Hessenmeister CCXXXI

Cartagena Die Sklaven werden von Alfons Manresas Helfern erst versorgt und dann ... verscherbelt. Die Kundschaft shoppt unter Sonnensegeln, man reicht ihr Säfte ...
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Man nannte ihn Speedy Gonzales der Nächstenliebe - Al Manresa.

Der Rocker als Hirte. Lief ein Sklavenschiff ein, rannte Al an Bord und drang ein/vor in den Laderaum, dessen Zustand jede Schilderung kollabieren lässt. So in Eile war er, um einem Sterbenden beizustehen oder einen Schwerkranken zu waschen. Um einen Leidenden an Deck zu hieven (zu tragen) wo Al ihm ein Lager hinbreitete. Er taufte, was das Zeug hielt.

Sein Business war die Rettung der Seelen. Ohne Taufe kein Einzug ins Himmelreich. Das war restriktiv geregelt. Deshalb fand jedes Mal ein Le Mans der Bekehrung statt, während die Kundschaft auf dem Marktplatz von Cartagena zu Ungeduld tendierte.

Natürlich handelte Al nicht allein. Er kontrollierte jederzeit Hunderte von Hallelujah-Junkies.

Al baute auf den Druck der Straße. Er erfand Spielarten direkter Demokratie. Seine Leute äfften Eigenarten der Kapitäne nach. Sie vermiesten prominenten Sklavenschiffern den Landgang. Skipper Paul Gascoigne schrieb 1652 seiner Schwester: “Nicht einmal mehr im Festungspark hat man seine Ruhe. Jahrelang war dieser Garten der Stille Hort, nun jagen sich Freiluftinszenierungen auf dem Rasen. Man ahmt mich nach, wie ich den Flachmann ansetze so wie ich ihn absetze. Man entkleidet mein Gongfu seiner ungewollten Noblesse und stellt es als närrische Angelegenheit dar. Ich nenne dies im Ganzen einen Versuch organisierter Verdrängung in der Regie von Alfons Manresa.”

Gascoigne leistete passiven Widerstand nicht anders als Jahrhunderte später Nachkommen der von ihm importierten Afrikaner.

Zuträger hielten Al auf dem Laufenden.

Der Gascoigne geht nicht weg. Dem Greis kannst du quasi in der Nase bohren, der verzieht keine Miene.

Al tropfte im Kreis “noch heidnischer Neger” (Willi Blattschneider) die seiner Unterweisung bedurften. Die größten Schwierigkeiten bot die Mannigfaltigkeit der “Negersprachen”, da ein einziges Schiff oft dreißig verschiedene Völker in seine Bestandteile zerlegte.

...

Kein Anblick war Al so ekelhaft, kein Geruch so widerlich, dass er ihn nicht um Christi Willen freudig ertragen hätte. Täglich leistete er den Kranken die niedrigsten Dienste.

Was tat Gascoigne im Gegenteil?

Er betrank sich mit Whisky im Festungspark und pflegte seinen unbrauchbaren Humor im Selbstgespräch.

Seine Gesichtsreste gaben ihm ein arabisches Aussehen.

Es war gespenstisch.

Morgen mehr.

10:19 02.03.2016
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