Harnstrahl-Erfolgserlebnisse

#Leben Eolamans schwindendes Dasein kennt keine verlässlichen Zustände mehr. Er baut nicht kontinuierlich ab. Er renommiert mit Harnstrahl-Erfolgserlebnissen ...
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Der ehemalige Landmaschinenmechaniker Eolaman Frankenstein beschwört die Familie als heilige Festung, um seinem Egoismus freien Lauf zu lassen. Er tyrannisiert, so man ihn lässt, weicht aber auch geschmeidig zurück, wenn ihn eine fremde Entschlossenheit bezähmt. Eolaman bleibt gewitzt und testet Grenzen.

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Manchmal trifft Eolaman ein Zeitpfeil der Erinnerung. Dann eröffnet er der einzigen Tochter grauenhafte Einzelheiten. Zum Beispiel leuchtet der sabbernde Greis akkurat in die näheren Umstände der hinfälligen Willfährigkeit einer zur Traktoristin umerzogenen Akademikerin. In den blutigen Post Bellum-Jahren sei manche Großstadtpflanze in ländlicher Verbannung verkümmert. Nicht alle Deportierten sprachen positiv auf Frühnebel über Wiesen und Felder an. Eolaman quält Champagna mit seinen Preisgaben.

"That's a little bit more information than I needed" (Pulp Fiction), erlaubt sie sich einen Humorbeweis (in dem ein Distanzwunsch steckt) anzubringen. Der Vater ist ungeheuer peinlich. Ein Ungeheuer, das Champagna strapaziert.

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Eolamans Ganovenmoralpredigten

Eolamans schwindendes Dasein kennt keine verlässlichen Zustände mehr. Er baut nicht kontinuierlich ab. Vielmehr vergeht er in dauerhafter Scheinblüte; einem grotesken Aufleben mit Harnstrahl-Erfolgserlebnissen, dass seine Erbinnen anspannt und zu Spekulationen einlädt.

Hauptsächlich belastet sich Champagna mit der Fürsorge. Eolaman und ihr Mann garantieren täglich die Unterhaltung eines raubeinig-egomanisch vergreisenden, in Polen vor mehr als einem halben Jahrhundert ausgebildeten Landmaschinenmechanikers, der sein technisches Wissen vergessen hat.

Beruflich hilft Champagna als promovierte Praktikantin im Emmy Noether Research Institute for Mathematics aus. Sie stiehlt Zeit, um den väterlichen Ansprüchen zu genügen. Die Umsichtige liefert sich dem Erzeugerirrwitz mit dem Ziel aus, untadelig zu erscheinen; während Eolaman sich im Glanz einer Einsamkeit sonnt, die daher rührt, dass er sich beinah mit jedem aus seiner Vita activa-Phase querulatorisch überworfen hat.

Statt einen Heimplatz für ihn zu organisieren, erduldet Champagna den Alten als Heimsuchung im Eigenheim. Eine bigott unterbezahlte Schwarzarbeiterin aus Odessa bindet dem Tyrannen die Schnürsenkel.

Eolaman schwärmt von polnischen Punks seiner Jugend. Zwar habe es unter ihnen jede Menge Nazis gegeben, aber keine Antisemiten.

Wie gesagt, der Mann ist meschugge. Er melkt Champagnas grundlos schlechtes Gewissen. Die zur Duldungsstarre Verdammte erklärt sich ihre Anfälligkeiten mit der schwierigen Herkunft des Vaters.

Gern würde sich Eolaman auf Champagnas Kosten bereichern. Die zwölftausend auf dem Konto erscheinen ihm nicht ausreichend. Champagna hält er Ganovenmoralpredigten. Sie widerstand eine Erziehung zur verdeckten Überschreitung. Eolaman beschwört die Familie als heilige Festung, um seinem Egoismus freien Lauf zu lassen. Er tyrannisiert, so man ihn lässt, weicht aber auch geschmeidig zurück, wenn ihn eine fremde Entschlossenheit bezähmt. Er bleibt gewitzt und testet Grenzen.

Gucken, was geht.

Fast unmöglich und doch höchst anschaulich erscheint die Mischung aus Altersstarrsinn und Flexibilität. Manchmal trifft Eolaman ein Zeitpfeil der Erinnerung. Dann eröffnet er der Tochter grauenhafte Einzelheiten. Zum Beispiel leuchtet der sabbernde Greis akkurat in die näheren Umstände der hinfälligen Willfährigkeit einer zur Traktoristin umerzogenen Akademikerin. In den blutigen Post Bellum-Jahren sei manche Großstadtpflanze in ländlicher Verbannung verkümmert. Nicht alle Deportierten sprachen positiv auf Frühnebel über Wiesen und Felder an. Eolaman quält Champagna mit seinen Preisgaben.

"That's a little bit more information than I needed" (Pulp Fiction), erlaubt sie sich einen Humorbeweis (in dem ein Distanzwunsch steckt) anzubringen. Der Vater ist ungeheuer peinlich. Ein Ungeheuer, das Champagna strapaziert.

Gleich mehr.

05:42 15.02.2021
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