Hessenmeister CCXXXIX

Kanamoto Dichter verherrlichten den Schmied Kanamoto
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Japan war immer eine Exportnation. Darüber müsste man nicht reden, entsprächen die sozialen Koordinaten dem Profil. Doch stellt sich die Frage, wie kommt ein sich abschließendes Land zu ausführender Offenheit. Im 17. Jahrhundert haut Japan Kupfer und Stahl in die Welt bis nach Amsterdam. Es liefert Waffen wie im Fieber. Auch Hakenbüchsen, als sie im permanenten Bürgerkrieg kaum noch eine Rolle spielen. Zugleich verbietet die japanische Regierung radikal jedweden westlichen Schick. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg entdeckte ein Team des amerikanischen Sonderermittlers Texas Thunderbolt Geheimverträge aus dem Jahr 1612, in denen sich Japan zum Verkauf von neunzehn Kanonen mit einem Gesamtgewicht von zwölfkommazwo Tonnen Eisen an Spanien verpflichtete.

Niederländer rissen sich um japanisches Kupfer. Sie standen Schlange deswegen. Händler ließen sich vom Hochmut der Japaner demütigen. Da war ein rasender Stolz, eine dramatische, mit Höflichkeit abgedeckte Verachtung auf der einen Seite. Auf der anderen Seite manifestierten sich die Beschwerlichkeiten des Welthandels mannigfaltig in Krankheiten und anderen Bedrückungen.

Der Japaner hatte indes nichts. Kerngesund tat er, was zu tun ihm oblag. Er wunderte sich über die vielen europäischen Analphabeten. Über einen eklatanten Mangel an Eleganz.

Ein Chronist aus Ishiyama lästert:

Ihre Gefühle zeigen sie wie kleine Kinder. Die Bedeutung des geschriebenen Wortes kennen sie nicht. Sie haben kein Zuhause. Man kann ihnen alles andrehen.

Militärischer Ruhm war das Ziel jedes Mannes aus gutem Haus, sah man von ein paar Schranzen in Kyoto ab, die ihre lyrische Produktion über alles stellten.

Die Dichter nannte man Pinguine. Ihr vornehmster Gegenstand war fein geschmiedeter Stahl. Sie verherrlichten den Schmied Kanamoto, der auch in den buddhistischen Klosterschenken und bei Zikadenkonzerten besungen wurde.

Damals trugen alle Mönche Schwerter. Manche Schwerter waren so lang, dass man sie nicht im Gürtel tragen konnte. Vergleichskämpfe mit tödlichem Ausgang waren an der Tagesordnung.

Morgen mehr.

09:33 05.03.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare