Hessenmeister CCXLV

Kassel/Cassel Die Zweite Klasse der kurhessischen Rangordnung listete Staatsräte so wie sämtl. Erbämter außer dem des Erb-Marschalls auf
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Sprach man vom Kurhaus zu Cassel, war die Rede nicht von einem Bad. Das Kurhaus bezeichnete die fürstliche Familie. An erster Stelle stand schließlich Friedrich Wilhelm II. Seit dem 20. November 1847 regierte er. Er tat dies in obsoleter Manier so absolutistisch. Ihm diente als Gemahlin die in hohe Ränge gehievte Gertrude. Friedrich Wilhelm hatte ihr das Ansehen einer Fürstin von Hanau gegeben. Doch ist nicht alles gesagt, da ich sage, ihr niedriger Stand unterbrach die Erbfolge? Nach ihr kam Auguste Marie Gertrude, die sich mit Ferdinand, dem Grafen von Ysenburg und Büdingen-Wächtersbach zufrieden geben musste. Es kam Alexandrine Friederike Wilhelmine, die man wenigstens einem Prinzen zu Hohenlohe namens Wilhelm Eugen Carl Ludwig Felix geben konnte. Das morganatische Trauerspiel setzte Marie Auguste fort, die Prinz Wilhelm Friedrich Ernst von Hessen-Philippsthal-Barchfeld zur guten Partie hochjazzte.

Gouverneur Coogan beschreibt in seinen geheimen Aufzeichnungen den fürstlichen Nachwuchs als Fallobst der Liebe. Die Mesalliance hatte Friedrich Wilhelm nur Scherereien mit seinem Volk eingebracht. Das war snobistischer als er.

Der Großherzog notiert 1860: Im Pöbel haust die Reaktion. Er will jeden Republikaner an einer Laterne baumeln sehen. Ihm reicht, dass einer seinen Garten nicht in Ordnung hält, um dem Liederlichen die Pest an den Hals zu wünschen.

Nach zwei Töchtern erschien am 18. Nov. 1832 Friedrich Wilhelm. Ihm folgte Moritz Philipp Heinrich, der im Jahr der Ereignisse (sechs Jahre bevor die Preußen kamen) Major à la suite der Garde du Corps war. Der Rang verdichtet sich nicht zu besonderer Bevorzugung. Auch der Drittgeborene, Wilhelm, war lediglich Hauptmann im Leibgarde-Regiment. Carl war Second-Lieutenant, der Artillerie aggregiert. Jüngere Brüder waren ebenso Second-Lieutenants im Leibgarde-Regiment oder in der Garde du Corps. Ihre einzige Tante am Hof war Marie Friederike Wilhelmine Christiane, verheiratet mit einem nicht regierenden Herzog von Sachsen-Meiningen und Hildburghausen. Eine Großtante belebte als Witwe des Herzogs von Schleswig-Holstein-Glücksburg den Familienkreis. Das war ihre Bedeutung. Kein Register, keine Chronik, keine Anekdote, kein in den Schluchten der Zeit versteinerter Klatsch billigt ihr eine andere als die Gattinnenrolle zu. Obwohl sie Tochter des ewigen Landgrafen Karl (Carl) war. Jener herrschte sechzig Jahre. Er verlieh und verkaufte Landeskinder. So wurde er reich, während Hessen arm blieb.

Darum soll es heute gehen. Landgraf Carl sah sich nicht als erster Diener seines Staates. Der Staat war vielmehr seine Beute, er verstand eine einzigartige Stellung als Schürfrecht. Was für ihn eine glänzende Armee war, erzählt uns Büchner im Woyzeck noch einmal anders. Doch nutzte Carl die Folgen des Edikts von Fontainebleau zum Frommen unseres Landes. Er siedelte Hugenotten in Hessen an und brachte so die Wirtschaft in Gang.

Nachkommen der Flüchtlinge sprachen sich zuletzt in Karlshafen gegen nachkommende Flüchtlinge aus. Sellerie.

Ich will sagen, dass Carl, bloß um einem Bruder was zu geben, Philipp das aufgelassene Kloster Kreuzberg überließ, das dann als Schloss Philippsthal topografisches Zentrum der Landgrafschaft Hessen-Philippsthal wurde. Räumlich gesehen war die Grafschaft ein Witz. In dynastischer Betrachtung war sie ein Pfund, mit dem sich in Europas ersten Häusern wuchern ließ. So ein Landgraf von Hessen-Philippsthal konnte General-Lieutenant und Chef des dritten Infanterie-Regiments, Kaiserl.-Russ. General-Lieutenant und Chef des Kaiserl. Russ. Husaren-Regiments von Odessa, Königl.-Preuß. General-Lieutenant und Chef des Königl. Preuß. 6. Ulanen-Regiments und ferner Königl. Dänischer General-Lieutenant - und sogar der Mann einer Großfürstin von Russland, ich spreche von Alexandra Nicolajewna, sein.

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Krieg führte man grundsätzlich gegen Verwandte und in brüchigen Bündnissen. Neben der Kleinigkeit Hessen-Philippsthal-Barchfeld gab es das Großherzogtum Hessen und bei Rhein, in der viele preußische, sächsische und englische Bräute zur Stärkung Hessens herangezogen wurden, zum Beweis der Bedeutung des Herzogtums, von dem ihr doch noch nie gehört habt. Es gab endlich Hessen-Homburg, dessen beste Witwe (Caroline Amalie Elisabeth) Fürst Heinrich XX. von Reuß zu Greiz gewohnt fidel überlebte.

So stellte sich Kurhessen im Zustand der Letalität dar. Die Preußen scharrten schon mit den Hufen, doch noch einmal wurde versammelt und noch einmal wurde versammelt und gezählt, was unter Hessen Rang und Namen hatte. Im Gesetzblatt von 1860 finde ich die Ansprache

Von Gottes Gnaden Wir Friedrich Wilhelm I. Kurfürst etc. etc. erlassen nach Anhörung Unseres Staatsministeriums die nachfolgende Rang-Ordnung für Unsere Dienerschaft vom Militär- und Zivil-Stande:

Erste Klasse

Große Abteilung (mit dem Prädikat Exzellenz)

General-Lieutenants. Wirkliche Staatsminister. Erb-Land-Postmeister. Ober-Hofmarschall. Ober-Kammerherr. Wirkliche Geheime Räte.

Und da sind sie, die unsterblichen Hessen:

Großherzog Grand Slam Coogan

Graf Texas zu Thunderbolt-Waldau und Grebenstein

Ritter Friedrich von Zierenberg

Wilhelm Seward II. von Burroughsthal und Wahlershausen

etc.

etc.

etc.

Morgen mehr.

06:17 12.03.2016
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