Hessenmeister CCXLIII

Kassel/Cassel Noch liegt die Zukunft hinter dunklem Schleier, und nur dessen ist jeder Denkende sich bewußt, daß noch unsägliches Elend, noch heillose Wirrniß Deutschland, ja ganz ...*
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*Europa bevorsteht, ehe die Saat von 1866 beseitigt, oder was Gott verhüten wolle, zu Blüthe und Frucht gediehen sein wird.

Friedrich Wilhelm I. von Hessen-Cassel nach dem Ende seiner Herrschaft.

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Landgraf Friedrich II. stiftete am 6. Juli 1770 den Goldnen Löwenorden. Kurfürst Friedrich Wilhelm I. erneuerte (bestätigte) die Statuten am 20. August 1851.

Die Insignien des Ritterordens bestehen in einem ovalen Ring, worin ein goldener Löwe auf der inwendigen Ringseite steht. Auswendig steht die Ordensdevise: Virtute et fidelitate - Friedericus II: D. G. Hassiae Landgravius inst. 1770. Die Ritter tragen das Zeichen an einem karmesinroten (carmesinrothen) Band, hängend von der rechten Schulter nach der linken Hüfte hin, und ferner auf der Brust einen achtspitzigen, silberstrahlenden Stern, in dessen Zentrum der rotgestreifte hessische Löwe auf blauem Grund zu sehen ist.

Großmeister des Ordens ist zurzeit Seine Königliche Hoheit der Kurfürst.

Ich nenne einige Ritter:

Landgraf Wilhelm

Prinz Friedrich Wilhelm Georg Adolph

Prinz Friedrich Wilhelm

Prinz Georg Carl

Landgraf Carl von Hessen-Philippsthal

Landgraf Alexis von Hessen-Philippsthal-Barchfeld

Prinz Wilhelm von Hessen-Philippsthal-Barchfeld

Prinz Friedrich Wilhelm von Hanau

Graf Texas von Hessen-Thunderbolt

Hochf. Durchl. Landgraf Grand Slam zu Coogan-Cassel

Hochf. Durchl. Wilhelm von Schwarzburg-Rudolfstadt-Burroughs

Herzog Friedrich von Zierenberg

Erbprinz Georg von Cambridge

Großherzog Georg von Mecklenburg-Strelitz

Großherzogl. Hoheit Franz von Sachsen-Meiningen und Hildburghausen

Wir wollen noch ein paar Worte über Friedrich Wilhelms Vater Landgraf Wilhelm IX. später Kurfürst Wilhelm I. von Hessen-Cassel verlieren. Er hatte Tatkraft in Hanau bewiesen, bevor er 1785 nach Kassel zog. Man fand ihn praktisch und verliebt in Saumseligkeiten einer ländlichen Ordnung, in der ein Herrscher ohne großes Vertun jovial in das weiße Milchfleisch des Volkskörpers greifen konnte und man ihm die Baulust nachsah vielleicht sogar als etwas, dass ihm und seinem Nachruhm zur Zierde gereichte.

Wir waren seine Ritter und Reiter, tadellos - und ratlos ob der geringen Aufgaben. Wir hatten kein Jahrhundert in die Schranken zu weisen und kein Weltreich zu errichten oder zu Fall zu bringen. Wir saßen in einem Krähwinkel und waren für jede unserer Aufgaben viel zu groß.

Also ritten wir auf die Jagd und in die Felder zum Schaden der Bauern, die zu verachten wir nicht umhin kamen.

Kurfürst Wilhelm I. war mit einem katholischen Vater geschlagen. Landgraf Friedrich II. liebte Prunk. Im Erdgeschoss des Fuldaflügels seines Schlosses ließ er eine katholische Kapelle einrichten, das Altarbild malte Johann Heinrich Tischbein der Ältere.

Eine weiße Orgel stand in der Kapelle. Daneben lag das Labor für die alchemistischen Interessen des Landgrafen. Wer sich in Hessen mit schwarzem Wissen groß tat, rannte in die Gefahr einer Gefangenschaft. Der sollte im Schloss aus Stein Silber schlagen und wehe, es gelang ihm nicht. Man schlug den Moyeu fürchterlich.

Man baute dem Landgrafen eine persönliche Treppe vom ersten Stock des Nordostflügels zum Labor. Seit der Regierung des ewigen Landgrafen Karl hatte man diesen Flügel für unbewohnbar gehalten, Friedrich sperrte seine zweite Ehefrau Philippine von Brandenburg-Schwedt darin ein und ließ die Täfelungen weiß streichen.

Die Leisten aber ließ er vergolden. Das Ganze hieß petits appartements und war doch nur eine geschlossene Anstalt zum Zweck trostloser Verwahrung & Verrichtung. Den venezianischen Vasen zum Trotz.

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Der katholische Friedrich veranlasste, dass vor seinem Thron vierzig personalisierte Stühle für die Ordensritter gestellt wurden.

Da saßen sie jeden Abend, Landgraf Wilhelm IX. (Kurfürst Wilhelm I.) hatte das französisch-katholische Dekor seines Vaters verbannt, das Ballett abgeschafft und die Virtuosen der Hofkapelle dezimiert.

Das Hofleben war eine einzige Beschränkung und wurde dürftiger noch, als Wilhelms Gattin, Karoline von Dänemark, sich nach Gotha verzog.

Wir wenden uns wieder Wilhelms Sohn Friedrich Wilhelm zu, der mit seinen Rittern 1851 zum Winterstein reitet, um den Löwenschwur der Kurhessen zu erneuern.

Urkunden aus dem 16. Jahrhundert weisen den Berg in der Wetterau als Wintergast aus. Er erschien als monumentaler Gemarkungsstein an einer Grenze zwischen dem Ockstädter und dem Mörler Wald. Elvis Presley wurde da auf einem US-Truppenübungsplatz an der A5 gesehen. Nach Friedrich Wilhelm II. von Hessen-Cassel jagte Ferdinand II. von Sachsen-Coburg (König von Bulgarien) auf dem Winterstein. Kaiserin Elisabeth von Österreich kam wie nach ihr Kaiser Wilhelm II. Ich selbst verbrachte manche Stunde in dem wildreichen Gebiet. Heute trifft man am Winterstein Eremiten, die sich als Imker selbst versorgen. Eine Bienenart von europäischer Einzigartigkeit trägt zum Unterhalt der Schrate bei.

Der Wintersteinfelsen ragt aus einer Quarzitscholle. Die Ader zieht sich vom Rhein gen Usingen. Heerführer Drusus rühmte die Reinheit des Quarzes. Er fiel kurz vor unserer Zeitrechnung in Germanien ein. Die Errichtung eines Kastells verbindet sich in einer Quelle mit der geografischen Angabe Artaunon. Es spricht einiges dafür, dass Artaunon eine Anhöhe bezeichnet, die den Invasoren im ersten Jahrhundert u.Z. nachweislich als ständiges Heerlager diente und seither besiedelt blieb. Die Rede ist von Friedberg. Das Lager hing zusammen mit dem Kastell Saalburg, dessen erster Bauabschnitt von Kaiser Domitian während der Chattenkriege 83 - 85 befohlen wurde. Der Saalburg nahe standen die Kastelle Kapersburg, Ockstädter Wald und Langenhain (an der Usa in der Mörlener Bucht). Die Mannschaften der Befestigungen wachten über den Limesweg. Der Weg folgte einem keltisch-germanischen Trail nach Norden.

Das Kastell Langenhain war bis 260 mit fünfhundert Soldaten belegt. Ein extra hoher Wachtturm machte sich auffällig. Nebenan bauten die Römer Silber ab.

So viel zur Umgebung.

Ziel der Ritter vom Goldnen Löwen ist das Forsthaus Winterstein (ursprünglich Friedbergerische Jägerbaute). - Zu finden im Burgwald und da erbaut 1766.

Morgen mehr.

07:03 10.03.2016
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