaubst, es besser zu können.“

Sie widerspricht sich: „Ich wollte immer etwas machen, dass ich noch nicht konnte.“

Zurzeit und schon lange macht Langer etwas, dass sie gewiss nicht erst beim Anlauf gelernt hat. Sie will „der Idee einer solidarischen Gesellschaft eine Renaissance verschaffen“. – Nicht zuletzt eingedenk früher Erfahrungen. Sie sei beruflich von Leuten sozialisiert worden, die Geschäfte per Handschlag machten. Ihr Start habe sich in einer Phase „des Verglühens kaufmännischer Ehrbarkeit“ vollzogen.

Langer hat kein Problem mit „Kameradschaft“. Sie vermisst „Verbindlich- und Sportlichkeit“. Solche Tugenden sagt Langer ihren Kolleg*innen von einst in der Werbung nach. In den Agenturen ginge es um „maximale Teamfähigkeit“. Die unbedingte Kooperationsbereitschaft fehlt ihr in dem zivilgesellschaftlichen Kontext, dem sie nun ihre Kraft und Erfahrungen gibt.

Viele Weltverbesser*innen beweisen, so Langer, einen beachtlichen „Egoismus“.

Ich gebe Langer den weiten Weg von der Werbung zur Weltverbesserung zu bedenken. Langer killt den halben Einwand mit einem Lächeln.

15:31 11.09.2019
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