Hessenmeister CCXXVI

Philipp von Hutten Er nimmt „angenehme Bäder in klarem Wasser“ - ein Vergnügen, das er mit Tausenden teilt. Die indianischen Strandbäder feiern ganzjährig Springbreak
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Jeder Kulturfolger* sympathisiert erfolgreicher mit dem Kulturschaffenden als der gemeine Wilde in seiner Art.

T.D.A. Thunderbolt kritisiert eine Bemerkung von Sir Arthur Wellesley, indem er sie zitiert.

*Silberfische und Wanderratten sind Kulturfolger.

Der Botaniker führt aus: „Die katholische Kirche bewahrt dem „Indio manso“ ein Daseinsrecht in seiner Verniedlichung. Sie stellt ihn als armes Kind der Wildnis hin.“

Wellesley geht in die Vollen: „Gegen die Behörden (die es auf eine Vernichtung der Indianer abgesehen haben) soll nicht der leiseste Vorwurf erhoben werden. Denn gewiss wird der Zivilisation mehr mit der Ausrottung als mit der Erhaltung der Wilden gedient.“

Wellesley setzt barbarisch und human vor Ausrottung und Erhaltung, doch barbarisch erscheint ihm allein die Erhaltung.

Den Mut, die Sache zu Ende zu bringen, fordern andere auch. Sie nennen es Feigheit, den aus dem Kuckucksnest der Steinzeit gefallenen Wilden im Elend zu lassen, wo er doch nichts anderes als das Elend vererben kann.

Thunderbolt empört lebhaftes Empfinden: „Der europäische Impetus trifft auf ein indigenes Elysium. Kurz vor der Mündung vereint der Amazonas seine aus zahllosen Kanälen ihm zufließenden Wasser zu einem siebzig Stunden breiten Strom. Darauf verkehren in sehenswertem Laissez-faire „Kähne, auf den Familien in tagelanger Trägheit zuhause sind. Sie entspannen in Matten, welche zwischen Masten durchhängen.“

... sie rauchen Tabak und trinken Tee.

Thunderbolt wähnt sich auf den Bahamas. Er begeht Flecken frei von Moskitos und Sandfliegen. „Ein tiefblauer Himmel“ bleibt wochenlang wolkenlos bei durchschnittlich siebenundzwanzig Grad.

Thunderbolt nimmt „angenehme Bäder in klarem Wasser“ - ein Vergnügen, das er mit Tausenden teilt. Die indianischen Strandbäder feiern ganzjährig Springbreak. Sie sind Schauplätze von Mangosaftorgien.

Thunderbolt verurteilt „den Iren Wellesley“ als „Promoter einer Mordpolitik“.

Dem zahmen Inder widerspricht der Waldindianer (indio salvajes) in seiner Lebensweise. Thunderbolt schätzt 1840 die „Seelenzahl“ der Freien auf Neunhunderttausend. Die brasilianische Regierung dezimiert sie nach Kräften mit „Blatterngift“.

Thunderboldt besucht eine Abteilung Omagua und findet sie „nicht ganz bildungsunfähig“.

„Auch etwas Ackerbau treiben sie“.

Die Männer tragen Dutt und Kiele in den Lippen. Von Kleidung kann kaum die Rede sein. Beleidigungen rächen die Omagua gerade so wie unsere Kavaliere.

Der Volksname ist eine übernommene Fremdzuschreibung. In der Übernahme wird eine Abwertung umgedeutet. Zur Kuriosa früher ethnologischer Betrachtungen - Maximilian Alexander Philipp Graf zu Wied-Neuwied: Ihr Aussehen lädt nicht ein. ... Der Mangel an Wimpern und ein scheuer Blick ... Trotzdem haben sich Missionare von dem Versuch, die Omagua zu bekehren, nicht abhalten lassen.

Die ersten Beschreibungen lieferte im 16. Jahrhundert Philipp von Hutten. Hutten stand dem Welserland vor, einer kaufmännischen (bürgerlichen) Staatsgründung auf dem Boden des heutigen Venezuelas. Thunderbolt verweist auf den deutschen Entdecker, dem im 19. Jahrhundert Prinz Max von Neuwied (so nennt ihn Thunderboldt) als rheinische Frohnatur und Naturforscher folgte. Seine Mutter war eine Sayn-Wittgenstein, der Prinz fiel als Parteigänger des reaktionären Bourbonenflügels auf und legte Wert auf die Freundschaft zu Karl X., dem letzten König von Frankreich und Navarra. Seinen royalistischer Aufstandseifer vereinte Prinz Max mit botanischen und völkerkundlichen Neigungen.

Thunderboldt trifft ihn bei den Coroados, Prinz Max notiert:

Ihre Häuser sind recht gut von Holz und Lehm gebaut und mit Dächern von Palmwedeln und Rohr bedeckt. ... Ihr Geschirr ist schlecht gebrannt.

Morgen mehr.

07:27 24.02.2016
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