Hessenmeister CCXXVIII

Kolumbien 1528 bestimmten die Augsburger Welser den Ulmer Ambros Dalfinger zum Statthalter in ihrem Welserland, das ihnen Kaiser Karl V. als Pfand überlassen hatte
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Die ecuadorianische Ostkordillere tritt in Kolumbien als Zentralkordillere auf. Zum Gegleit der Cordillera Real passieren zwei Gebirgszüge die Grenze. Die Westkordillere zeigt wenig Ehrgeiz. Ihrem geringen Erhebungseifer widerspricht immerhin der Chimborazo. A. v. Humboldt berichtet von diesem Ausflugsziel des 19. Jahrhunderts. Thunderboldt lässt die Cordillera Occidental links liegen. Er stößt ins mittlere Andenhochland vor. Er zeichnet die verkrüppelte Sträucher des Páramo. Er umkreist die Schlote aktiver Vulkane. Er schreibt:
Kaum übermannt man den 6. Grad nördl. Breite, verläuft sich das Gebirge im Hügelland.
Vielleicht geht es nur mir so, ich vernehme bei Thunderboldt jedenfalls Groll, wann immer eine Gegend es wagt, nicht heroisch zu erscheinen. Der Botaniker ist rasend schnell dabei, Landschaften zu denunzieren. Sie sollen Riegel bilden und kaum überwindbare Hindernisse darstellen. Ein Festungsarchitekt hat die Natur gebaut. Thunderboldt sieht sich vor, als läge es ständig an ihm, ein bedrängtes Volk auf Saumpfaden in die Freiheit zu führen.
Thunderboldt steigt ab zum Magdalenenstrom. Das Bett wird von Heftigkeit ständig umgepflügt.
Es lohnt kein Menschenwerk, schreibt Thunderboldt.
Jede Sandbank trägt zwanzig Kaimane.
Thunderboldt: Das karibische Element setzt sich überall durch.
In einem Andental trifft er Leute wie auf den Antillen - einen unternehmenden Stamm. Selbst die Weiber dieser Kariben kämpfen mit zäher Ausdauer, was vielleicht die Sage von den Amazonen Südamerikas erklärt.
Thunderboldt gestattet sich die Annehmlichkeiten einer Raddampferpassage. Er verallgemeinert grob nachlässig:
Die Kapitäne und ihre Piloten sind stets Engländer, die Mannschaften bestehen aus Mestizen und Mulatten.
...
Immer wieder lässt die Gewalt des Flusses das Schiff fast zerspringen. Regen platzt mit der Härte von Hagel aufs Deck. Schnacken treiben die Reisenden in trübe Erbitterung.
Es bietet sich kein Lichtblick an. Zuflucht nehmen viele zum Gebet.
...
Thunderboldt inspiziert die Pazifikküste. Die politischen Verhältnisse in Kolumbien vergleicht er mit Schweizer Verhältnissen. Den beständigen Zwist der Parteien nennt der texanische Botaniker das Krebsübel aller südamerikanischen Staaten. Einem Bürgerkrieg seien 60.000 Kakaobäume zum Opfer gefallen.
Thunderboldt beschreibt einen (verworfenen) Menschenschlag ohne Gewissheiten. Man lässt sich anheuern, das ist das Prinzip. Man trampt mit jedem, der einen Vorteil verspricht. Eine hohe Lebenserwartung hat keiner. Alle sind mit dem Sklavenhandel verbunden.
Die Vegetation verneint ihren tropischen Standort. Stattdessen hat man Landwirtschaft mit Klee und Weizen. Kaum ein Baum wächst außerhalb der Hacienden.
Morgen mehr.
09:45 28.02.2016
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