Hessenmeister CCXIX

Brasilien Französische Kauffahrer treten mit der ursprünglichen Bevölkerung in Geschäftsbeziehungen. Sie untergraben das portugiesische Farbholzmonopol
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Johann III. von Portugal sieht sich gezwungen, die Vernachlässigung Amerikas aufzugeben, um mit Aktivität fremde Interessen abzuwehren. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts vermehrt sich das Aufkommen europäischer Seefahrer an brasilianischen Stränden. Französische und niederländische Kauffahrer treten mit der ursprünglichen Bevölkerung in Geschäftsbeziehungen. Sie untergraben das portugiesische Farbholzmonopol.

Caesalpinia Echinata ist (zunächst) das (einzige) Objekt weißer Begierde. Der Baum wirkt auf das Erscheinungsbild des atlantischen Regenwaldes. Die Portugiesen nennen ihn Pau Brasil in Verballhornung eines arabischen Wortes. Aus Tierra da Vera Cruz, der ersten kolonialen Namensgebung, wird T(i)erra do Pau Brasil.

Wegen einer Sache ein Land unter Kontrolle zu halten, ist im Ernst nicht plausibel. Die portugiesische Administration schwankt unter der Last des fragwürdigen Aufwands. Viel interessanter findet man die Inquisition, ein Produkt der Judenverfolgung. Honoratioren wetten auf die Glaubensfestigkeit der neuen Christen.

Should I stay or should I go?

Die Konvertiten wollen lieber katholisch sein als heimatlose Juden. Doch wie ernst ist es ihnen mit dem Katholizismus? Zur Klärung dieser Frage bittet König Johann den Inquisitor (als Institution) an Bord des portugiesischen Staatsschiffs. Der Inquisitor kreiert die Rolle des öffentlichen Anklägers. Niemand muss erst klagen, um ihn auf den Plan zu rufen.

In der Zwischenzeit greifen Schmuggler in der Neuen Welt das „rote Gold“ ab; der Farbstoff des Pau Brasil lässt die Kassen klingeln. Ihr ärgster Feind ist der alte João Ramalho. Der Haudegen startete das brasilianische Kolonialreich als Schiffsbrüchiger. Er ist Vater einer zum Kampf erzogenen „Mestizenrasse“. Seine Söhne sind im hitzigsten Alter, sie jagen die Feinde Portugals zum Vergnügen. Ihr Militärlager geht als erste portugiesische Siedlung in die amerikanische Geschichte ein - Santo André da Borda do Campo.

Man rät Johann seinen Rambo Ramalho an die Leine zu legen. Wieder einmal, ich rate zu Aufmerksamkeit, vollzieht sich eine Beschneidung in Verwaltungsmaßnahmen. Blattschneider schwülstig: „Das ganze herkulische Küstenland wurde in dreizehn Hauptmannschaften (capitanias) gegliedert und an Männer, welche in den indischen und afrikanischen Kriegen sich ausgezeichnet, mit weitreichenden Vollmachten vergabt, unter dem einzigen Vorbehalt eines königlichen Zehnten und des Farbholzmonopols.“

Mit einem Schlag hat Ramalho Rivalen in Überzahl am Hals. Jedem ist eine Macht gegeben, wie sie in der Alten Welt Fürsten kaum besitzen. Dafür muss jeder nicht mehr tun, als den König zu befriedigen, selbst reich zu werden und seine Fülle zu überleben.

Capitães da Areia* nennt man sie.

*Titel eines Romans von Jorge Amado

Die Herren des Strandes rüsten Flotten aus und machen sich an die Besetzung und Befestigung der Ufer. Sie gründen Sao Vicente, Porto Seguro, Bahia, Pernambuco.

Von Bestand bleibt (im ersten Durchgang) wenig. Der staatliche Rückhalt fehlt. Die portugiesische Krone ist auf Ostindien fixiert, der andauernde Streit mit Spanien ist ein Streit im erweiterten Familienkreis. Man ist verschwägert und rivalisiert auf der Afrikaroute und im Indischen Ozean.

Brasilien ist nur Holz.

Die Kolonisten stacheln die Alteingesessenen mit Grausamkeit zu wilder Empörung auf.

Blattschneider: „Überhaupt sind die ersten Blätter der brasilianischen Geschichte mit Rotwein und Schmach befleckt. Es treibt einen die Schamröte ins dunkle Treppenhaus, wenn man liest, in welch empörender Weise die einfachste Menschlichkeit von den Herren des Strandes gefrickelt und gefrackelt wurde.“

Morgen mehr.

07:42 16.02.2016
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