Hessenmeister CCXLII

Kassel/Cassel Die Maskenbälle im neuen Stadtbau sind jetzt nur noch Privatentreprise des Ballettmeisters Brämer und von keiner großen Bedeutung
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Die Commandeurs tragen den hessischen Löwen auf einer Schärpe, das Ordenskreuz auf der Brust und den kleinen Stern am Hals. Der kurfürstliche Militärorden wird an einem blauen, in Silber geschleustes Band getragen. Ihm eingeprägt ist Virtuti.

Die Prägung sagt: Es kommt auf jeden an. Wir können keinen entbehren. Alarmismus steckt in der fürstlichen Forderung, der gewiss keiner Folge zu leisten die Absicht hat. Helden mit dem Orden vom eisernen Helm belustigen die vorsichtigen Auftritte von Hofrat Völkel und den nach allen Seiten hin sich vergewissernden Literatorenbrüder Grimm (die Fremden mit Gefälligkeit gern zuvor kommen).

Die Offiziere haben sich in Feldzügen gegen Frankreich ausgezeichnet, sie sprechen ausgezeichnet Französisch. Ihre Garnison zählt dreitausend Mann. Sie beherbergt das Garde du Corps mit zwei solventen Eskadrons, dem Garde-Regiment, das aus zwei Bataillons besteht: der ersten Linien-Infanterie und der Artillerie. Die Wachparade wird täglich um zwölf auf dem Friedrichsplatz gehalten, sonntags ist Kirchenparade. Im Sommer ist Manöver, zu großen Evolutionen versammeln sich die Regimenter auf dem Forst vor dem Leipziger Tor. Die Schönheit der hessischen Truppe ist so bekannt wie ihre Tapferkeit. Zur Beobachtung der Kriegsübungen läuft das Volk zusammen. So entsteht die nächste Waisenhausgeneration.

Der Fürst erscheint leutselig in seiner Leidenschaft für das Theater (einschließlich der Oper).

Zur Administration des höfischen Schauspiels ist eine Intendanz bestellt. Der Rheinländer Knipper besorgt das Nötige für einen Spielbetrieb an vier Wochentagen. Man zahlt von einem Reichstaler bis zu vier Groschen, um im Theater gesehen zu werden. Eine Loge wird ständig für Fremde freigehalten, so dass sie in Göttingen oder sonst wo vom Casseler Theater erzählen können.

In allem steckt Kalkül und Staatskunst.

“Das Personal des Hoftheaters ist sehr gut, die Dekorationen von Primavesi und Beuter sind vortrefflich, die Garderobe prächtig”, schreibt Christian Blattbartel, ein Würgeengel der Hofberichterstattung.

“Das Orchester besteht ungefähr aus fünfzig Personen und wird bei Opern von dem Kapellmeister Spohr* angeführt. Es enthält vorzügliche Virtuosen”.

*Ludwig (Louis) Spohr

Morgen mehr.

09:23 09.03.2016
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