Hessenmeister CCXLVII

Kassel/Cassel In Sitte und Sprache leben untergegangene Reiche weiter. J. Burckhardt
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In den Hinterzimmern von 1920 dehnten abtrünnige Priester und entwurzelte Junker die Vorgeschichte der Menschheit bis zur Oktoberrevolution. Manche stützten diesen Geschichtsabsolutismus mit Bemerkungen von Jacob Burckhardt. Burckhardt selbst hatte sich einschlägig auf eine Gutschrift von Antoine Breitkopf berufen, die 1829 im Morgenblatt für die gebildeten Stände erstmals erschienen ist.

Breitkopf war allerdings ein Pseudonym. Es verbarg einen energischen Parteigänger der Feuillants, ich spreche selbstverständlich von Salamandre Foudre. Er startete als Girondistenjäger und endete als Monarchist. Im Mai 1794 soll er an keinem Tag nüchtern geblieben sein. Er fand dann gute Gründe, sich in Europa zu verlaufen und einen Preußen aus sich machen. Rechtzeitig zur Hinrichtung von Couthon etc. kam er zurück und etablierte sich als Korrespondent und Diplomat*.

*Regierungen (Höfe) unterhielten in Paris ständige Vertretungen, die nicht landsmannschaftlich adäquat besetzt wurden. Die Vertreter wirkten wie/als Lobbyisten auf das Direktorium ein.

Der unvermeidliche Sibelius Blattschneider: Foudre mischte bald ohne Glauben an eine gesegnete Volksherrschaft mit. Wie kann man die Revolution bis zur Klassenlosigkeit erniedrigen? Das ist einfach nur abenteuerlich. Den Kreis der Resignierten vergrößerte Foudre trotzdem nicht. Er riss Witze am laufenden Band, vermutlich infolge eines Dachschadens.

Foudre in seinen eigenen Worten: Der Weltgeist sprach französisch. Nicht jeder verstand ihn.

Die Revolution hatte aus ihm einen Aristokraten gemacht. Schließlich erschien ihm nichts abstoßender als die Forderung nach Gleichheit. Foudre hielt Vorträge im Bordell, lobte die Zensur und verließ sich auf die Flittchenfurcht.

Allgemein nahm man ihn als Autor der Spätaufklärung wahr. Leute, die es besser wussten, rechneten Foudre zur Avantgarde der Reaktion. Konterrevolutionäre und was sich sonst noch royale Emigration schimpfte, zogen Foudre auf den Schlössern ihrer deutschen Verwandtschaft ins Vertrauen. Da warnte der Bedarfspreuße vor den Sansculotten, deren Politikbegriff Foudre schlankweg hosenlos nannte. Er zeichnete das Schreckbild einer hosenlosen Demokratie.

Damals verstand man das. Wer seinen Lebensunterhalt mit Arbeit erflennte, konnte unmöglich einer Gesellschaft Glanzlichter aufsetzen.

Den Deutschen rief Foudre zu:

Wie lange wollt ihr euch noch wie ... verkaufen lassen? Die Armut sollte ihm aus den Augen gehen.

*

Alles auf Anfang. Von der Revolution versprach man sich eine Verbesserung der Landwirtschaft so wie der Künste nicht zuletzt. Freiheit sollte den Geist entfesseln. Der entfesselte Geist würde für Wohlstand sorgen. Foudre wollte auf seinen Wegen keinem Bedürftigen begegnen. Ludwig sah er gut aufgehoben in einer Stätte der Umschulung - der ehemalige König als zukünftiger Sportlehrer.

Foudre hatte das Glück, in Paris geboren zu sein, es bedeutete für ihn nicht mehr als einen Spaziergang, um im Kasino von einem Proxénète zur Kompagnie eingeladen zu werden.

Foudre war zudem spielsüchtig.

...

Wer sich im Kasino wegen einer Beutelschneiderei mausig machte, wurde von den Süpots erst sine ira et studio, gleichwohl zuverlässig verhauen und dann auf die Straße geworfen. An den Delinquenten vorbei zogen Dirnen ein, da sie unter den Arkaden Feierabend hatten, um für ein paar Livres, so sie allein kamen, und für einen Louisdor, falls sie einen Flaps mitbrachten, die Nacht durch zu tanzen.

Morgen mehr.

14:59 21.03.2016
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