Hessenmeister CCXLVI

Kassel/Cassel Die Posthalterei zu Cassel unterstand Friedrich Nebelthau. Der Postverkehr nach Eisenach folgte dem Schmalkalder Cours
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In der Feuerwaffensteinzeit setzte der Ladevorgang den Arkebusier gegenüber dem Bogenschützen in einen Nachteil. Bei Regen fiel der Einsatz von Feuerwaffen ins Wasser. Man baute schließlich Luntenkästen, das verknatterte Gefummel belustigte den Gegner. Ein weltweiter Hochmut nannte das Geschäft des Büchsenschützen plebejisch.

Im späten 16. Jahrhundert hatten viele japanische Ritter (Bushi) ein Gewehr. Sie nutzten es zu ihrem Vergnügen. Ihre Treffsicherheit bewiesen sie Fasanen. Man musste sie dazu anhalten, die Apparate auch in den Kampf zu schleppen. Der Einsatz von Feuerwaffen verminderte die intrinsische Motivation auf dem Schlachtfeld. ((Oft folgten die Blutbäder Schwertkampf-Duellen, denen aufwendige Selbstdarstellungen voran gingen. (Es ist dumme Mode, zu glauben, Selbstdarstellung sei schlecht.)) Es ist zudem gut zu wissen, dass nicht jedem Bushi erlaubt war, ein Pferd zu besitzen; wohl aber ein Gewehr.

Zehn Prozent der japanischen Bevölkerung standen um 1600 hauptberuflich unter Waffen. In einem Bettelbrief verlangt ein Heerführer von seinem Chef so viele Feuerwaffen wie möglich für dreißigtausend Mann. Theodor Mommsen erklärte 1893 vor der Limeskommission in einer Nebenbemerkung, dass es weiter nichts als unbegründeter Dünkel gewesen sei, der im Verlauf des 17. Jahrhunderts in Japan zu einer Ausmusterung aller Feuerwaffen geführt hatte.

Wir lernen, dass die Überzeugungskraft von Argumenten nicht aus der Logik kommen muss.

Luther und Shakespeare sprachen sich gegen Feuerwaffen aus, während Deutschland sich bereits anschickte, ein Großraum des Kanonenbaus zu werden. Auch Japan exportierte noch zu Shakespeares Zeiten Kanonen. Die Entwicklung schien unumkehrbar. Zu den besten Gründen, modern bewaffnet zu sein, zählte der spanische Expansionsdrang. Wir haben uns mit der Kolonisierung Amerikas beschäftigt; Japan entging einer Invasion auf den Wegen der Wehrhaftigkeit. Am Blut ihrer Nasen erkannten die Spanier, dass sie den japanischen Streitkräften nicht gewachsen waren. Das Engagement der Heimwehr wurde belohnt. Bis in die 1850er Jahre mussten Japaner keine weiteren Invasionsversuche abwehren.

Japanischen Rittern fiel es leicht, sich von den gleichmachenden Feuerwaffen, ich erinnere an das amerikanische Diktum God created man, Sam Colt made them equal, zu trennen, nicht aber von ihren Schwertern. Der Bushi nahm sich von seinem Schwert nicht getrennt wahr. Er lebte in ständiger Vereinigung mit seinem Schwert. Erst das Schwert (als ein Recht) gab ihm (das Recht auf) einen Namen. Diese Verschmelzung wäre nicht möglich gewesen, wenn sich in Japan (so wie in Europa) die Schönheit von der Zweckmäßigkeit gelöst hätte. Dazu später mehr.

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Cassel in den 1860er Jahren. TDA Thunderbolt übernahm die Oberberg- und Salzwerksdirektion, den Dienstag bestimmte er zum Sitzungstag. Man versammelte sich in einem Geschäftslokal an der Oberen Carlstraße (101). Da trafen zusammen

Direktor Johann Rudolph Sigmund Fulda

Ober-Bergrat Eduard Dunker

Berg-Inspektor Julius Heinrich Des Coudres.

Referent Carl von Buttlar, dessen Familie der Sage nach rechtzeitig aus England nach Hessen gekommen war. Sie hatte das östlich unserer Stadt vorliegende Bettenhausen von dem Rittergeschlecht der Elben im Erbgang übernommen und zählte zur Althessischen Ritterschaft. Ein Buttlar war einem überragenden Mann wie Thunderbolt bis zur Ebenbürtigkeit angenehm.

Der Repositur stand Nepositar Wilhelm Carl Reinhard vor. Er war kaffeesüchtig und ging zu Frauen, die gemalt wurden und in Zeitungen vorkamen.

Thunderbolts Buchhalter hieß Wilhelm Fiedler, der Probator Nikolaus August Egeling. Zum Pedell bestellt war Anton Vossenberger.

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Thunderbolt inspizierte die Bergämter. Er begann mit dem Bergamt zu Bieber. Dazu gehörten selbstverständlich die gewerkschaftlichen Braunkohlewerke in Rückers und Eichenried.

Gewerkschaft verwies auf Gewerk, sonst auf nichts. Thunderbolt beobachtete den Fortgang bergbaulicher Schürf- und Versuchsarbeiten in Steinbrüchen und Tongruben der Bezirke Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern so wie den betrieblichen Fortgang in den Ämtern Großenlüder und Neuhof. Er reiste konsequent zu Pferde, er war kein Typ für eine Kutsche.

Thunderbolt besuchte nur empfohlene Gasthäuser und Konditoreien. Hörte er die Sohlen einer unachtsamen Art auf dem Kies verdächtiger Umstände knirschen, schnappte er augenblicklich ein. Kurz gesagt, Thunderbolt beanspruchte überall den besten Service, ohne je die Stiefel von seinen Füßen zu befreien. Er sprach zum Volk, immer bereit, es zu belehren. Das ist verbürgt. Manchmal leistete ihm ein Wundarzt beim Abendbrot Gesellschaft oder die Hausfrau kriegte rote Wangen.

Thunderbolt ritt hin zum Bergamt am Habichtswald. Da waren auch die Merrhäuser Brüche und die kurfürstliche Ziegelei. Der Bergzehnt-Erheber und Münzverwalter, ein Sievers aus Ziegenhain, vermied timid das unbestechliche Inspektorenauge. Da wusste Thunderbolt gleich, das ist kein Guter, kann er doch einem geraden Mann nicht gerade in die Augen sehen. Es gab Braunkohle am Stellberg, am Mönchberg und am Hühnerberg so wie in Wuhlhagen, Hirschhagen und am Lammsberg bei Gudenberg. Doch die Braunkohle im Habichtswald hatte das malerischste Lager. Erdgeschichtliche Gravuren lockten Schwärmer auf die Hänge, wo sie mit aufgerissenem Gebaren einen unglaublichen Mist von sich gaben.

Thunderbolt lenkte sein Pferd gegen den untüchtigen Sievers. Der bösartige Münzwart zuckte kleinwüchsig zusammen.

Morgen mehr.

11:46 14.03.2016
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