Hessenmeister CXIV

Kassel Landgraf Wilhelm IX. v. Hessen-Cassel besaß die Bodonischen Prachtwerke aus Parma in seltener Vollständigkeit
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Bildnachweis: Mara Neusel

Die Erkundung des Seewegs nach Indien konkurrierte mit einem größeren spanischen Staatsziel – der Rückeroberung des Heiligen Landes. Die königlichen Hoheiten Isabella und Ferdinand hatten den Ehrgeiz von Musterschülern. Sie wollten die besten katholischen Monarchen sein und folglich die Lieblingskönige des Papstes in seinem römischen Atrium des Himmelreichs.

Kolumbus versprach seinen Herrschaften eine Abkürzung zu in Gold aufgewogenen Spezereien und eine Tonne Gold gleichsam in bar, die Herrschaften hielten ihren Admiral zu Sparsamkeit an. Man hat sich die Gier und andere Gemeinheiten des „Entdeckers“ auch so erklärt, dass Kolumbus seine Reisekosten in jedem Fall ersetzen musste.

Für das Seelenheil eines guten Christen lag in Indien wenig und in Jerusalem viel.

Mit Speck fängt man Mäuse. Kolumbus sagt zu Isabel: „Gib mir 'ne Flotte und im Gegenzug besorge ich dir die Kohle, die du brauchst, um mit dem Muselmann abzurechnen.“

Das war der Deal. Ausbreitung des Reiches Gottes gen Westen, um da die Mittel zur Rückeroberung jener Nahostgebiete zu gewinnen, die „der Christenheit vom Islam geraubt worden waren“. Ich zitiere Cornelius Kammschneider, er formuliert umständlich: „Die Erkundung des Seewegs nach Indien rückte versehentlich Amerika in die europäische Perspektive.“

Beachtet die Ökonomie des Plans. Das Kalkül erinnert an die Kaltblütigkeit der weiblichen Grabwespe. Sie lähmt ihr Opfer mit Gift (Stachelapplikation) und serviert das Opfer ihren Larven lebend.

Mit dem Gold der Kaziken sollte ein Kreuzzug ausgerüstet werden.

Siebzig Jahre nach Kolumbus ist die Neue Welt zum Rummelplatz geworden. Ich sage nur Tortuga. Sodom und Gorgonzola. Italienische Gangster ziehen die erste Mafia auf, Meyer Lansky eröffnet ein Casino auf dem Alexanderplatz der Insel, Vollidioten brüsten sich auf Brunnenrändern, Flagellanten vereinen sich zu Prozessionen, Friedrich von Zierenberg beobachtet Möwen, die vom Fang der anderen leben. Wie Diebe in der Nacht bemächtigen sie sich fremder Fische. Zierenberg fragt sich, warum nicht alle Möwen dem Beispiel der Piraten folgen.

Kolumbus hatte Kuba für eine asiatische Halbinsel gehalten, nun fallen die kubanischen Stutzer zum Zocken auf Tortuga ein. Seit Jahrzehnten schickt man spanische Schwerverbrecher Richtung Hispaniola, „so kam der Abschaum des Menschengeschlechts nach Westindien, der die Belehrung der Indianer unmöglich machte.“ (Kammschneider)

Im Frühjahr 1495 passierte Kolumbus den Drachenschlund von Trinidad und stieß bald auf ungewöhnlich „stattliche“ Inder, denen Freundlichkeit abging. Eine Streitmacht stellte sich der Expedition entgegen, auf einen Spanier kamen fünfhundert erregte Bürger.

Aber die Übermacht hielt den Geschützen, der Reiterei und der Bluthundestaffel nicht stand. Der Sieg des Kolumbus war leicht und vollkommen. Der Admiral brachte das harte Recht der Sieger über den Verlierern zur Geltung.“ (Kammschneider)

Kolumbus spielte sich als Herr im Haus auf und war doch bloß ein Dahergelaufener. Er verlangte nicht nur eine exorbitante Kopfsteuer vom Inder auf Trinidad, er kriegte sie auch. Anstatt ihn um seinen Kopf zu kürzen, gab man ihm jedes Jahr hundertsiebzig Gulden in Gegenwerten.

Morgen mehr.

07:59 18.12.2015
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